Titel: Ueber ein neues Saccharin aus Milchzucker.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250/Miszelle 8 (S. 474)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/mi250mi10_8

Ueber ein neues Saccharin aus Milchzucker.

Um Isosaccharin herzustellen, löste H. Kiliani (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1883 S. 2625) 1k Milchzucker in 9l Wasser, versetzte die kalte Lösung mit 450g Kalkhydrat und lieſs sie unter häufigem Umschütteln 6 Wochen stehen. Hierauf wurde die über dem gebildeten Niederschlage stehende klare, braunrothe Flüssigkeit mittels Heber abgezogen, mit Kohlensäure gesättigt und zum Kochen erhitzt. Die filtrirte Lösung wurde bis auf etwa 2l eingedampft, wobei sich in reichlicher Menge isosaccharinsaurer Kalk ausschied, welcher nach völligem Erkalten und 24stündigem Stehen der Flüssigkeit auf ein Saugfilter gebracht und durch Waschen mit kaltem Wasser gereinigt wurde. Die Ausbeute betrug in der Regel 150 bis 180g lufttrockenes Kalksalz.

Aus der abfiltrirten Flüssigkeit schied sich nach längerer Zeit ein Kalksalz, (C6H11O6)2Ca.2H2O, aus, welches durch Zersetzen mit Oxalsäure und Verdunsten der Lösung groſse farblose Krystalle eines neuen Saccharins, Metasaccharin genannt, lieferte. In kaltem Wasser ist das Metasaccharin leicht löslich; sein Löslichkeitsverhältniſs dürfte zwischen dem des sehr leicht löslichen Isosaccharins und dem des schwieriger löslichen Saccharins stehen. Seine wässerige Lösung wird bei längerem Stehenlassen sauer, indem wahrscheinlich Metasaccharinsäure, C6H12O6, gebildet wird. In Alkohol ist das Metasaccharin leicht, in Aether äuſserst schwer löslich. Beim Schütteln einer concentrirten wässerigen Lösung mit Aether geht nur sehr wenig Substanz in letzteren über.

Ebenso wie das Saccharin und das Isosaccharin liefert auch das Metasaccharin beim Kochen seiner wässerigen Lösung mit Metalloxyden oder Carbonaten die Salze der entsprechenden Saccharinsäure. (Vgl. 1883 247 435.)

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