Titel: Ueber die Einwirkung der verdünnten Salzsäure auf Stärkemehl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250/Miszelle 12 (S. 554–555)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/mi250mi11_12

Ueber die Einwirkung der verdünnten Salzsäure auf Stärkemehl.

F. Allihn (Zeitschrift des deutschen Vereins für Rübenzucker, 1883 S. 786) hat zur Feststellung der Bedingungen, unter denen Stärke in möglichst kurzer Zeit und mit möglichst wenig Säure annähernd vollständig verzuckert wird, je 12g lufttrockene Stärke mit 100cc verdünnter Salzsäure erhitzt. Das beschickte und mit einem Rückfluſskühler verbundene Kölbchen wurde über freiem Feuer erhitzt und die Einwirkungsdauer von dem Zeitpunkte an gerechnet, bei welchem das Sieden begann. Nach beendigter Einwirkung wurde das Reactionsproduct abgekühlt, mit Wasser verdünnt und mit der entsprechenden Menge Natronlauge fast neutralisirt, so daſs die Flüssigkeit noch etwas sauer blieb, da es sonst leicht vorkommt, daſs die Flüssigkeit alkalisch wird und selbst eine geringfügige Alkalinität eine merkliche Zersetzung des Zuckers zur Folge hat. Das Reactionsproduct wurde nach der Neutralisation zu 2l aufgefüllt und von der so erhaltenen etwa 0,5procentigen Zuckerlösung wurden 25cc entnommen zur Zuckerbestimmung durch Reduction der alkalischen Kupferlösung, Wägung des im Wasserstoffstrome reducirten Kupfers und Umrechnung desselben in Zucker. Die verwendete Kartoffelstärke bestand aus:

Reines Stärkemehl 98,6
Asche 0,9
Unlöslicher Rückstand 0,3
–––––
99,8.

Bei Verwendung der 10procentigen Säure nimmt, wie folgende Tabelle zeigt, mit der Zunahme der Versuchsdauer die Menge der verzuckerten Stärke ab, weil diese Säure bei längerem Kochen eine sehr erhebliche Zersetzung des Zuckers bewirkt. Bei der Einwirkung der 5procentigen Säure macht sich die Zersetzung des Zuckers erst nach ½stündigem Kochen bemerkbar. Die Einwirkung der 3⅓procentigen Säure wurde bis zu 1½ Stunden ausgedehnt und die höchste Umsetzung bei 1stündiger Kochdauer mit 94,65 Proc., mit 2 procentiger Säure bei 1½stündiger Versuchsdauer mit 95,05 Proc. erreicht. Ein Vergleich der Resultate der Inständigen Einwirkung der 3⅓, 2 und 1⅓procentigen Saure zeigt keine groſsen Verschiedenheiten zwischen den gebildeten Zuckermengen. Es würde hiernach die 2procentige Säure das günstigste Resultat

|555|
Versuchs-
dauer
Bei Verwendung einer Salzsäure von
10 Proc. 5 Proc. 3⅓ Proc. 2 Proc. 1⅓ Proc.
Minuten wurde Stärke verzuckert: Proc.
2 92,6
5 92,1
10 90,6
15 91,7
30 89,6 94,3 93,27 84,94
50 87,4 93,3
60 94,65 93,68 87,85
90 94,49 95,05 92,87
105 94,89
120 93,84
150 94,65

liefern. Alle diese Versuche zeigen, daſs die Verzuckerung unter den obigen Verhältnissen überraschend schnell vor sich geht.

Was nun die Verwendbarkeit der verdünnten Salzsäure als Verzuckerungsflüssigkeit für die Praxis betrifft, so ist mit der oben angeführten Thatsache nach dieser Richtung freilich nicht viel gewonnen, da die Fortschaffung der Salzsäure viel zu kostspielig würde, so daſs kaum erwartet werden kann, dai's die Salzsäure trotz ihrer ungemein verzuckernden Wirkung jemals in der Praxis Verwendung finden wird.

Handelt es sich aber nur um Darstellung reinen Traubenzuckers aus Stärkemehl für den Laboratoriumsgebrauch, so würde die Benutzung der verdünnten Salzsäure sehr zu empfehlen sein, da die Verzuckerung bei gewöhnlicher Siedehitze vorgenommen werden kann und bei Anwendung von 2procentiger Säure in Zeit von 1½ Stunden weit genug vorgeschritten ist, um nach einigen Umkrystallisationen chemisch reine Dextrose zu liefern. Die Entfernung der Salzsäure läſst sich hierbei ohne Schwierigkeit durch Neutralisation mit Soda oder Natronlauge bewerkstelligen. Zum Umkrystallisiren der eingedampften Masse bedient man sich am besten des verdünnten Methylalkoholes von 0,810 sp. G. bei 20°. Derselbe löst zwar einen kleinen Theil des beim Neutralisiren gebildeten Chlornatriums auf; da aber die Löslichkeit des Chlornatriums in verdünntem Methylalkohole in der Hitze annähernd dieselbe ist wie in der Kälte, also das während des Kochens gelöste Salz beim Erkalten nicht wieder ausgeschieden wird, so kann es durch mehrmaliges Umkrystallisiren leicht und vollständig beseitigt werden.

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