Titel: Herstellung von Glastinte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1883, Band 250/Miszelle 13 (S. 555–556)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj250/mi250mi11_13

Herstellung von Glastinte.

Wie M. Müller im Sprechsaal, 1883 S. 429 berichtet, wird neuerdings ein Präparat unter dem Namen Aetz- oder Glastinte in den Handel gebracht, welches, mit einer gewöhnlichen Schreibfeder auf Glas aufzutragen, in ganz kurzer Zeit eine deutlich sichtbare scharfe Aetzung hervorruft. Das Glas bedarf keiner vorherigen Präparation und zum Schreiben kann man sich einer jeden Stahlfeder bedienen, welche nicht nennenswerth angegriffen wird, wenn man sie nach jedesmaligem Gebrauche mit Wasser reinigt.

Eine solche, in kleinen Guttaperchaflaschen in den Handel gebrachte Tinte bestand aus einer milchigen Flüssigkeit, wie etwa dicke Kalkmilch. Die weiſsliche Trübung war hervorgerufen durch schwefelsaures Barium. Die darüber stehende klare Flüssigkeit enthielt Fluſssäure, Fluorammonium und Oxalsäure. Das schwefelsaure Barium hat offenbar nur den Zweck, die eigentliche ätzende Flüssigkeit entsprechend zu verdicken, damit sich mit dieser gut schreiben läſst und das auf Glasgegenständen Geschriebene nicht ausläuft.

Eine noch bessere Tinte erhält man auf folgende Weise: Man reibt in einem Porzellanmörser gleiche Theile Fluorwasserstoff-Fluorammonium und getrocknetes, gefälltes schwefelsaures Barium zusammen und übergieſst das |556| innige Gemisch in einer Platin-, Blei- oder Guttaperchaschale allmählich mit rauchender Fluſssäure, bis nach tüchtigem Rühren mit einem dünnen Guttaperchastäbchen letzteres nur noch sehr schnell verschwindende Eindrücke hinterläſst.

Mit der so erhaltenen dicklichen Flüssigkeit läſst sich mittels einer gewöhnlichen Stahlfeder auf Glas sehr gut schreiben; die Aetzung erfolgt augenblicklich und fällt auſserordentlich schön matt aus, so daſs die geätzten Stellen auf weite Entfernung hin sichtbar sind. Es genügt, die Tinte nur etwa 15 Secunden auf das Glas einwirken zu lassen; längere Zeit kann unter Umständen sogar von Nachtheil werden, da leicht die Ränder an Schärfe verlieren. Bei Anwendung geringerer Mengen Fluorammonium und auch wenn die Fluſssäure weniger concentrirt genommen wird, werden blankere Aetzungen erhalten; besonders im letzteren Falle bleiben die Ränder auch bei längerer Dauer der Einwirkung scharf, die Deutlichkeit der Schriftzüge erleidet darunter aber Einbuſse.

Die Aetztinte muſs in Guttaperchagefäſsen aufbewahrt werden, welche durch einen mit Wachs oder Paraffin getränkten Korkstopfen verschlossen werden können. Man muſs die Tinte vor jedesmaligem Gebrauche durchschütteln und gibt passend in das Gefäſs einige gröbere Schrotkörner, welche von der Flüssigkeit selbst nicht angegriffen werden, aber eine sehr schnelle und gründliche Durchmischung ermöglichen. Auch in Glasgefäſsen kann die Tinte aufbewahrt werden, wenn man erstere im Inneren mit einer dünnen Wachsschicht überzieht. Zu diesem Zwecke erwärmt man das Gefäſs, thut ein Stückchen Wachs hinein und läſst das sofort schmelzende Wachs unter beständigem Drehen an den Wandungen des Fläschchens erkalten. Die mit der angegebenen Tinte hervorgerufenen Aetzungen sind so rauh, daſs, wenn man sie mit einem Stückchen Metall, z.B. Messing oder Platin, einreibt, dieses an den geätzten Stellen ziemlich fest mit der dem Metalle eigenthümlichen Farbe und Glanz haften bleibt.

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