Titel: A. Lüdicke's Drahtzähler.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251 (S. 105–106)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/ar251056

Drahtzähler von A. Lüdicke in Braunschweig.

Mit Abbildung auf Tafel 10.

Bei Bearbeitung von Versuchsresultaten waren viele Zählungen des Drahtes von Baumwollzwirnen vorzunehmen, um daraus die Umgänge des Läufers und der Spindel abzuleiten. Es kam dabei auch darauf an, die Verkürzung der Einzelfäden durch das Zwirnen zu ermitteln. Die vorhandenen, in den Kreisen der Spinnereitechniker wohl allgemein bekannten Drahtzähler schienen mir zu dem Zwecke nicht besonders geeignet, einmal wegen mangelhafter Einspannvorrichtungen, dann wegen Spannung des Fadens durch Feder, wodurch bei der Verlängerung in Folge des Aufdrehens nothwendig eine Spannungsänderung eintreten muſs. Ich construirte mir den in Fig. 11 Taf. 10 dargestellten Apparat, für dessen allgemeine Anordnung der in D. p. J. 1881 239 * 109 beschriebene Zähler als Muster diente, und bin mit dessen Leistungen zufrieden gewesen. Namentlich lieſs derselbe sehr rasch arbeiten. Es war mir möglich, in 15 Minuten 18 bis 20 Zählungen bei gröberen, 12 bis 15 Zählungen bei feineren Zwirnen vorzunehmen, wobei auf eine Einspannlänge von 100mm 80 bis 150 Drehungen fielen. Dieses Resultat mag es rechtfertigen, daſs ich den kleinen Apparat veröffentliche, in der Hoffnung, damit manchem Spinnereitechniker zu einem zweckmäſsigen und billigen Instrumente zu verhelfen.

Der Drahtzähler besteht aus einem guſseisernen Fuſse, in welchem die kurze Welle a leicht drehbar gelagert ist. Diese Welle trägt rechts eine eingängige Schnecke, welche mit dem im Zeiger b drehbaren Zählrade mit 100 Zähnen in Eingriff steht. Der Zeiger b läſst sich nach links aufklappen, um nach geschehener Zählung das Rad wieder auf Null einstellen zu können. Die Theilung ist nach rechts und links aufgeschlagen, damit der Apparat für Rechts- und Linksdraht gebraucht werden kann.

Zum Einspannen des Fadens dienen federnde Klemmen c und c1 deren letztere auf einem Schieber d sitzt, welcher vor dem Einspannen ganz rechts geschoben und durch die Schraube f festgebremst wird, wobei die Vorderkante von c1 mit der Vorderkante des Schiebers e abschneidet, wie es die Figur zeigt. Löst man die Schraube, so spannt das Gewicht g den Faden und die Spannung bleibt während des Aufdrehens dieselbe. Durch diese Einrichtung kann man leicht die den Fäden dienliche Spannung erreichen. Kleine, aus Messingstangen hergestellte Gewichte von 10, 20, 30 bis 50g zum Anhängen an die Schieberschnur sind leicht herzustellen. Der Hauptschieber e läuft auf den oben in Centimeter, unten in englische Zoll getheilten Linealen und läſst sich durch die Schraube h, welche auf die federnde Platte k wirkt, feststellen.

Man arbeitet mit dem Drahtzähler in folgender Weise: Das Zählrad wird auf Null, der Schieber e auf die gewünschte Länge, z.B. 100mm |106| oder 5 Zoll engl., und der Schieber d, wie oben angegeben, gestellt. Hierauf legt man den Faden in die Klemmen c, c1 ein, ohne ihn dabei zu spannen, wobei ich der gröſseren Sicherheit wegen jedes Ende noch mehrmals umwinde und ein zweites Mal durch die Klemme ziehe. Der Schieber d fährt aus, sobald man ihn frei macht, und ertheilt dem Faden Spannung. Den vom Schieber zurückgelegten Weg liest man bei i in Millimeter, bei i1 in 1/16 Zoll ab und addirt diese Strecke zu der durch die Stellung des Schiebers e gegebenen. Soll die Verkürzung der Einzelfaden nicht ermittelt werden, dann spannt man den Faden schon bei dem Festklemmen schwach an. Jetzt dreht man den Faden auf, was sehr rasch geht, da die Uebersetzung von der Schnurscheibe l nach der Welle a 10 : 1 ist. Beiläufig sei bemerkt, daſs sich die Scheibe l in senkrechter Richtung verstellen läſst, um die Schnur gehörig spannen zu können. Ob der Zwirn ganz aufgedreht ist, erfährt man am besten, wenn man mit einer in einem Halter befindlichen starken Nähnadel an der linken Klemme einsticht und bis zur rechten hinfährt. Die Streckung des Fadens bei dem Aufdrehen wird wieder bei i oder i1 abgelesen.

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