Titel: Ueber Kesselsteinbildungen und deren Verhütung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251 (S. 265–270)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/ar251119

Ueber Kesselsteinbildungen und deren Verhütung.

Mit Abbildungen auf Tafel 21.

W. J. Macadam berichtet im Journal of the Society of Chemical Industry, 1883 S. 12 über Kesselsteine, welche vorwiegend Carbonate enthalten:

|266|
Bestandtheile Dunbar Selkirk Slough Edinburg Carlisle
Eisenoxyd und Thonerde 7,46 2,96 2,36 2,48 2,96
Kohlensaures Calcium, CaCO3 32,16 74,25 50,04 62,95 75,92
Schwefelsaures Calcium, CaSO4 5,64 3,08 29,76 20,80 3,16
Kohlensaures Magnesium, MgCO3 20,04 3,76 10,84 7,24 10,16
Alkalien 3,31 1,15 0,86 0,86 0,84
Kieselsäure 16,94 8,56 4,28 3,76 4,94
Organische Stoffe 7,70 3,02 0,48 0,12 0,22
Wasser 6,78 3,10 1,22 1,22 1,53
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Summe 100,03 99,88 99,84 99,43 99,73
Art des Speisewassers Brunnen Fluſs Quell Brunnen Fluſs

Vorwiegend Calciumsulfat haltige Kesselsteine enthielten:


Bestandtheile
Preston-
pans
Granton Granton Whitehill Slough Smeaton Carlisle
Eisenoxyd und Thonerde
Kohlensaures Calcium
Kohlensaures Magnesium
Schwefelsaures Calcium
Alkalien
Kieselsäure
Organisch
Wasser
4,64
1,22
10,36
78,32
0,64
3,22
0,56
0,72
3,56
26,56
23,16
38,16
1,75
5,42
0,12
1,04
2,88
17,31
18,04
53,76
0,54
4,36
0,33
0,78
2,92
16,45
17,32
39,28
0,86
21,62
0,17
1,18
5,04
25,62
5,56
55,92
0,22
5,26
0,36
1,34
1,68
9,72
18,40
56,28
0,56
9,46
2,64
1,67
4,06
1,21
5,60
50,36
0,21
36,22
0,68
1,88
Summe 99,68 99,77 † 98,00 99,80 † 99,32 100,41 100,22

† Im Original S. 14 steht 100,02 bezieh. 100,30.

Macadam bespricht dann die in England gebräuchlichen Kesselsteinmittel, ohne aber für die Leser dieses Journals etwas Neues zu bringen. Es ist ferner bemerkenswerth, daſs nach obigen Analysen das schwefelsaure Calcium wesentlich als Anhydrid vorhanden ist. Daſs aber ein solcher Kesselstein selbst 23 Proc. Magnesiumcarbonat, MgCO3, enthalten soll, muſs Referent bezweifeln, da nach den bisherigen Erfahrungen solche Kesselsteine die Magnesia wesentlich als Hydrat enthalten (vgl. F. Fischer 1874 212 215).

Nach Meurgey (Annales des Mines, 1883 Bd. 2 S. 70) hatten Inkrustationen eines Dampfkessels in Saint-Etienne, welcher wesentlich mit Condensationswasser der Maschine gespeist wurde, folgende Zusammensetzung:


Dünne
Platten

Streifenförmige
Massen
Schwammige
Nieren,
schwimmend
Calciumcarbonat 66,72 33,15 11,20
Calciumsulfat 13,33 38,66 0,55
Magnesiumcarbonat 8,40 4,10 1,70
Eisenoxyd 2,25 4,10 1,80
Thonerde Spur Spur Spur
Kieselsäure und Sand 5,90 9,00 2,50
Fett Spur Spur 69,25
Wasser, gebunden 3,40 10,99 6,00
hygroskopisch Spur Spur 7,00
–––––– –––––– ––––––
100,00 100,00 100,00.
|267|

Von Maisonville in Grenoble verwendete Kesselsteinmittel hatten folgende Zusammensetzung:

Tartrifuge
Morel
Atartrite
Lescornel
Kohlensaures Natrium 48,86 21,56
Aetznatron 16,80 4,37
Kalk Spur Spur
Schwefelsaures Natrium 7,69 19,42
Chlornatrium 8,40 0,20
Unlöslich 1,25 3,60
Wasser 17,00 50,80
––––––– –––––––
100,00 99,95.

Bei dem Speisewasservorwärmer von Ph. Hirschel in Düsseldorf (* D. R. P. Kl. 13 Nr. 23167 vom 31. Januar 1883) tritt das Wasser in das dampfdicht geschlossene Gefäſs A (Fig. 1 Taf. 21) durch ein Rohr a, dessen Ende um das Rohr l herumgebogen und mit feinen Löchern versehen ist, so daſs das Wasser gleichmäſsig auf den oberen Teller b fällt. Dasselbe flieſst über den Rand desselben auf den nächsten Teller c, dann nach d und sammelt sich schlieſslich in dem unteren Räume des Vorwärmers, um dann bei h durch die Speisepumpe abgezogen zu werden. Der Abdampf wird in etwa halber Höhe des Vorwärmers durch die Röhre f in denselben eingeführt, strömt gegen eine Vertheilungsplatte e und steigt rings um den untersten Teller d an den Wänden des Vorwärmers in die Höhe. Um nun durch die Schlitze n in den einzigen Ausweg des Abdampfrohres l zu gelangen, muſs der Dampf die Regenwände durchstreichen, welche das herabflieſsende Wasser vom ringförmigen Ende des Rohres a bis über den letzten Teller hinaus bildet.

Der Schwimmer i ermöglicht, daſs das Oel, welches der Abdampf bei seiner Condensation zurückläſst, aus dem Vorwärmer durch Rohr p abflieſsen kann. Zu diesem Zwecke regulirt man durch einen Hahn die Menge des durch die Röhre a zuflieſsenden Wassers derart, daſs die Menge desselben etwas gröſser ist, als bei h nach der Speisepumpe abgesaugt wird; dadurch kommt der Schwimmer i in Wirksamkeit und öffnet den Weg p zum Abflüsse des auf dem Wasser schwimmenden Oeles. Bei g kann von Zeit zu Zeit der Schlamm abgelassen werden. Das Abdampfrohr l kann sammt seinen Tellern und dem oberen Deckel des Vorwärmers abgehoben werden, um die Teller von dem darauf abgelagerten Kesselstein zu reinigen.

D. Wass und L. Katzenstein in New-York (* D. R. P. Kl. 13 Nr. 24021 vom 6. April 1883) wollen zur Reinigung des Kesselspeisewassers von Luft, Fett und Schlamm einen mit Deckel versehenen Behälter A (Fig. 2 und 3 Taf. 21) durch Zwischenwände C und D in mehrere Abtheilungen zerlegen. Die Zwischenwände C sind nicht ganz so hoch als D, welche bis zum oberen Rande des Behälters A reicht und mit der im Deckel B befestigten Querwand d zusammenstöſst. Unter der Platte E befindet sich in der Seite des Behälters eine Oeffnung a, durch welche das auf |268| dem Wasser schwimmende Fett abflieſsen kann. Jede Scheidewand C ist mit einer Oeffnung F versehen, so jedoch, daſs, wenn die Oeffnung der einen Zwischenwand tief angebracht ist, die der folgenden Zwischenwand hoch liegt u.s.w. Auf diese Weise wird das Wasser auf seinem Wege von einer Abtheilung zur anderen gezwungen, auf- und abzuflieſsen. In der Seitenwand des Behälters, nächst dem Boden einer jeden Abtheilung, ist ein Reinigungshahn h angebracht, durch welchen der Schlamm, der sich nach und nach in den Abtheilungen ansammelt, ausgeblasen werden kann.

An den beiden Enden des Behälters A führen Rohre H nach Ventilgehäusen J, welche mit dem Speisewasserzufluſsrohre K verbunden sind. Durch Ventile L kann man die Verbindung zwischen dem Rohre K und dem Behälter A unterbrechen, in welchem Falle alsdann das Speisewasser durch das Rohr K direkt nach dem Kessel gelangt, ohne den Behälter A zu durchflieſsen. In der von der Scheidewand D und der Endwand des Behälters A gebildeten Abtheilung ist ein aufwärts gebogenes Ventilgehäuse M in die Wand des Behälters A eingeschraubt. Der Kanal P (Fig. 4) dieses Gehäuses führt ins Freie, während der nach oben gerichtete Kanal e in die Endabtheilung des Behälters mündet. Ein in der Führung f steckender Ventilkegel v vermittelt und unterbricht die Verbindung zwischen den Kanälen P und e. Der Ventilkegel v sitzt an dem ihn mit Schwimmer Q verbindenden Hebel m und wird von dem auf dem Wasserspiegel gehaltenen Schwimmer Q für gewöhnlich gegen seinen Sitz gedrückt, wodurch die Verbindung zwischen P und e unterbrochen ist. Wenn aber durch die aus dem Wasser ausgeschiedene Luft der Luftdruck in der Endabtheilung wächst, so wird hierdurch das in dieser Abtheilung befindliche Wasser niedergedrückt. Mit dem sinkenden Wasserspiegel sinkt aber auch der Schwimmer Q und zieht das Ventil v von seinem Sitze ab, so daſs die Luft durch die beiden Kanäle nach auſsen entweichen kann.

Der Apparat zum Erwärmen und Reinigen des Speisewassers von G. S. Strong in Philadelphia (* D. R. P. Kl. 13 Nr. 24376 vom 14. März 1883) unterscheidet sich von dem früher (1883 247 * 454) beschriebenen nur dadurch, daſs die zur Ausnutzung des Maschinenabdampfes bestimmten Doppelröhren unten im Apparate durch ein Schlangenrohr ersetzt ist.

Der im Techniker, 1883 S. 184 beschriebene Stewart'sche Kesselwasser-Vorwärmer besteht aus einem unten und oben geschlossenem Blechkessel A (Fig. 5 Taf. 21). Der Maschinenabdampf tritt durch Rohr D ein, der Ueberschuſs entweicht durch H, Die Dampfleitung endet im Vorwärmer in einer Glocke E, innerhalb welcher von F aus durch die Brause G das Speisewasser eingespritzt wird. Der von der Maschine kommende Dampf condensirt sich hier an dem kalten Sprühwasser, welches sich erwärmt und mit dem Condensationswasser in dem Kessel A ansammelt. |269| Ein Theil der mineralischen Bestandtheile des erwärmten Speisewassers lagert sich unten in A ab und kann dann bei z durch ein Ventil o. dgl. gelegentlich abgelassen oder durch ein Handloch herausgenommen werden. Ein anderer Theil mit dem Oele aus dem Dampfcylinder sammelt sich auf der Oberfläche des vorgewärmten Wassers an und flieſst dann in einen Teller mit einem Ablaſsrohre L durch den Boden des Apparates selbstthätig ab. Das vorgewärmte Wasser, welches als Speisewasser für den Dampfkessel dienen soll, wird bei M von einer Pumpe abgenommen. Soll mit kaltem Wasser gespeist werden, so sind die Ventile P und M zu schlieſsen und die Verbindung P nach der Kaltwasserleitung zu öffnen. Der Zufluſs von kaltem Wasser zur Condensationsglocke wird durch das Ventil v mit einem Schwimmer K regulirt, welcher zugleich auch die Ableitung des Ueberflusses mit dem Oele u. dgl. schlieſst.

Der Apparat zur Speisung der Dampfkessel mit von Kesselstein freiem Speisewasser von Gebrüder Stollwerck in Köln besteht wesentlich aus zwei neben einander geneigt liegenden, zum Theile noch mit Wasser angefüllten Oberkesseln K (Fig. 6 bis 8 Taf. 21), unten durch die Stutzen b mit dem Unterkessel und oben durch die Stutzen f mit einem Dampfsammler D verbunden. Die beiden von den Heizgasen nicht bespülten Oberkessel K sind unter sich mit einem wagerechten Rohre d verbunden, während sie andererseits durch das Fallrohr e mit dem tiefsten Punkte des Unterkessels in Verbindung stehen, wodurch der zu diesem Verfahren erforderliche Wasserumlauf in dem ganzen Systeme hervorgerufen wird. In K befinden sich gelochte und gewellte Blecheinlagen und zwar im ersten Kessel wagerecht über einander, mit g bezeichnet, und im anderen senkrecht neben einander, mit h bezeichnet.

Die in dem den Heizgasen ausgesetzten Kessel sich bildenden Dampfblasen gelangen mit dem umlaufenden Wasser erst in das Sammelrohr a und aus diesem durch die Stutzen b in die Oberkessel K. Das Speisewasser, welches am besten stark vorgewärmt eingeführt wird, gelangt durch das Speiserohr c in den ersten Oberkessel K, und zwar tritt dasselbe den aus dem Stutzen b strömenden Dampfblasen und dem umlaufenden Wasser rechtwinklig entgegen, wobei auch die Ausscheidung der Kesselsteinsubstanzen beginnt. Das Speisewasser wird von den Dampfblasen und dem heiſsen Wasser erhitzt und mitgerissen und durchläuft die erste Reihe von Siebeinlagen, wo die in ihm enthaltenen Kesselsteintheile und Unreinlichkeiten schon zum Theile zurückgehalten werden. Von da gelangt das Gemisch von Speise- und Umlaufwasser durch das Verbindungsrohr d in den zweiten Oberkessel, wo es dieselben Vorgänge durchmacht und den Rest der Kesselsteintheile auf den Siebeinlagen und an den Wänden der Oberkessel ablagert. Das gereinigte Wasser flieſst aus dem letzten der Oberkessel durch das Rohr e in den Unterkessel zur Verdampfung. Die Mündungen der Röhren e und d liegen in der |270| Mittellinie der Oberkessel, um ein Mitreiſsen der abgeschiedenen Kesselsteintheilchen zu verhindern.

Nach einem Berichte von H. Thielmann in der Wochenschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1883 S. 395 ist die Wirkung des Stollwerck'schen Apparates befriedigend und die Reinigung der Platten und Siebe ohne groſse Schwierigkeit ausführbar. Die Angabe, daſs durch dieses, jedoch keineswegs sehr einfache, Verfahren jede Kesselsteinbildung verhütet werde, muſs jedoch Referent bezweifeln.

Nach G. Downie in Salinas City (D. R. P. Kl. 12 Nr. 25119 vom 9. Mai 1883) werden zur Verhütung von Kesselsteinbildungen Theile von Eucalyptus globulus roh oder als Aufguſs oder Decoct entweder dem Kesselspeisewasser zugemischt, ehe dasselbe in den Kessel gelangt, oder direkt in den Kessel gebracht. – Das Mittel dürfte kaum eine andere Wirkung haben als Eichenreiser u. dgl. (vgl. 1879 231 59).

Kürzlich ging durch viele Zeitschriften (vgl. u.a. Praktischer Maschinenconstructeur, 1880 S. 170) die Mittheilung von Schar fenberg, in den Kesseln der Rohrpostanlage in Berlin werde die Kesselsteinbildung dadurch verhütet, daſs man alle 2 Monate auf der Feuerplatte etwa 5k Cattechu lege. – Zunächst erscheint es doch bedenklich, solche Massen auf die Feuerplatte zu legen, da hierdurch leicht ein Durchbrennen derselben bewirkt werden kann. Sodann ist die Anwendung von Cattechu, nicht minder aber auch seine nur unter besonders günstigen Verhältnissen eintretende Wirkung längst bekannt (vgl. F. Fischer 1876 220 179).

Merbach macht in der Wochenschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1883 S. 216 erbauliche Mittheilungen über den Erfolg des von Rolf und Kramer (1879 231 60) angegebenen Mittels gegen Kesselstein. Die Feuerplatte hatte eine starke Ausbauchung mit einem Querrisse, die Siederohrnähte waren stark corrodirt.

F.

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