Titel: Ueber Neuerungen an Wirkereimaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251 (S. 306–310)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/ar251130

Ueber Neuerungen an Wirkereimaschinen.

Mit Abbildungen auf Tafel 23.

(Patentklasse 25. Fortsetzung des Berichtes S. 257 d. Bd.)

Rundstrickmaschine für reguläre Waare von E. Lublinski in Berlin (* D. R. P. Nr. 23211 vom 15. Oktober 1882). Ein neues Verfahren zur Veränderung des Umfanges cylindrisch gewirkter Waarenstücke wird mit der Einrichtung dieser Maschine angegeben. Der Nadelcylinder, welcher im Allgemeinen die Theilung a (Fig. 1 und 2 Taf. 23) hat, ist auf etwa den fünften Theil seines Umfanges halb so weit getheilt, so daſs dort die Nadeln b noch einmal so eng stehen wie bei a. Die von den Nadeln b gearbeiteten Maschen sind natürlich auch schmäler wie die anderen; damit sie sich später breit ziehen können, stellt man sie etwas höher oder länger her wie diejenigen von a, indem man auf die Abschlagzähne b noch die Drahtschleifen c (Fig. 2 und 3) legt, über welche die Platinenmaschen der Reihe hinweg gezogen werden. Man kann also hiermit einen Strumpflängen von gröſserer Weite anfangen, als sie dem Umfange des Nadelcylinders entspricht, und diese Weite in der Wade des Strumpfes nach und nach vermindern, wenn man der Reihe nach eine um die andere der engstehenden Nadeln wieder entfernt, ihre Maschen auf die Nachbarnadeln hängt und die betreffende Drahtschleife c nach c1 (Fig. 2) zurücklegt. Damit man die Stuhlnadeln nach oben herausziehen und aus ihrem Kranze entfernen kann, ist der Schloſscylinder e nach oben offen gelassen. Durch Wahl der passenden Stärke der Drahtschleifen c ist es allerdings möglich, den schmalen und langen Maschen so viel Faden zuzuführen wie den breiten kurzen und die Strümpfe werden auch beim späteren Formen so gezogen, daſs schlieſslich alle Maschen sich gleichmäſsig in Form und Ausdehnung anordnen.

Die Rundstrickmaschine von H. J. Haddan in London (* D. R. P. |307| Nr. 22426 vom 9. April 1882) hat in der allgemeinen Anordnung erhebliche Aehnlichkeit mit der Tuttle'schen Maschine (1879 232 123) und mit Griswold's Strickmaschine (1882 243 299); sie ist, wie diese beiden, eine Rundrändermaschine, deren Ränderapparat horizontal innerhalb des Stuhlnadelkranzes hängt, leicht entfernt und durch einen Ringelapparat ersetzt werden kann, mit welchem dann die Maschine glatte bunte Waare arbeitet. Die Schloſsexcenter beider Nadelreihen sind derart symmetrisch angeordnet, daſs die Maschine rotirend und auch oscillirend arbeiten, also runde und flache Waare arbeiten kann. Eine Menge kleine Apparate und Einrichtungen zum selbstthätigen Ein- und Ausrücken mancher Nadeln für die Bildung des Doppelrandes der Ferse, der Patentränderwaare u.a.m., auch für das Einstellen beider Nadelreihen gegen einander und den Betrieb der Maschine durch Schwungrad und Fuſstritthebel machen die Anordnungen ziemlich umständlich. Interessant ist die Art der Herstellung unterlegter Farbmuster, welche man zum Theile den Handstuhlmustern nachbildet: Der hierfür bestimmte Fadenführer a (Fig. 4 Taf. 23) reicht von auſsen nach innen über die empor gehobenen Nadeln hinweg und führt zwei verschieden farbige Fäden, je einen in b und den anderen in b1. Am abwärts hängenden Ende trägt er ein Preſsmusterrad c, welches durch die in seine Lücken eingreifenden Nadeln d umgedreht wird und mit seinen Zähnen einzelne Nadeln d1 wenig aus der Kreislinie nach auswärts abbiegt. Die stehen bleibenden Nadeln d gehen an der Fadenöse b vorüber und erhalten den einen Faden, die abgebogenen gehen an b1 vorüber und nehmen den anderen Faden. Der Faden b liegt also richtig hinter oder unter den Nadeln d1, wie es für unterlegte Farbmuster erforderlich ist; der Faden von b1 dagegen liegt scheinbar unrichtig, nämlich vorläufig vor den Nadeln d, also flach als lange Platinenmasche auf der Waarenvorderseite; da jedoch die Maschen einzeln fertig gemacht werden, jede Nadel also sofort sinkt und ihre Masche bildet, so wird auch jede dieser frei liegenden Platinenmaschen mit der abwärts gehenden und vom Rade c wieder abgleitenden Nadel d1 nach hinten in die kreisförmige Nadel- und Maschenreihe rücken; er wird nach der Innenseite der Maschine mit abgezogen und die wieder aufsteigenden Nadeln d und d1 gehen alle vor ihm vorüber, so daſs er auch hinter oder unter jeder Nadel liegt, auf welcher er nicht Masche bilden sollte.

Rundstrickmaschine von Carl Kummer in Berlin (* D. R. P. Nr. 22134 vom 9. Juni 1882). Nach dem Vorbilde der kleinen englischen Rundstühle mit vielen Systemen und einzeln beweglichen Nadeln hat man auch die Rundstrickmaschine dadurch leistungsfähiger zu machen gesucht, daſs man dem sich drehenden Schloſscylinder mehrere (bis 5) Schloſsdreiecke g1, g'' (Fig. 14 Taf. 23) und eben so viele Fadenführer gab. Der Träger für die hierzu nöthigen fünf Spulen ist ein rotirender Teller, welcher von einem Arme über der Nadelreihe gehalten und durch eine |308| leicht lösbare Kuppelung vom Schloſscylinder mit umgedreht wird. Beim Stricken cylindrischer Waare wird mit allen fünf Systemen stetig gearbeitet; bei der Herstellung der Ferse und Fuſsspitze aber bewegt man den Schloſscylinder nur oscillirend hin und her und kann da natürlich nur mit einem Systeme arbeiten. Zu dem Zwecke wird das Enddreieck g2, welches bisher in der punktirten Stellung sich befand, in die Stellung g'' geschoben und durch eine Handschraube festgeklemmt. Es schlieſst in dieser Lage die Führungsnuth für die Nadelhaken ab und letztere können nur einmal an g links sich senken und an g'' links sich heben; sie bleiben dann auf der oberen Bahn o stehen. Der Fadenführer des Schlosses g1 gg'' ist nicht fest am Cylinder, sondern schleift um so viel auf dem Triebrade hin und her, daſs er beim oscillirenden Arbeiten der Schloſsmitte immer nachläuft, um den noch hoch stehenden Nadeln seinen Faden vorzulegen, welchen dieselben beim Herabsinken mit ihren Haken erfassen.

Fadenführer und Abschlag schiene an der Lamb'schen Strickmaschine von Hugo Günther in Chemnitz (* D. R. P. Nr. 22361 vom 13. Juni 1882). Aus der Anordnung des Fadenführers von Seyfert und Bonner (1883 247 364) ist die vorliegende insofern hervorgegangen, als der Mitnehmer m (Fig. 9 Taf. 23) des Führers f auf der Schlittenschiene p angebracht ist und durch die Füſse b der Schloſsplatte a verschoben wird. Während aber bei Seyfert und Donner m und f aus einem Stücke besteht, also der Führerweg gleich dem Schlittenwege ist, nicht vor Beendigung des letzteren begrenzt werden kann, hat Günther m und f getheilt und läſst den federnden Mitnehmer m in gewöhnlicher Weise am Ende des Hubes vom Fadenführer f durch Auflaufen auf ein Keilstück s, aus dem gegabelten Ende von f herausheben. Thatsächlich haben aber auch Seyfert und Donner seit Jahren ihre Einrichtung dahin abgeändert, daſs, wie Fig. 10 zeigt, der Führer f vom Schlitten a durch den federnden Mitnehmer m genau so verschoben wird wie bei Günther, der Mitnehmer m am Ende des Führerweges auch ebenso aus den Knaggen des Führerkästchens ausgehoben wird.

Für die Ränderarbeit an Lamb'schen Strickmaschinen empfiehlt es sich bekanntlich, die Maschen beider Reihen nicht einzeln nach einander herzustellen, sondern diejenigen der einen Nadelreihe fertig zu machen, die andere Nadelreihe aber nicht bis zum Abschlagen, sondern nur so weit herab zu ziehen, daſs die alten Maschen noch auf ihnen hängen bleiben; erst am Ende des Schlittenhubes wird diese Reihe dann in allen Maschen gleichzeitig abgeschlagen. Zur letzteren Vorrichtung hat Günther folgende Einrichtung getroffen: Die Nadeln haben zwei Arbeitshaken a und b (Fig. 7 Taf. 23); am oberen Haken a erfaſst sie das gewöhnliche Schloſs und hebt und senkt sie bis in die oben genannte Stellung und über dem unteren Haken b liegt längs des Nadelbettes eine Schiene c (Fig. 7 und 8), welche durch die seitlichen Winkel d gerade geführt und |309| durch über Rollen gehende Schnuren mit Gewichten immer nach oben gezogen wird. An der Schloſsplatte e sind Arme f mit Keilstücken g derart angeschraubt, daſs am Ende eines Schlittenhubes ein solcher Arm bis in die Mitte der Maschine reicht und mit seinem Keilstücke g das Dreieck h der Schiene c und hierdurch diese selbst und die Nadeln herabdrückt, so daſs letztere ihre Maschen abschlagen. Wenn die Keilstücke zweiseitig wie g1 geformt sind, so können sie auch über das Dreieck h hinweg gezogen werden; sie drücken dann auf dem Rückwege die Schiene f und die Nadeln nochmals abwärts.

Mindervorrichtung für die Lamb'sche Strickmaschine von F. W. Fabian in Hamburg (* D. R. P. Nr. 22829 vom 23. September 1882). Bei Anwendung dieser Vorrichtung handelt es sich nicht um eine Verminderung der Waarenbreite in dem gewöhnlichen Sinne, sondern um folgendes: Auf einer Strickmaschine wird flach, glatt oder rechts und rechts eine Reihe AB (Fig. 11 Taf. 23) über die ganze Breite, die nächste Reihe BC aber nur über ein Stück der Fontur gearbeitet, dann CD = BC, DE aber wieder etwas länger zum Anschlüsse an die erste Reihe hergestellt und so in der Bildung verschieden langer Maschenreihen fortgefahren, daſs die entstehende Waarenfläche die Gestalt eines Kreisausschnittes ABX erhält. Wird derselbe in den Seitenkanten zusammengenäht, so entsteht ein Kegelmantel, welcher, in Wolle gearbeitet, durch Walken und Formen leicht in die Gestalt der Fez oder türkischen Kappen gebracht werden kann. Es ist ferner durch dieses Aneinandersetzen von Reihenstücken möglich, verschiedene andere Formen der Waaren zu erzielen und damit allerdings in der Hauptsache das zu erreichen, wozu man in bisheriger Weise die Mindermaschine nöthig hatte. Das Schloſs der Strickmaschine für diesen Zweck hat die in Fig. 12 dargestellte Form und es werden diejenigen Nadeln o, welche nicht arbeiten sollen, aus der Reihe o so weit empor geschoben, daſs sie über die Schloſsexcenter in den Raum l gelangen und, wie o1 in Fig. 13 zeigt, mit ihren Haken und Zungen soweit über den arbeitenden Nadeln o stehen, daſs der Faden unter ihre zurückgeklappten Zungen kommt, auch wenn der Führer ein Stück über sie hinläuft. Dieses Emporschieben der richtigen Anzahl Nadeln o1 verrichtet eine Musterkette k mit einzelnen Stäbchen t, welche durch Hebel h und Schieber v die entsprechenden Nadeln heben. Dreht man für die nächste Reihe das vorangehende Seitenexcenter e (Fig. 12) aufwärts in die punktirte Lage, so zieht dasselbe die Nadeln, welche jetzt leer standen, wieder in die Arbeitslage zurück.

Der Apparat zur Fadenführung an der Lamb'schen Strickmaschine von G. F. Groſser in Markersdorf bei Burgstädt in Sachsen (* D. R. P. Nr. 22895 vom 13. Oktober 1881) ist ein mit der Hand zu regulirender Ringelapparat mit vier Fadenführern. Je zwei dieser Führer e, e1 (Fig. 6 Taf. 23) gehen längs einer Schiene d und werden durch die Nase o eines Riegels r, je nach der Lage des letzteren, mit zur Seite geschoben. Der Riegel r |310| ist beweglich auf dem Schlitten p und wird durch die Feder y gegen die Schiene p1 herabgedrückt. Diese Schiene p1 hat an zwei Stellen ihrer Länge die zweistufigen Erhöhungen q (Fig. 5), gegen welche die Vorsprünge q1 einer mit einem Handhebel s zu bewegenden Schiene s1 sich anlegen. Man kann also die Schienen p1 in drei verschiedene Höhenlagen bringen, und da auf denselben die Riegel r hinlaufen, so können deren Nasen o entweder den oberen Führer e1 oder den unteren e mitnehmen oder noch tiefer liegen, so daſs kein Führer der betreffenden Seite thätig ist.

Einrichtung zur selbstthätigen Verschiebung der Seitendreiecke am Schlosse der Lamb'schen Strickmaschine von Laue und Timäus in Löbtau-Dresden (* D. R. P. Nr. 22606 vom 31. Januar 1882). Wenn die Nadeln einer Strickmaschine beim Abschlagen der alten Maschen durch das nachlaufende Seitendreieck tief herabgezogen worden sind, so heben sie sich durch die Elasticität der Fäden und den Waarenabzug doch wieder etwas empor und werden beim nächsten Schlittenhube durch das vorangehende Seitendreieck nochmals herabgezogen. Zur Vermeidung dieser mehrfachen Anspannungen der Fäden hebt man bei jedem Schlittenaushube das vorangehende Dreieck etwas empor und erreicht dies durch folgende selbstthätig wirkende Vorrichtung. Die beiden Scheiben q (Fig. 15 und 16 Taf. 23) an den Excenterbolzen für die Verstellung der Seitendreiecke sind durch die Stangen p mit dem Rahmen d verbunden, welcher zwischen Schlittenkante i und Gestellkante g mit gewisser Reibung eingeklemmt ist. Kehrt nun der Schlitten um, so überwindet er die zwischen i und den Rollen k entstehende Reibung leicht, während d durch die Reibung von f auf g fester am Gestelle haftet und nicht eher mit dem Schlitten fortgeht, bis einer der Stifte n an d anstöſst. Dadurch verschieben sich die Platten q gegen d und die Stangen p drehen die ersteren und die daran hängenden Excenterbolzen derart, daſs immer das vorangehende Dreieck gehoben und das nachfolgende gesenkt wird.

G. W.

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