Titel: Ueber Kautschuk und dessen Verwendung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251 (S. 459–461)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/ar251180

Ueber Kautschuk und dessen Verwendung.

Bei den elastischen Zahngebissen von J. Beutelrock in München (D. R. P. Kl. 30 Nr. 23047 vom 25. Juli 1882) ist der Gaumen aus weich vulkanisirtem Kautschuk hergestellt, während die Zähne in hartem Kautschuk stecken, aus welchem auch die Kaufläche besteht.

Nach H. M. F. Graf de la Tour du Breuil in Paris (D. R. P. Kl. 39 Nr. 22359 vom 3. Juni 1882) geschieht das Vulkanisiren der aus Kautschuk und Schwefel hergestellten Gegenstände in einem bis auf 140 bis 150° zu erhitzenden Chlorcalciumbade.

Zur Aufarbeitung alter Gummiwaaren werden nach A. W. Kent in Bloomingdale (Amerikanisches Patent Nr. 281769) die zerkleinerten Abfalle mit Wasser gemahlen und geschlämmt. Das Gummi trennt sich so von den specifisch schwereren Unreinigkeiten.

Ch. A. Burghardt macht im Journal of the Society of Chemical Industry, 1883 S. 119 geschichtliche Bemerkungen über Gewinnung und Verarbeitung von Kautschuk. An der Luft oxydirt sich der Kautschuk allmählich unter Bildung eines spröden, in Alkalien leicht löslichen, 27,3 Proc. Sauerstoff haltigen Harzes und einer harzartigen, bis 20 Proc. Sauerstoff haltigen, in Alkalien und Benzol unlöslichen Masse. Frisch vulkanisirter Kautschuk enthält etwa 3 Procent des ersten Harzes, aber nicht das letztere indifferente Harz. Guter Kautschuk enthält nicht mehr als 0,5 Proc. Wasser, spröde und hart gewordener 5 bis 10 Proc. Wasser, welches er bei 100 bis 120° abgibt. Mit dem allmählichen Hart- und Sprödewerden nimmt der Kohlenstoffgehalt des Kautschuks ab, der Sauerstoffgehalt wächst, wie nachfolgende Analysen zeigen; Probe I war gut, enthielt nur zu viel Schwefel, II bis IV waren mehr und mehr spröde, V sehr hart und spröde:

I II III IV V
Kohlenstoff 77,91 72,53 70,43 65,09 64,00
Wasserstoff 10,33 11,31 10,59 10,00 9,26
Schwefel 5,15 1,97 3,14 1,95 2,28
Sauerstoff 6,61 14,19 15,84 22,96 24,46
––––– ––––– ––––– ––––– –––––
100,00 100,00 100,00 100,00 100,00.
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Die Zerstörung des Kautschuks wird befördert durch Bestreichen mit Oel, namentlich mit Olivenöl und Palmöl, weil diese die Einwirkung des atmosphärischen Sauerstoffes begünstigen. Dasselbe geschieht durch Kupferoxyd haltige Farben. Wird beim Vulkanisiren mehr als 2 bis 2,5 Proc. Schwefel verwendet, so oxydirt sich dieser an der Luft zu Schwefelsäure, welche dann den Kautschuk verdirbt, Wollte man diesen überschüssigen Schwefel durch Behandeln mit ätzenden Alkalien entfernen, so würde dadurch die Oberfläche des Schwefels porös und somit der Oxydation leichter zugänglich gemacht. Besser erscheint das Verfahren von R. Rowley, dem Kautschuk nur die theoretisch erforderlichen 2 bis 2,5 Proc. Schwefel zuzusetzen und dann in wässeriger 12 procentiger Ammoniakflüssigkeit oder mit Ammoniakgas und Dampf zu vulkanisiren.

H. Gerner in New-York (D. R. P. Kl. 39 Nr. 24870 vom 7. Januar 1883) will Kautschuk und Gutlapercha mit Kampher, Kauri, entöltem und gemahlenem Senfsamen oder Mohnsamen mengen.

Für die Herstellung von Hartgummiwaaren pulverisirt man den Kampher und den Kauri einzeln auf gewöhnlichen, zermalmenden und mischenden Walzwerken, wie man sie in allen Gummifabriken findet und welche für diesen Zweck nicht geheizt sein dürfen. Hierzu setzt man so viel trockene Schwefelblumen, als für die zu erzeugende Waare nothwendig ist, z.B. 1k Schwefel mit 0k,25 Kampher und 0k,75 Kauri.

Ehe man dieser Mischung die nöthige Menge Kautschuk beisetzt, wird sie in einer zweckmäſsigen Mühle fein gemahlen und durch ein Sieb geschüttet, dessen Gewebe das Durchgehende so fein siebt, als die Schwefelblumen vor ihrer Einführung in die Mischung waren. Bei einer richtigen Anwendung von Naphta, Gasolin oder Benzin, welches dazu dient, die Mischung in der Mühle, auf dem Walzwerke und in den Sieben zu befeuchten, werden sowohl Zeit, wie Kraft erspart.

Wie viel Kampher und Kauri man in den verschiedenen Mischungen für Hart- wie auch für Weichgummiproducte anwenden soll, hängt von der gewünschten Gattung und den Eigenschaften der Waare ab, wie auch von dem Zwecke, für welchen sie angewendet werden sollen. Für besondere Hartgummigattungen braucht man vorzugsweise 0k,5 gemischten Kampher und Kauri zu je 1k Kautschuk, während man für andere Gattungen wieder 0k,25 oder nur 0k,125 als genügend finden wird. Man kann die Mischung auch mit Senfsamenmehl versetzen.

Für den Gebrauch in Weichgummi-Mischungen ist die Zusammenstellung von Kampher, Kauri und Schwefel und ihre Behandlung dieselbe wie für Hartgummi, nur mit dem Unterschiede, daſs diese Mischung weniger Schwefel erfordert, z.B. 4k der Mischung von Kautschuk, Kampher, Kauri und Schwefel mit 0,5 bis 1k Senf.

Beim Vulkanisiren sollte man mit der gröſsten Sorgfalt die Temperatur allmählich erhöhen; eine geringere Zeit aber bei Anwendung einer höheren Temperatur genügt für die Vulkanisation dieser Masse als |461| für jene gewöhnlicher Hartgummimischungen. 4 bis 5 Stunden genügen, je nach der Dicke der Waaren. Die Temperatur sollte während der letzten 2 Stunden auf 156 bis 160° erhöht werden.

Für die Vulkanisation von Weichgummimischungen nach dem vorliegenden Verfahren geht man sicher, wenn man dieselbe Zeit anwendet, welche für die Vulkanisation von gewöhnlichen Weichgummimassen nothwendig ist; in der Regel genügt eine geringere Zeit. Die Temperatur sollte wenigstens bis auf 138° und in vielen Fällen bis auf 156° und 160° erhöht werden. Je gröſser der Procentsatz von Kampher und Kauri in der Mischung, desto höher muſs die anzuwendende Temperatur sein.

Als plastischen Stoff empfiehlt G. S. Evans in New-York (Englisches Patent Nr. 1846 vom J. 1882), Kautschuk in Palmöl oder Kokosnuſsöl bei 100° zu lösen, mit der gleichen Menge Kauri oder Manillagummi zu mischen und dann bei 140° noch mit 5 bis 15 Proc. Chlormagnesium zu versetzen.

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