Titel: Zur Kenntniſs der Weizenstärke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251/Miszelle 10 (S. 46–47)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/mi251mi01_10

Zur Kenntniſs der Weizenstärke.

L. Schulze (Journal für praktische Chemie, 1883 Bd. 28 S. 311) findet durch Bestimmung mit Kupferoxyd und durch Polarisation des gebildeten Zuckers, daſs 100 Th. reine Weizenstärke bei der Verzuckerung mit Salzsäure entsprechend der Formel C6H10O5 + H2O = C6H12O6 111,1 Th. Traubenzucker geben.

Behandelt man Stärke mit Essigsäure von mittlerer Concentration und zwar zunächst 4 Stunden lang unter Druck, so erhält man eine Lösung, welche mit Jod eine rothe Färbung und mit Alkohol einen weiſsen Niederschlag gibt; dieselbe reducirt Fehling'sche Lösung nur in sehr geringem Maſse, besitzt aber ein ziemlich starkes Drehungsvermögen. Scheidet man nun den durch Alkohol fällbaren Bestandtheil ab, reinigt denselben und unterwirft ihn darauf einer genaueren Untersuchung, so findet man, daſs derselbe ein Dextrin ist und zwar die von Bondonneau mit Dextrin a bezeichnete Modifikation.

Das Dextrin a besitzt eine speeifische Drehung von 207,149 aj und 1,0362 Eigengewicht, wenn 10g zu 100cc gelöst sind, reducirt aber Fehling'sche Lösung nicht und gibt mit Jod eine rothe Färbung. Wird nun die Einwirkung der Essigsäure fortgesetzt und durch von Zeit zu Zeit genommene Proben der |47| weitere Verlauf der Reaction beobachtet, so zeigt sich, daſs das Drehungsvermögen der Lösung im Abnehmen, das Reductionsvermögen dagegen im steten Zunehmen begriffen ist. Diese beiden Erscheinungen stehen im innigsten Zusammenhange mit der immer mehr und mehr fortschreitenden Umwandlung des Dextrins a in Traubenzucker.

Aus diesen Untersuchungen ergibt sich somit, daſs durch Behandeln der Stärke mit Essigsäure zunächst Dextrin und darauf Traubenzucker gebildet wird.

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