Titel: Ueber sogen. Brechweinstein-Ersatz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251/Miszelle 15 (S. 48)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/mi251mi01_15

Ueber sogen. Brechweinstein-Ersatz.

Die Chemiker-Zeitung, 1883 S. 1509 bringt eine Notiz über ein neues Antimonpräparat, welches mit dem Brechweinsteine eine gewisse Aehnlichkeit besitzt und durch seinen mäſsigen Preis, sein schönes Aeuſsere und seine leichte Löslichkeit den letzteren vielfach verdrängt hat. Dieser „Brechweinstein-Ersatz“, welcher namentlich in der Färberei und Druckerei sich einzubürgern angefangen hat, enthält keine Spur Weinsäure, sondern besteht aus oxalsaurem Antimonoxydkali = C6O12SbH3 + 6H2O. Während aber das Kaliumstibiotartrat oder der Brechweinstein 43,7 Procent Antimonoxyd enthält, wie aus seiner Formel C4H4O7KSb + ½H2O hervorgeht, berechnet sich der Antimonoxydgehalt des Oxalates auf kaum mehr als die Hälfte, nämlich auf 23,67 Proc. Sein nur wenig billigerer Preis steht in keinem Verhältnisse zu seinem niedrigen Antimongehalte. Zudem enthält es an Stelle der theuren Weinsteinsäure die ungleich billigere Oxalsäure. Zu seiner Darstellung sättigt man eine siedende Lösung von Sauerkleesalz mit frisch gefälltem Antimonoxyde und filtirt kochend heiſs. Beim Erkalten scheidet sich aus dem Filtrate das Kaliumstibiooxalat in schönen Krystallen aus.

Zwar spricht sich B. Vogel in Leipzig (daselbst S. 1589) nicht günstig über das oxalsaure Salz aus, indem es sich mit viel Wasser unter Bildung von unlöslichem basischem Antimonoxalat zersetzen soll. Zur klaren Lösung müſste überschüssiges Sauerkleesalz gegenwärtig sein, was für gewisse Farbstoffe von nachtheiliger Wirkung sein könnte. – Das oxalsaure Antimonoxyd-Kali krystallisirt in langen Säulen vom Aussehen etwa des Bittersalzes, während der Brechweinstein bekanntlich in tetraederartigen, ganz eigenartigen Krystallen anschieſst.

Das Erscheinen dieses „Brechweinstein-Ersatzes“ im Handel wäre immerhin zu begrüſsen, sobald sein Preis mit seinem wirklichen Werthe in Einklang gebracht wird. Da bei der Befestigung der Tanninfarben die organische Säure eine untergeordnete Rolle spielt, so ist es gewiſs rationeller, an Stelle der werthvollen Weinsäure die billigere Oxalsäure bei der „Brechweinsteinpassage“ verloren gehen zu lassen.

S.

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