Titel: Einfluſs der Titansäure auf die Schmelzbarbeit feuerfester Thone.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251/Miszelle 8 (S. 94)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/mi251mi02_8

Einfluſs der Titansäure auf die Schmelzbarbeit feuerfester Thone.

Nach H. Seger (Thonindustriezeitung, 1883 S. 243) wurden 100 Th. Zettlitzer Kaolin, welcher 98,5 Proc. reine Thonsubstanz enthielt, einerseits mit 5 oder 10 Proc. Kieselsäure, andererseits mit der äquivalenten Menge Titansäure gut gemischt, zu kleinen Kegeln geformt und in einem Tiegel im Deville'schen Gebläseofen auf eine zwischen Schmiedeisen- und Platinschmelzhitze liegende Temperatur erhitzt. Nach dem Glühen war der Zettlitzer Kaolin weiſs, fast völlig verdichtet, an den Kanten durchscheinend, die Form völlig erhalten, scharfkantig mit matter Oberfläche. 100 Zettlitzer Kaolin mit 5 Kieselsäure war schneeweiſs, noch etwas saugend, die Kanten durchscheinend, porzellanartig auf dem Bruche, die Form völlig erhalten, Oberfläche matt. 100 Zettlitzer Kaolin mit 10 Kieselsaure war schneeweiſs, etwas mehr saugend wie vorher, an den Kanten durchscheinend, fast porzellanartig dicht, Oberfläche matt. Der Kegel aus 100 Zettlitzer Kaolin mit 6,65 Titansäure hatte sich etwas zur Seite geneigt, war auf dem Bruche dicht gesintert, die Oberfläche matt glasirt, dunkel blaugrau. Die Probe aus 100 Zettlitzer Kaolin mit 13,3 Titansäure erschien völlig zu einem dunkel blaugrauen Emailtropfen zusammengegangen.

Danach wirkt die Titansäure bereits bei Temperaturen als entschiedenes Fluſsmittel, bei welchen die Kieselsäure noch auflockernd wirkt, und ist daher bei Analysen feuerfester Thone mehr als bis jetzt auf das Vorhandensein von Titansäure Rücksicht zu nehmen.

Eigenthümlich ist die dunkel blaugraue Färbung, welche die mit Titansäure versetzten Proben angenommen hatten; sie erinnert an die blaugraue Färbung, welche manche Thone bei starkem Brennen annehmen und die vielleicht nicht allein einem Eisengehalte zuzuschreiben ist, denn manche Thone mit erheblich höherem Eisengehalte brennen sich vollkommen weiſs. Ob dies vielleicht ein Anzeichen des Vorhandenseins geringer Mengen Titansäure ist oder nicht, muſs weiteren Untersuchungen vorbehalten bleiben.

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