Titel: Ueber Porzellan-Scharffeuer-Roth.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251/Miszelle 11 (S. 143)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/mi251mi03_11

Ueber Porzellan-Scharffeuer-Roth.

Entgegen den Angaben von A. Schmidt im Sprechsaal, 1883 S. 466, daſs das chinesische Scharffeuerroth (vgl. 1883 248 170) bereits von Salvetat u.a. hergestellt sei, zeigt H. Seger in der Thonindustriezeitung, 1883 S. 427, wie zwar die von Salvetat angegebenen Analysen mit der von Seger leidlich übereinstimmen, welche ergab:

Kieselsäure 71,07
Thonerde 3,24
Eisenoxyd 1,40
Kalk 9,20
Magnesia 1,75
Bleioxyd 4,15
Kupferoxyd 0,92
Kali 8,11
Zinnoxyd Spur
––––––
99,84.

daſs aber die Salvetat'sche Erklärung der Analysen falsch ist, da er die Zusammensetzung der Glasur zu 50 Th. Feldspath, 12 Th. Kreide, 6 Th. Kupferoxyd und 38 Th. Sand angibt. Den Gehalt an Kupferoxyd hat er so hoch genommen, weil sich nach seiner Meinung Kupfer in der hohen Temperatur verflüchtigt. Nach Seger ist zwar das Kupferoxyd flüchtig, dringt sogar durch den Scherben hindurch, Oxydul ist aber nicht flüchtig. Seger verwendet für durchsichtiges Roth 0,05 bis 0,25, für opakes Roth 0,50 bis 1,00 Proc. Kupferoxyd; mehr ist schädlich und erschwert die Fabrikation. Ferner gibt Salvetat an, daſs das Geschirr mit reducirender Flamme gut gebrannt werden müsse, was nur schwer zu erreichen sei. Auch dies ist irrig. Gut gebrannt muſs das Porzellan mit oxydirender Flamme werden, wenn es schön roth werden soll, und der richtige Zeitpunkt ist nicht leicht zu treffen; aber auch bei Herabminderung des Kupfergehaltes und bei zuletzt oxydirender Flammenbeschaffenheit erhält man mit der Salvetat'schen Vorschrift kein Resultat. Die Glasur wird, wenn nicht grau oder schwarz, wie in den meisten Fällen, höchstens stellenweise kupferfarbig, erlangt aber keineswegs die glühende rothe Farbe der chinesischen Waare.

Th. Deck in Paris und A. Bünzli in Krummnuſsbaum, Nieder-Oesterreich, haben zwar einzelne derartige Gefäſse hergestellt, während erst die kgl. Porzellan-Manufactur in Berlin eine regelmäſsige Fabrikation erzielt hat, wobei ganze Brände, welche die rothe Glasur tragen, und zwar ohne nennenswerthen Ausfall in einem etwa 5cbm haltenden Ofen ausgeführt werden. Dadurch wird es möglich, die Stücke zu Preisen herzustellen, welche nicht. erheblich von denen anderer farbiger Porzellane abweichen. Selbstredend werden für Stücke von ganz besonderer Schönheit in Tönungen, deren Erlangung auch hier einem glücklichen Geschicke zu danken ist, höhere Preise gefordert. Für die der übrigen sind einerseits die Preise für die gleichartige chinesische Waare maſsgebend; andererseits werden dieselben oft dadurch erhöht, daſs viele Stücke noch Muffeldecoration, Gold und Emaillen erhalten, was bei den chinesischen bekanntlich nie der Fall ist.

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