Titel: J. Cauderay's Elektrizitätsmesser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251/Miszelle 6 (S. 141–142)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/mi251mi03_6

J. Cauderay's Elektrizitätsmesser.

Da die Einheit der Elektricitätsmenge das Coulomb ist, d.h. ein Ampère (Einheit der Stromstärke) in der Secunde (Zeiteinheit), so wird ein Mechanismus, welcher gleichzeitig das Registriren durch ein Amperemeter und durch ein Secundenpendel oder durch ein Uhrwerk gestattet, ein vollkommener Elektricitätsmesser sein. Einen solchen Mechanismus verwirklicht J. Cauderay in Paris nach den Comptes rendus, 1883 Bd. 97 * S. 147 in folgender Weise: Ein Cylinder von beliebigem Durchmesser wird durch ein Uhrwerk um seine Achse in der Secunde z.B. einmal gedreht. Dieser Cylinder ist ähnlich demjenigen in einer Musikschachtel mit Zähnen versehen, welche in besonderer Weise auf Kreisen angeordnet sind, die in gleichen Achsialabständen auf dem Cylinder sich befinden. Der Kreis, welcher den Cylinder in zwei Hälften theilt, erhält keinen Zahn. Auf jedem der zwei nächsten Kreise jedoch befindet sich je ein Zahn, auf den zweitnächsten Kreisen je 2 Zähne, auf den dritten Kreisen 3 Zähne u.s.f. bis zu den Enden des Cylinders. Der Zeiger eines besonders construirten Amperemeters kommt derart vor den Cylinder zu stehen, daſs, wenn kein Strom durch den Apparat geht, der Cylinder sich drehen kann, ohne mit einem Zahne den Zeiger zu berühren. Wenn hingegen ein Strom durch den Apparat geht, wird die Nadel entsprechend dem Sinne des Stromes |142| nach rechts oder links in dem Maſse abgelenkt, daſs sie sich bei 1, 2, 3.. Ampère Stromstärke auf den ersten, zweiten, dritten.. Kreis einstellt. Sodann wird bei jeder Umdrehung des Cylinders die entsprechende Zahl Zähne (1 bezieh. 2, 3..) leicht gegen den Zeiger drücken, welche mittels eines einfachen Mechanismus das Zahnrad eines Zählwerkes mit Zifferblatt in ähnlicher Weise bewegt, wie dies bei Gasuhren geschieht, und hierdurch wird 1, 2, 3.. Coulomb in der Secunde registrirt.

Die Hauptvortheile dieses Verfahrens sind folgende: Der ganze Apparat gründet sich auf rein physikaliche Wirkungen des Stromes und besitzt alle Vortheile, welche dies im Vergleiche zu denjenigen Elektricitätsmessern bietet, deren Wirkungsweisen auf chemischen Gesetzen beruht. Der unveränderliche Widerstand des Instrumentes ist sehr klein (ungefähr 0,01 Ohm) und erlaubt, den gesammten zu messenden Strom durch den Apparat gehen zu lassen, was bedeutende Vortheile bietet. Der Strom kann häufig die Richtung wechseln, ohne die Genauigkeit der Angaben zu beeinträchtigen. Der Apparat wirkt in jeder Stellung, ohne aufzuhören genau zu arbeiten, was seine Anwendung auf Schiffen, Eisenbahnzügen u. dgl. ermöglicht. Der Zählapparat zeigt direct die Elektricitätsmenge in Coulomb an. Indem Rechnungen ergeben haben, daſs das durch 1cbm Leuchtgas und das durch 10080 Coulomb in Glühlampen erzielte Licht sich entsprechen, kann man das Zifferblatt des Apparates in Myriacoulomb eintheilen, welche sodann einer Elektricitätsmenge entsprechen würden, die in dieser Hinsicht mit 1cbm Leuchtgas verglichen werden kann. Endlich läſst sich das magnetische Feld des Amperemeters beliebig ändern, so daſs es immer leicht von neuem geeicht werden kann, wenn eine Untersuchung des Instrumentes nach längerer Zeit ergeben sollte, daſs der Magnetismus sich geändert hat.

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