Titel: Wirkungen der unterchlorigsauren und Chlorsäuren Salze in der Färberei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251/Miszelle 10 (S. 336)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/mi251mi07_10

Wirkungen der unterchlorigsauren und Chlorsäuren Salze in der Färberei.

J. Persoz, Direktor der Seidenconditionirungsanstalt in Paris, gibt im Bulletin de la Société chimique de Paris, 1883 S. 620 einige Einzelheiten, welche als Ergänzung zu dem H. Schmier sehen Referate über Witz's Oxydation der Cellulose (1883 250 271) dienen können. Um Gewebe aus Fasern verschiedenen Ursprunges in Eisenoxyd zu beizen, bedienen sich einige Lappenfärber abwechselnder Bäder von Eisennitrosulfat und warmer Chlorkalklösung. Die letztere kann unmöglich den Zweck haben, das Eisensalz höher zu oxydiren, da dieses schon vollständig im Sesquioxydzustande vorhanden ist. Einestheils wirkt sie als Fällungsmittel des Eisenhydroxydes, anderentheils aber gerade in der von Witz angegebenen Weise durch das Chlor oder die unterchlorige Säure, welche das Aufsaugungsvermögen der Faser gegenüber beizenden Metalloxyden verstärkt. Das Eisenoxyd fixirt sich also im vorliegenden Falle vollständiger, wie durch Abscheidung mittels eines Alkalis oder Alkalicarbonates.

Schon J. Persoz (der Vater) schlug zum Beizen in Eisenoxyd von Gemischen pflanzlicher und thierischer Fasern, welche bekanntlich nicht mit der gleichen Verwandtschaft zu den Metalloxyden begabt sind, ein ähnliches Verfahren vor. Man löst äquivalente Mengen von Kaliumchlorat und Ferrosulfat in der Kälte auf, vereinigt die Lösungen und führt in das verdünnte Bad die Gewebe ein, indem man allmählich erwärmt. Das im ersten Augenblicke durch doppelte Umsetzung gebildete Ferrochlorat zersetzt sich und schlägt Ferrihydroxyd auf der Faser nieder. Diese Beizung wird wiederum begünstigt durch die Chloroxydationsproducte, welche hierbei frei werden und die Fasern in bekannter Art angreifen. Beizt man z.B. auf diese Weise ein gemischtes Gewebe, dessen Einschlag aus Seide, Wolle, Ziegenhaar, Baumwolle, Flachs u. dgl. bestehen kann, so erhält man beim nachherigen Färben in Blauholz gleichmäſsige Färbungen.

J. Persoz (Sohn) fand, daſs sich jene Reaction nicht nur auf Textilfasern, so u.a. auf Cellulose, sondern auch auf andere Kohlenhydrate behufs Beizung in Anwendung bringen läſst und zeigt folgendes Verfahren an, um z.B. Kartoffel- oder Getreidestärke in Eisenoxyd zu mordanciren und in Berlinerblau zu färben. Man löst auf der einen Seite 5 Th. chlorsaures Kali und 7 Th. Eisenvitriol gesondert in kaltem oder lauwarmem Wasser auf. Auf der anderen Seite zerreibt man 15 Th. Kartoffelstärke mit Wasser und vereinigt die verschiedenen Flüssigkeiten in einer Schale, indem man auf 400 Th. verdünnt. Diese Verhältnisse geben Mittelblau. Man erwärmt langsam auf 55° unter fortwährendem Umrühren. Erscheint die Stärke genügend gefärbt, so läſst man erkalten, absetzen und wäscht durch Dekantation. Man färbt die gebeizte Stärke in einem sehr verdünnten Bade von gelbem Blutlaugensalze, welches auf 2 Th. des letzteren 1 Th. concentrirte Schwefelsäure enthält und leicht erwärmt wird. Ist die Sättigung vollständig, so wäscht man wiederum durch Dekantation. Die mikroskopische Prüfung zeigt, daſs die Stärke regelmäſsig gefärbt ist und ihre charakteristische Structur unverändert bewahrt hat. Getreidestärke liefert dasselbe Ergebniſs, aber etwas weniger kräftig. Es ist wahrscheinlich, daſs die Salze des Aluminiums, Chroms u.s.w. sich beim Beizen unter angegebenen Bedingungen ähnlich verhalten würden und daſs man die damit mordancirte Kartoffelstärke durch Blauholz, Alizarin, adstringirende Farbstoffe in verschiedene Nuancen färben könnte. Referent erinnert daran, daſs es seiner Zeit im Schwünge war, den gewöhnlichen Beizen eine gewisse Menge chlorsaures Kali zuzusetzen, welches ihre Befestigung auf der Faser beförderte. Man ist seither hiervon abgekommen, da sich diese Mischungen weniger gut conservirten und zu verfrühtem Absatze von unlöslichem Metalloxyde in der Farbe Anlaſs gaben.

S.

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