Titel: Zur Unterscheidung von Stahl und Eisen in kleinen Stücken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251/Miszelle 2 (S. 332)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/mi251mi07_2

Zur Unterscheidung von Stahl und Eisen in kleinen Stücken.

Der frische Bruch ist in der Regel ein Kennzeichen für die Klassificirung des Probestückes; sein Ansehen bietet aber keine genügende Sicherheit, sobald gutes Feinkorneisen oder sehr weicher Stahl vorliegt. Um auch in solchen Fällen die Unterscheidung bequem und sicher durchzuführen, hat Walrand in der Société des Ingenieurs civils in Paris, Sitzungsberichte 1883 S. 531 das einfache Mittel angegeben, den Bruch des erhitzten und zur blauen Farbe nachgelassenen Probestückes zu betrachten. Bei diesem Verfahren sollen alle Zweifel über die Natur des fraglichen Stückes ausgeschlossen sein.

Der Versuch kann folgendermaſsen ausgeführt werden:

Der ungefähr 25 bis 30cm lange Probestab wird etwa 4 bis 5cm von seinen Enden leicht eingeritzt; das eine Ende erhitzt man dann langsam und gleichmäſsig bis zur dunkeln Rothglut (325 bis 400°) und kühlt es in Wasser ab. Während des Abkühlens muſs das noch warme Stück öfters mit einer Feile untersucht werden, bis die bloſsgelegte, metallisch glänzende Fläche dunkel gelb, besser blau angelaufen erscheint; jetzt wird rasch und vollkommen abgekühlt.

Die Bruchflächen der nun an beiden Enden an der Einritzstelle abgeschlagenen Probestücke dienen zum Vergleichen. Gewöhnliches, kalt gebrochenes Schmiedeisen erscheint sehnig oder körnig; ist es aber in obiger Weise behandelt worden, so zeigt es sich im Bruche matt, zerrissen und von kurzer Seime. Harter und mäßig harter Stahl ist feinkörnig; nach dem Erhitzen und Nachlassen hat er einen glänzenden, ganz oder theilweise glatten Bruch. Schwedisches Eisen hat nur Spuren von Sehne, unterscheidet sich sonst nicht von weichem Stahl; im angelassenen Zustande wird die Sehne deutlich und das glatte Aussehen verschwindet, während es bei gleichartig behandeltem weichem Stahle um so mehr hervortritt.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: