Titel: Lösch- und Rettungseinrichtungen für Gebäude; von G. Stumpf in Berlin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251/Miszelle 5 (S. 333–334)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/mi251mi07_5

Lösch- und Rettungseinrichtungen für Gebäude; von G. Stumpf in Berlin.

Die Erfahrungen der letzten Zeit haben es erwiesen, daſs nur in den seltensten Fällen gröſsere, in Theatern oder sonstigen öffentlichen Gebäuden angesammelte Menschenmengen Besonnenheit genug bewahren, um die betreffenden Räumlichkeiten in Ruhe zu verlassen, wenn Feuersgefahr o. dgl. dies erfordern sollte. Entstehen aber, namentlich auf Treppen, Stockungen, so ist es meistens unmöglich, Hilfe zu bringen, da ein Ankämpfen gegen den Menschenstrom und ein Vordringen bis zum Orte des Unfalles zur Unmöglichkeit wird.

Um nun der Rettungsmannschaft zu ermöglichen, an jeden Punkt einer Treppe gelangen zu können, ohne dem Gedränge entgegen arbeiten zu müssen, will G. Stumpf in Berlin (* D. R. P. Kl. 61 Nr. 22598 vom 19. Januar 1882) zwischen je 2 Treppen einen Fahrschacht mit Ausgängen nach jedem Treppenabsatze hin anlegen. Ein Aufzug soll alsdann Rettungs- und Löschmannschaft in diesem Schachte nach jedem gefährdeten Punkte befördern, so daſs unmittelbar Hilfe gebracht werden kann. Der Schacht soll bis über das Dach hinaus geführt und sollen in demselben auch Wasserleitungsröhren untergebracht werden, um das Löschungswerk vom Dache aus wirksam in Angriff nehmen zu können.

Die Beleuchtung der Treppe sowohl, als auch des Fahrstuhlschachtes geschieht durch Gaslaternen, welche in der Wand des letzteren angebracht sind, denen von auſserhalb frische Luft zugeführt wird und deren Verbrennungsgase ebenfalls nach auſsen abgeführt werden. Fenster in der Schachtwandung ermöglichen es der mit dem Aufzuge auffahrenden Rettungsmannschaft, sofort zu erkennen, wo ihr Einschreiten nöthig wird.

Um den Raum im Treppenhause vortheilhaft auszunutzen, sollen in demselben zwei Treppen angebracht werden, welche parallel über einander fortlaufen, sonst aber in keiner Verbindung stehen. Diese Anlage ist ausführbar, da stets nur ein Rang oder eine Gallerie auf eine Treppe ausmünden soll, mithin die Absatzhöhe der letzteren von der Stockwerkshöhe des Gebäudes ganz unabhängig ist. Auch sollen die Treppen von oben nach unten beständig an Breite zunehmen, um die Wahrscheinlichkeit einer Stauung bei Menschengedränge möglichst zu verringern. Es wird vorgeschlagen, den ganzen Bau des Treppenhauses mit Fahrschacht und Treppe von Eisen herzustellen und die Treppenstufen, um ein sicheres Auftreten zu ermöglichen und Geräusch zu vermeiden, mit Blei anstatt Holz zu belegen.

Ein anderer Vorschlag bezieht sich auf eine bessere Versorgung der Theater |334| u. dgl. mit Druckwasser zu Löschzwecken. Wird das Wasser von einer städtischen Leitung entnommen, so ist die Zuführung meistens nicht weit genug angelegt, um nicht bei starker Wasserentnahme beträchtliche Druckverluste herbeizuführen, welche durch die vielen bei der Hauswasserleitung erforderlichen Krümmer u. dgl. noch erheblich vergröſsert werden. Ist dagegen im Gebäude selbst ein Wassersammelbehälter aufgestellt, so ist zwar Wasser reichlich vorhanden, welches jedoch in den oberen Räumlichkeiten unter zu geringem Drucke steht, um zu Löschzwecken wirksam verwendet werden zu können. Von Stumpf wird dagegen empfohlen, in feuersicheren Räumlichkeiten des Gebäudes passend vertheilt eine Anzahl völlig geschlossener Behälter aufzustellen, welche mit der städtischen Wasserleitung durch mit dicht schlieſsenden Rückschlagventilen versehenen Zuleitungsröhren verbunden sind. Das zuströmende Wasser wird alsdann die in den betreffenden Behältern enthaltene Luft bis auf das Maximum des in der städtischen Leitung je vorkommenden Druckes zusammenpressen und, vollkommene Dichtigkeit der Behälter vorausgesetzt, unter diesem Maximaldrucke verharren. In der Nähe des Bodens führen dann aus diesen Behältern Röhren ab, welche das Wasser nach den verschiedenen Hydranten leiten.

Um auch Gefäſse in höheren Stockwerken mit Druckwasser unter der in der Tiefe erreichbaren Pressung zu versorgen, wird eine Einrichtung vorgeschlagen, welche auf das Prinzip des Heronsbrunnens zurückkommt. Selbstverständlich wird der hohe Anfangsdruck des Wassers bei zunehmender Entleerung der Behälter bald nachlassen, indeſs wird man dadurch, daſs man sofort eine groſse Wassermasse unter hohem Drucke zur Verfügung hat, in den meisten Fällen das weitere Umsichgreifen des Feuers verhüten können.

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