Titel: L. C. Parker's Motor zum Betriebe mit Wassergas.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251/Miszelle 2 (S. 380–381)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/mi251mi08_2
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L. C. Parker's Motor zum Betriebe mit Wassergas.

Nach der Revue industrielle, 1883 * S. 404 hat sich in Yonkers, Nordamerika, unter dem Namen Yonkers' Fuel Gas Company eine Gesellschaft zur Darstellung von Wassergas mittels des Strong'schen Apparates (vgl. 1880 238 * 148) behufs Verwendung desselben für Heizzwecke und zum Treiben von Maschinen gebildet. Da das erzeugte Heizgas auſser 52,76 Proc. Wasserstoff an brennbaren Gasen noch 4,11 Proc. Sumpfgas und 35,08 Proc. Kohlenoxyd enthalten soll, so erscheint es allerdings zum Treiben der Maschinen geeignet und im Vergleiche mit dem im gewöhnlichen Generator hergestellten Gase jedenfalls werthvoller. Das Gas, von welchem nach dem angeführten Berichte mit 1t Kohlen 1960cbm erzeugt werden, wird zu dem Preise von ungefähr 7 Pf. für 1cbm abgegeben.

Die von der genannten Gesellschaft angenommene Gaskraftmaschine von L. C. Parker arbeitet mit Compression wie der Otto'sche Motor, welchem sie überhaupt sehr ähnlich ist; doch unterscheidet sie sich von diesem dadurch, daſs die Zündung durch Elektricität erfolgt, zu welchem Zwecke eine kleine Dynamomaschine vorhanden ist, die von der Maschine durch einen Riemen direkt betrieben wird. Hierdurch ist es natürlich möglich geworden, den Schieber, welcher wie bei Otto's Motor normal zur Längenachse der Maschine im Cylinderboden angebracht ist, aber durch eine unrunde Scheibe gesteuert wird, sehr zu vereinfachen. Eine noch nicht erprobte, wenn auch schon bekannte und z.B. in Deutschland von M. r. Schiltz in Köln (* D. R. P. Kl. 46 Nr. 19228 vom 15. Mai 1881) vorgeschlagene Neuerung ist die Anbringung seitlicher Kammern am Cylinder, welche sich während der Compressionsperiode der Maschine mit dem explosiblen Gasgemenge füllen und durch den Kolben bei seinem tiefsten Stande geschlossen werden. Zunächst wird bei Beginn der Kraftperiode mittels einer geeigneten Vorrichtung durch den Strom der Dynamomaschine die Zündung des im Cylinder befindlichen Gasgemenges eingeleitet. Indem nun der Kolben vorwärts getrieben wird, entzünden sich vom Cylinder aus nach der Reihe auch die in den Seitenkammern abgesperrten Gasmengen und verstärken die auf den Kolben ausgeübte Wirkung. Es ist dies dasselbe Princip, das der Erfinder auch bei Geschützen in Anwendung bringen will und welches sich nach dieser Richtung hin in Amerika bewährt haben soll. Auch bei Gasmaschinen ist ein günstiger Erfolg dieser Anordnung nicht ausgeschlossen, da die Verbrennung auf diese Weise über einen gröſseren Zeitraum vertheilt wird und minder stoſsartig erfolgt.

Eine Maschine dieses Systemes ist auf dem Werke der genannten Gesellschaft mehrere Monate hindurch im Betriebe gewesen. Der Cylinderdurchmesser betrug 146mm (5¾ Zoll engl.), der Kolbenhub 279mm (11 Zoll); dabei machte die Maschine 250 Umgänge in der Minute und verbrauchte 6797l Gas in der Stunde. Leider ist ihre Arbeitsausgabe nicht mitgetheilt und nur gesagt, daſs die Maschine u.a. eine Dynamomaschine für 28 Maxim'sche Glühlampen betrieben habe, deren Licht von bemerkenswerther Stetigkeit gewesen sei. – Dagegen gibt eine neuere Notiz im Techniker, 1884 * S. 30 an, daſs Maschinen dieser Art von gewöhnlichem Leuchtgas nur 20 Cubikfuſs = 0cbm,566 für 1° und Stunde verzehren.

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