Titel: Hoher Kesseldruck an Bord oceanischer Dampfer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251/Miszelle 2 (S. 468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/mi251mi10_2

Hoher Kesseldruck an Bord oceanischer Dampfer.

Es ist bekannt, daſs die Dampfergesellschaften, deren Flotten die Oceane befahren, den Tonnengehalt und die Maschinenleistung ihrer neu in Dienst gestellten Dampfer dauernd zu steigern beflissen sind. Eine ähnliche und zwar ganz ungewöhnliche Steigerung erfährt auch der Arbeitsdruck, mit welchem die Kessel jener Schiffe belastet werden.

Während die meisten Hochseedampfer noch zu Ende der 60 er Jahre mit 2 bis 2at,5 Ueberdruck arbeiteten, kamen im darauf folgenden Jahrzehnte 4 bis 6at zur Anwendung. Aber auch diese Belastung ist in den letzten Jahren überholt worden. Man nähert sich an Bord schnell einer Dampfspannung, welche bisher allein für die Binnenschiffe des Mississippi bezeichnend war, wie das Beispiel des „Tamaulipas“ beweist. Dieses Schiff ist der Erstling der Flotte einer neu begründeten Gesellschaft, der Compania Mexicana Transatlantica, welche den Personen- und Postdienst zwischen dem europäischen Festlande und Vera Cruz einzuführen beabsichtigt. Der Tamaulipas, welcher kürzlich seine Probefahrt an der gemessenen Meile auf dem Clydeflusse gemacht und dabei im Durchschnitte 30km (16,25 Knoten) Fahrt erzielt hat, wurde bei R. Napier and Sons in Glasgow gebaut und hat folgende Hauptabmessungen: Länge 122m (400 Fuſs engl.), Breite 13m,4 (44 Fuſs), Höhe 9m,9 (32,5 Fuſs) bei 4050 Tonnengehalt. Die Maschinen sind, was als eine Ausnahme zu bezeichnen ist, nicht vom Compound-, sondern vom Dreicylinder-Expansionstypus und indiciren 5000e. Die Kesselabtheilung hat 4 Doppelrundkessel aus Stahl, welche mit etwa 10at (140 Pfund engl.) Ueberdruck arbeiten. (Nach dem Marine Engineer, Oktober 1883 S. 191 bez. Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1884 S. 88.)

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