Titel: Verfahren zum schnellen Austrocknen von Neubauten und zum Desinficiren von Wohnräumen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251/Miszelle 6 (S. 470)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/mi251mi10_6

Verfahren zum schnellen Austrocknen von Neubauten und zum Desinficiren von Wohnräumen.

Zum Trocknen werden hauptsächlich 3 Methoden angewendet: 1) Einwirkung bewegter Luft, welche stets erneuert wird, 2) Erwärmung und 3) Berührung der zu trocknenden Gegenstände mit verdünnter Luft (vgl. Ligny 1876 222 342). St. v. Kosinski in Berlin (* D. R. P. Kl. 82 Nr. 18815 vom 29. November 1881) hat nun einen Apparat angegeben, welcher die Wirkungen dieser 3 Methoden vereinigt. Auſserhalb des zu trocknenden Raumes wird ein Gebläse in Betrieb gesetzt, um von auſsen Luft anzusaugen und sie durch einen fahrbaren Erhitzungsapparat zu treiben, welcher in dem betreffenden Räume aufgestellt wird und ähnlich einem Locomobilkessel angeordnet ist. Die Luft umspült die von den Feuergasen durchzogenen, mit Rippen versehenen Röhren des Kessels und erhitzt sich bis auf 350°; die Rauchgase werden durch ein Rohr nach dem nächsten Schornsteine oder dem Zimmerofen oder auch ins Freie geleitet. Durch ein am Kessel mit drehbarer Gelenkverbindung angebrachtes, verlängerbares Strahlrohr wird die hoch erhitzte Luft gegen die zu trocknende Wand oder gegen einen beliebigen Gegenstand geleitet; während des Verfahrens ist der betreffende Raum nach auſsen möglichst dicht abzuschlieſsen. Die durch ihre Erwärmung stark verdünnte Luft saugt begierig Feuchtigkeit auf und sinkt zu Boden. Der Heizapparat wirkt auch durch Wärmestrahlung und die ihn umgebende Luft steigt in die Höhe; hierdurch entsteht unter dem Apparate eine Luftverdünnung, welche das Ansaugen der niedergesunkenen, mit Wasser gesättigten Luft bewirkt; die letztere wird durch zahlreiche Oeffnungen des Aschenkastens in letzteren eindringen und mit den Feuerungsgasen durch den Schornstein abgeführt werden. Es findet somit durch diesen Vorgang ein schnelles Austrocknen von feuchten Räumen statt.

Der beschriebene Apparat kann auch dazu benutzt werden, frisch geputzte Wandflächen auf chemischem Wege von dem Hydratwasser zu befreien, indem Kohlensäure aus der Feuerung oder dem Rauchabzugsrohre gegen die Wände geleitet wird; ferner kann der Apparat zum Austrocknen alter Gebäude, zur schnellen Erwärmung groſser Räume, zum Aufthauen eingefrorener verdeckt liegender Wasser- und Gasröhren, zur Vernichtung des Hausschwammes, zur Erzielung eines haltbaren Putzes der von Mauerfraſs angegriffenen Wände, zur leichten Herstellung eines Asphaltüberzuges auf getrockneten und erhitzten Wänden, zur schnellen Entfernung von dumpfigem Geruch, Dunst und angesammelter Feuchtigkeit in Räumen, welche von vielen Personen besucht waren, und zur Desinfection von Räumen und Wänden verwendet werden; im letzteren Falle kommt die hohe Temperatur der gegen die Wände geleiteten Luft zur Wirkung. Der Apparat kann auch in festliegender Form angewendet werden und gibt die Patentschrift hierfür die betreffende Einrichtung an, welche unterhalb eines Raumes eingebaut wird, um letzteren dann als Desinfectionskammer oder Trockenraum benutzen zu können. Die hauptsächlichste Anwendung des Kosinski'schen Apparates betrifft jedoch das schnelle Austrocknen von Neubauten und ergaben hierfür Versuche, welche seitens des Polizeipräsidiums in Berlin angestellt wurden, befriedigende Resultate.

K. H.

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