Titel: Zur Beurtheilung von Feuerungsanlagen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251/Miszelle 7 (S. 470–471)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/mi251mi10_7

Zur Beurtheilung von Feuerungsanlagen.

Ch. Lauth bespricht im Bulletin de la Société d'Encouragement, 1883 Bd. 10 S. 120 und 166 die Gewinnung von Vollfeuerblau auf Sèvres-Porzellan durch Auftragen |471| einer gemahlenen Fritte aus 15 Th. Kobaltoxyd, und 85 Th. Pegmatit mit Terpentinöl und Dicköl, Trocknen und Glühen im Porzellanofen. Gelingt der Brand, so haben die Gegenstände eine sehr schöne, sammetartige, blaue Glasur. Zuweilen aber ist die Glasur auf den mit Runzeln oder Blasen versehenen Gegenständen rauh, das Blau ist trüb. Dieser Fehler läſs sich nicht ausbessern, auch wenn man den Gegenstand abschleift und nochmals glasirt.

Lauth hat nun gefunden, daſs dieser Fehler nur dann auftritt, wenn beim Schmelzen der Glasur reducirende Gase darauf einwirken. Er glaubt die Bildung von Alkalimetallen annehmen zu sollen, durch deren Verflüchtigung die Blasen entstehen. Jedenfalls hat sich gezeigt, daſs das Blau an allen den Stellen in dem Porzellanofen schön wird, an denen die Flamme rasch wechselt, wo also eine völlige Verbrennung stattfindet.

Seit dies festgestellt ist, hat Lauth die Untersuchung der Ofengase während aller Brände vorgeschrieben. Bei einem 35 Stunden dauernden Brande ergab der Durchschnitt der Analysen für die letzten 12 Stunden:

Kohlensäure 12,5 Proc.
Sauerstoff 8,5
Kohlenoxyd 0

der Rest von 79 Proc. kann als reiner Stickstoff angesehen werden; der Ofeninhalt war vorzüglich. Bei einem anderen, 37 Stunden 40 Minuten währenden Brande ergaben die Analysen der letzten 12 Stunden im Durchschnitte:

Kohlensäure 13,5 Proc. 14 Proc.
Sauerstoff 6,5 6
Kohlenoxyd 0 0

Lauth meint, der Rest von 80 Proc. entspreche nicht dem Stickstoff-Verhältnisse der atmosphärischen Luft, er müsse daher noch 4,6 unverbrannte Kohlenstoffverbindungen enthalten. Der Ofeninhalt war schlecht.

Diese letztere Ausführung ist nicht richtig. Beim Brennen von Kohlen kann, wegen des durch den Wasserstoff verbrauchten Sauerstoffes, die Summe von Kohlensäure und Sauerstoff niemals 21 Proc. betragen, falls nicht aus anderen Quellen stammende Kohlensäure zutritt. Bei Steinkohle ist 1,1 Kohlensäure + Sauerstoff etwa 20,5. (Vgl. Ferd. Fischer: Taschenbuch für Feuerungstechniker, S. 30. Daselbst muſs es Z. 9 v. o. heiſsen oder einfacher 1,1k + o statt .)

F.

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