Titel: Ueber eine neue Stickstoff haltige Colloïdsubstanz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251/Miszelle 10 (S. 512)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/mi251mi11_10

Ueber eine neue Stickstoff haltige Colloïdsubstanz.

Die Chemie des Albumins und verwandter Substanzen ist bekanntlich noch wenig erhellt. Ihr erfolgreiches Studium wäre in praktischer Hinsicht von einer gewissen Tragweite. Im Preisprogramme der Société industrielle de Ronen findet sich die goldene Medaille ausgesetzt für die besten Untersuchungen, betreffend die künstliche Darstellung einer industriell verwerthbaren Albuminoïdsubstanz. E. Grimaux hat in letzter Zeit einen Schritt in dieser Richtung gethan. Er beschreibt in den Comptes rendus, 1884 Bd. 98 S. 231 eine neue Stickstoff haltige Colloïdsubstanz, welche sich in ihren Reactionen den Albuminoïden nähert und in ammoniakalischer Lösung in ähnlicher Weise wie Caseïn durch den Einfluſs der Wärme coagulirbar ist. Dieser interessante Stoff entsteht als Einwirkungsproduct von Phosphorpentachlorid auf Amidobenzoësäure und ist wahrscheinlich ein inneres Anhydrit mehrerer Moleküle der amidirten Benzoësäure. Die neue colloïdale Amidobenzoësäure bildet eine dicke Gallerte, welche zu durchscheinenden, gelblichen, geruch- und geschmacklosen Blättern zusammentrocknet, von groſser Aehnlichkeit mit dem Serums-Albumin; sie schwillt in kaltem Wasser auf, indem sie sich allmählich darin löst; in heiſsem Wasser ist dieselbe leicht löslich und kann auf 100° erwärmt werden, ohne ihre Löslichkeit zu verlieren; dampft man hingegen auf dem Wasserbade zur Trockne ein, so erhält man bei unverändertem Aeuſseren einen unlöslichen Rückstand, löslich jedoch in Alkalien und Salzen alkalischer Natur (Natriumphosphat u.s.w.). In verschiedenen Versuchen verhielt sich die colloïdale Amidobenzoësäure den in lebenden Organismen gebildeten Colloïden analog.

Mit sehr wenig Kalkwasser versetzt, erhält man eine klare Flüssigkeit, welche unter dem Einflüsse der Wärme zu einer dicken Gallerte gesteht. Viele Salze, u.a. Salmiak, verhalten sich ähnlich wie Kalk.

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