Titel: Ueber die alkalische Reaction des Glases.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251/Miszelle 8 (S. 511–512)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/mi251mi11_8

Ueber die alkalische Reaction des Glases.

U. Kreusler und O. Henzold machen in den Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft, 1884 S. 34 auf die Fehlerquellen bei Analysen aufmerksam, welche durch die alkalische Reaction des Glases veranlaſst werden können. Um das Verhalten der verschiedenen Glassorten gegen Wasser festzustellen, wurden Glasröhren im Halse kleiner, mit etwa 50cc Wasser beschickter Kochflaschen so befestigt, daſs sie beim Kochen des Wassers als Rückfluſskühler wirkten. Der Kölbcheninhalt wurde dann titrirt und das Resultat auf Stickstoff (bei Ammoniakbestimmungen) und Aetzkali berechnet.

Eine Röhre aus leichtschmelzbarem Thüringer Glase von 324qc innerer Wandfläche ergab auf diese Weise:

Nach 2 stündigem Kochen: 15,5mg Stickstoff oder 62,0mg Aetzkali
weiteren 3 Stunden: 9,0 36,0
3 8,3 33,2
3 5,2 20,8
3 5,2 20,8
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
In zusammen 14 Stunden: 43,2mg Stickstoff oder 172,8mg Aetzkali

Thüringer Glas, minder leichtflüssig, ergab für 499qc Fläche:

Nach den ersten 3 Stunden: 4,8mg Stickstoff oder 19,2mg Aetzkali
weiteren 3 3,8 15,2
3 3,1 12,4
3 2,8 11,2
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
nach zusammen 12 Stunden: 14,5mg Stickstoff oder 58,0mg Aetzkali

Auf 1000qc Angriffsfläche ergaben sich stündlich für:

Nach Maſsgabe
der ersten
2 bis 3 Stunden
Nach Maſsgabe
der gesammten
Versuchsdauer
Thüringer Glas 1 24,0mg Stickstoff 9,5mg Stickstoff
Desgleichen 2 3,2 2,4
Böhmische Verbrennungsröhre 0,3 0,3
Leicht schmelzbares Kaliglas 0,5 0,5
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Werden, wie dies sehr häufig geschieht, mit Wasser gespülte Gefäſse in der Wärme getrocknet, so vermögen sie nachher selbst kalten Flüssigkeiten, welche man (in nicht übergroſser Menge) hineinbringt, eine sehr entschieden alkalische Reaction zu ertheilen. Bei gewissen Glassorten verräth sich übrigens die lösende Wirkung des Wassers schon durch die trübenden Flecken und Streifen, welche beim Eintrocknen der letzten Flüssigkeitsreste verbleiben.

Angesichts vorstehender Thatsachen, zusammengehalten mit den Wahrnehmungen, welche W. Fresenius (1883 249 529) über den Arsengehalt des Glases unlängst bekannt gab, kann man sich immer weniger der Einsicht verschlieſsen, daſs das Material für das unentbehrlichste Werkzeug des Chemikers zur Zeit meist nicht den Anforderungen entspricht, die daran gestellt werden sollten und daſs eine Abhilfe nach dieser Richtung in hohem Grade erstrebenswerth ist.

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