Titel: Färben von weiſsem, aus Seide und Baumwolle bestehendem Gewebe in zwei Farben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 251/Miszelle 6 (S. 560)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj251/mi251mi12_6

Färben von weiſsem, aus Seide und Baumwolle bestehendem Gewebe in zwei Farben.

O. Breuer beschreibt im Bulletin de Mulhouse, 1884 S. 65 ein seit lange in Lyon angewendetes Verfahren, um aus Seide und Baumwolle gemischte Gewebe in zwei verschiedene Farben zu färben. Zu diesem Behufe wird zuerst die Seide gefärbt, unter solchen Umständen, daſs die Baumwolle keinen Farbstoff anzieht; hierauf färbt man die Baumwolle, ohne die Färbung der Seide zu verändern. Es gelingt dies mit Hilfe eines Tanninbades zwischen den beiden Färbeoperationen und will man z.B. die Seide des Musters rosa, die Baumwolle grün färben, so verfährt man auf folgende Weise: Es ist die Seide, welche stets zuerst gefärbt wird und verwendet man hierzu die echtesten, der Seife am besten widerstehenden Farbstoffe. Gewöhnlich sind dies in Weingeist lösliche Producte. Man färbt die Seide in der Wärme und in Gegenwart von Seife; es eignet sich als solche ein Seifenbad, welches schon zum Entschälen der Seide gedient hat und das man mit etwas Essigsäure versetzt. Ohne diese Maſsregel zieht die Seide den Farbstoff schlecht. Nach dem Färben wäscht man gründlich; sollte sich die Baumwolle leicht gefärbt haben, so genügt äuſserst schwaches Chloren zu ihrer Reinigung.

Man geht nun zum Beizen in Gerbsäure über, welches den wichtigsten Theil des Verfahrens ausmacht. Man löst 8 Procent des Gewichtes der Stücke an reinem Tannin in Wasser, führt das Stück (gewöhnlich 2,5 bis 3k schwer) in das Bad ein, zieht es darin während 12 Stunden herum, führt aus und trocknet, ohne zu waschen.

Nach dem Trocknen fixirt man in Brechweinstein, 150g auf das Stück, während 2 ½ bis 3 Stunden und in der Kälte. Hierauf reinigt man in Wasser. Das Färben der Baumwolle geschieht in der Kälte mit möglichster Beförderung und unter Anwendung einer genügenden Menge Farbstoffes, zu welchem man etwas Essigsäure gibt. Die Operation soll nicht mehr wie ½ Stunde in Anspruch nehmen, um die Seide möglichst zu schonen, welche sich in diesem Bade nicht färben darf. Dem Färben folgt Waschen. Man bereitet ein ziemlich concentrirtes Seifenbad, durch welches man das Stück während 10 bis 15 Minuten nimmt, um die Miſsfarbe zum Verschwinden zu bringen, welche die Seide im Farbbade der Baumwolle hat annehmen können. Nöthigenfalls seift man ein zweites Mal und wäscht.

Zur Rosafärbung verwendet man am besten Rose Bengale oder spritlösliches Eosin, zum Grünfärben Vert brillant.

Mittels dieses Verfahrens lassen sich schöne Wirkungen und die verschiedensten Färbungen hervorbringen, welche man nach Belieben variiren kann. Die Vortheile dieses Färbeverfahrens im Vergleiche zum alten, auf dem Verweben von zuvor gefärbter Kette und Einschlag gegründeten Verfahren bestehen in der Verminderung der Handarbeit und in der Unabhängigkeit, welche es dem Fabrikanten gegenüber der so schnell ändernden Mode gewährt. Es stellt ihn sicher vor der Entwerthung seiner Waare, indem er von letzterer je nur so viel dem Färben unterzieht, als von seiner Kundschaft verlangt wird.

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