Titel: Ueber Neuerungen an Sicherheitsventilen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252 (S. 1–8)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/ar252001

Ueber Neuerungen an Sicherheitsventilen.

Patentklasse 13. Mit Abbildungen auf Tafel 1.

Die nachstehend verzeichneten neueren, meistens französischen Constructionen von Sicherheitsventilen bezwecken wieder hauptsächlich (vgl. Bericht 1882 244 * 417), die Erhebung des Ventiles beim Abblasen zu vergröſsern, damit durch das Ventil auch wirklich das Wachsen der Dampfspannung über eine gewisse Grenze hinaus sicher verhindert werde und dasselbe nicht, wie es bei den gewöhnlichen Anordnungen der Fall ist, nur als Alarmvorrichtung diene. Durch einige Constructionen soll eine direkte Belastung des Ventiles (ohne Hebel) ermöglicht werden.

E. Codron in Lille benutzt neuerdings die in Fig. 6 bis 8 Taf. 1 nach dem Portefeuille économique des Machines, 1883 S. 164 dargestellten Einrichtungen. In Fig. 6 hat das Ventil zwei concentrische, in einer Ebene liegende Sitzflächen. Unterhalb des mittleren Theiles des Ventiltellers ist ein Raum H abgeschlossen, welcher durch eine feine Bohrung o stets mit der freien Luft verbunden ist. Sobald das Ventil durch zu hohen Dampfdruck nur ein wenig gehoben wird, tritt der Dampf in den Raum H ein und, da durch die Bohrung o nur sehr wenig Dampf entweichen kann, so wird sofort auch der mittlere Theil des Ventiles als Druckfläche zu der ringförmigen hinzutreten und dadurch eine reichliche Erhebung des Ventiles bewirkt werden. Diese Anordnung dürfte wohl brauchbar sein.

Bei Fig. 7 ist der Raum H ringförmig auſserhalb des Sitzes A angeordnet und ein zweiter Ventilsitz durch den kolbenförmigen Aufsatz vermieden. Dieser Kolben kann sehr willig eingepaſst sein (es wird dann auch die Bohrung o überflüssig); indessen ist die Verbindung des Ventiles mit einem Kolben immer bedenklich, da derselbe sich doch leicht festklemmen kann. Noch weniger gut erscheint die Einrichtung Fig. 8, bei welcher zwei in verschiedenen Ebenen liegende Sitzflächen vorhanden und diese schwer dicht zu halten sind.

Derartige Ventile mit beim Anheben sich vergröſsernder Druckfläche schlieſsen natürlich, wenn sie einmal gehoben sind, erst wieder, wenn die Dampfspannung unter die das Oeffnen bewirkende Spannung gefallen |2| ist, und zwar wird der Unterschied zwischen Oeffnungs- und Schluſsspannung um so gröſser sein, je gröſser die hinzukommende zu der dem Dampfe stets ausgesetzten Druckfläche ist. Da im Allgemeinen ein erhebliches Sinken unter die festgesetzte Grenzspannung nicht gewünscht wird, so ist es auch nicht zweckmäſsig, die hinzukommende Druckfläche, also im vorliegenden Falle den Durchmesser bezieh. die Breite des Raumes H sehr groſs zu nehmen.1)

In der Wirkungsweise den vorgenannten ähnlich sind die Ventile mit überhängendem und über den Ventilsitz auſsen etwas übergreifendem Rande. Hierher gehört z.B. das in Frankreich jetzt vielfach benutzte Ventil von Th. Adams (vgl. 1881 241 * 248), welches im Wesentlichen mit dem von Ashcroft (vgl. 1873 208 * 81) übereinstimmt. Adams verwendet immer direkte Federbelastung, weshalb seine Ventile besonders für Locomotiven und Schiffsmaschinen geeignet sind.2)

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Bei der in Fig. 1 und 2 Taf. 1 nach der gleichen Quelle, 1883 S. 166 dargestellten, allerdings weniger einfachen Construction von Maurel, Truel und Comp., welche in der Wirkungsweise der von Helwig (1882 244 * 420) ähnlich ist, wird auch ein schnelles und reichliches Heben des Ventiles erreicht, das Sinken der Dampfspannung aber vermieden. Das Ventil ist mit einem Kolben P verbunden und wird durch den Dampfdruck selbst geschlossen gehalten, indem der bei K Zutritt habende Dampf durch die Bohrung R in den Raum C gelangt, also von oben auf die volle Kolbenfläche, von unten aber nur auf die Ringfläche D wirkt. Gleichsam zur Steuerung des Kolbens P dient ein Kolbenschieber AB, welcher oben und unten cylindrischen, in der Mitte aber dreieckigen Querschnitt hat und welcher die seiner Kolbenfläche entsprechende Belastung aufnimmt. Ein schmaler Absatz oberhalb A bildet hier einen dichten Ventilabschluſs. Steigt die Spannung über das festgesetzte Maſs, so wird dieser Schieber gehoben und zunächst durch den Kolben B der Raum C von dem Dampfe abgesperrt. Bei weiterer Erhebung steigt der Kolben A über seine Führung hinaus und gestattet dem in C eingeschlossenen Dampfe, zu entweichen. Der Druck auf die obere Fläche von P sinkt daher schnell, der Druck auf die Ringfläche D erhält das Uebergewicht und das Ventil wird geöffnet. Wenn die Spannung unter die Oeffnungsspannung sinkt, so fällt der Schieber nieder, der Dampf strömt wieder in den Raum C ein und das Ventil wird geschlossen. Die Spannung beim Oeffnen ist hier nur so viel gröſser als beim Schlieſsen, als der Reibung des Schiebers AB entspricht, die natürlich verschwindend klein sein muſs.

Während bei der Anordnung Fig. 1 Gewichtsbelastung benutzt ist, ist bei der für Locomotiven o. dgl. bestimmten Anordnung Fig. 2 eine Feder verwendet. Damit in diesem Falle die Höhe des Ganzen nicht zu bedeutend und die Feder auf Zug beansprucht werde, ist dieselbe neben dem Gehäuse angeordnet und ihre Spannung durch einen Hebel (mit nur unbedeutender Uebersetzung) auf den Schieber AB übertragen. Der linke kurze Hebelarm dient zur Aufnahme eines Gegengewichtes für den rechten Arm, das Gewicht der Federhülse u.s.w., um den Einfluſs der Schwere vollständig aufzuheben. Ferner hat bei Fig. 2 der Kolben eine bessere Führung erhalten.

Auch bei dieser Maurel-Truel'schen Anordnung kann der Kolben (bezieh. sein Führungsstift in Fig. 3) sehr willig ausgeführt werden; ein Dampfverlust kann durch seine Undichtigkeit nicht eintreten. Es genügt, daſs, wenn Schieber und Ventil gehoben sind, der neben P und der neben B vorbeiströmende, nach C gelangende Dampf oben bei A genügenden Abfluſs findet. Jedoch ist, wie schon oben bemerkt, immer |4| ein Klemmen der Kolben zu befürchten, namentlich hier, wo die Mantelfläche stets im Dampfe liegt, sich also leicht Kesselstein daran ansetzen kann und ein Nachsehen des Kolbens während des Betriebes nicht möglich ist. Ein Vorzug dieser Construction ist die geringe erforderliche Belastung. – Von der Compagnie des Messageries maritimes wurden Versuche mit diesen Ventilen gemacht, welche namentlich hinsichtlich der Empfindlichkeit sehr günstig ausfielen.

C. Carlo in Chemnitz (* D. R. P. Nr. 19097 vom 2. November 1881) will durch die in Fig. 3 bis 5 Taf. 1 gezeigte Ventilanordnung sowohl die Ausströmöffnung vergröſsern, als auch die wirksame Druckfläche so vermindern, daſs eine direkte Belastung benutzt werden kann und alle Uebelstände der Hebelbelastung vermieden werden. Das hohlringförmige, mit dem Stutzen B an dem Kessel zu befestigende Gehäuse A (Fig. 3) mündet oben in einen schmalen Spalt, welcher von dem ringförmigen Ventile C bedeckt wird. Dasselbe ist mit einem Stege a versehen, auf dessen Mitte sich mit einer Spitze der Bügel bc aufsetzt. An diesen kann entweder wie bei Fig. 3 ein Gewicht, oder wie bei Fig. 4 die Zugstange einer Feder angehängt werden. Der Stützpunkt des Bügels liegt dabei etwas unterhalb der Sitzebene. Nach Ansicht des Erfinders soll dieses Ventil eine doppelt so groſse Durchströmöffnung geben, als ein gewöhnliches Ventil von demselben Durchmesser, wobei er voraussetzt, daſs das Ventil sich ebenso hoch hebt wie gewöhnliche Ventile. Dies wird jedoch voraussichtlich nicht der Fall sein, da hier an jeder der beiden Sitzflächen eine Druckverminderung eintritt. Trotzdem ist anzunehmen, daſs die Gesammtdurchströmöffnung wenigstens etwas gröſser sein wird als sonst; andererseits wird jedoch auch der Ausfluſscoefficient hier geringer ausfallen als gewöhnlich. Erst nähere Versuche werden daher über die Wirksamkeit entscheiden können. Daſs zwei Dichtungsflächen statt einer vorhanden sind, wird keine besonderen Schwierigkeiten bieten, da beide in einer Ebene dicht bei einander liegen. Zweckmäſsig dürfte es sein, den Ring C wie auch seinen Steg a recht kräftig auszuführen, da sonst durch die Belastung leicht eine Formänderung des Ringes bewirkt werden könnte, die, an sich unbedeutend, doch genügt, um das Dichthalten zu erschweren. Etwas bedenklich ist auch die Beanspruchung des Stutzens B und seiner Befestigungsschrauben. Im Uebrigen erscheint die Construction recht empfehlenswerth. Die einzige Führung für den Ring bildet die untere Spitze des Steges a, welche in eine Vertiefung des am Gehäuse befindlichen Steges d eingreift. Ein Klemmen ist also überall ausgeschlossen. Die Sitzflächen sind auſsen sichtbar; mittels eines bei i (Fig. 4) eingesteckten Domes kann der Ring zeitweise etwas gedreht werden. Das Belastungsgewicht ist oben kegelförmig, um das Auflegen von weiteren Gewichten zu verhüten, oder kann wie die Feder in Fig. 4 in ein besonderes Gehäuse eingeschlossen sein. Um das Auflegen von Belastungen auf den Ring C |5| selbst zu verhüten, wird eine Schutzkappe angebracht, welche den Ring auch zugleich gegen seitliche Stöſse sichert. Dieselbe stützt sich bei e auf das Gehäuse und wird mittels der Mutter f befestigt. Die Stiftschraube g, welche mit amtlichem Stempel versehen werden kann, verhindert das Losdrehen der Mutter. Der zum Anheben des Ventiles dienende Handgriff D ist durch einen Splint k mit dem Querstücke b des Belastungsbügels verbunden, so aber, daſs bei geschlossenem Ventile der Splint unten nicht aufliegt, der Handgriff sich vielmehr auf die Schutzkappe stützt. Es kann also auch durch Belasten dieses Handgriffes die Ventilbelastung nicht vergröſsert werden. Daſs bei diesem Ventile, auch wenn es schnell und hoch gehoben wird, doch kein gefährlich groſser Querschnitt frei wird, kann ebenfalls als Vorzug angeführt werden.

Als Muster einer Ausführungsform der gewöhnlichen Ventile mit Hebelbelastung führt C. Carlo in der Zeitschrift des Verbandes der Dampfkessel-Ueberwachungsvereine, 1883 S. 31 bei einer Besprechung der Construction und Behandlung von Sicherheitsventilen die in Fig. 5 Taf. 1 abgebildete an. Dieselbe zeigt folgende Vorzüge: Die Dichtungsfläche ist schmal und eben, kann daher leicht genau aufgepaſst werden. Eine Undichtigkeit durch schiefe Lage, wie sie bei Kegelsitzen möglich ist, kann hier nicht vorkommen. Der Druckstift steht genau in der Mitte in der Ebene der Sitzfläche auf- selbst bei schiefgerichtetem Drucke werden daher alle Theile des Umfanges gleichmäſsig gedrückt. Der Ventilteller ist ausgehöhlt, so daſs die Innenfläche dicht am Sitze nahezu vertikal ist; die an dieser Stelle beim Abblasen eintretende Druck Verminderung wird daher den das Ventil hebenden, vertikalen Druck nicht oder nur wenig beeinflussen (vgl. A. Turnbull's Ventil 1882 244 * 417). Das Ventil wird sich daher höher als gewöhnliche Ventile heben. Die Gelenke am Hebel sind durch Schneiden ersetzt, wodurch die Reibung vermindert und ein Klemmen des Hebels in der Gabel vermieden wird. Die Gabel ist oben durch einen dreikantigen Steg geschlossen, welcher gegenüber den vierkantigen Stegen das Abspreizen des Hebels erschweren soll. Das Gewicht wird durch Querstifte p am Herabfallen gehindert. Die drei Schneiden liegen in einer Horizontalen; für die Schneiden am Stützbocke und am Stifte s ist dies wichtig; die Schneide des Gewichtsbügels könnte jedoch auch (es wäre dies vielleicht sogar vortheilhaft) etwas höher liegen. Es dürfte hiernach die in Fig. 5 angegebene Form und Anordnung wohl empfehlenswerth sein. Viele der genannten Punkte scheinen, so oft auch schon auf dieselben hingewiesen ist, noch nicht genügend gewürdigt zu werden.

Fig. 9 bis 12 Taf. 1 zeigen eine Construction von A. Crépin in Dunkerque (* D. R. P. Nr. 22446 vom 19. September 1882), bei welcher wie bei Fig. 3 und 4 der Ventilkörper gleichfalls durch einen Ring B mit zwei Sitzflächen gebildet wird. Letztere liegen jedoch hier nicht in einer Ebene, sondern die eine unten bei k, die andere oben bei k1 |6| (vgl. Fig. 9), beide dicht an der cylindrischen Innenfläche, mit welcher der Ventilkörper auf dem am Gehäuse festen Kolben A gleitet. Es wird daher hier schwieriger sein, das Ventil dicht zu halten. Das Dichtungsstück k2 für den oberen Ventilsitz soll durch Keile nachgestellt werden. An dem Ringe B sind mittels Querstifte zwei kleine Kolben G befestigt, welche zur Hälfte in einer Höhlung des Ringes liegen und zur Hälfte über seine Innenfläche vorstehen. Durch die Röhre F und die Querbohrung V in A hat der Dampf unter diese Kolben Zutritt. Die vor die Innenwand vortretende Querschnittsfläche derselben bildet also die wirksame Druckfläche und der Ring B selbst dient als Belastung. Treibt der Dampf, wenn seine Spannung die festgesetzte Grenze überschreitet, die Kolben G in die Höhe, so nehmen diese den Ring B mit und es entsteht bei k sofort eine groſse Ausströmöffnung, bis der Hub durch den Anschlag des Stiftes L begrenzt wird (vgl. Fig. 11). Die Kolben G werden oben durch aufgeschraubte Muttern abgedichtet. Das Rohr F wird oben durch eine Kapselmutter M verschlossen, nach deren Abschrauben das Rohr untersucht werden kann. Man wird dasselbe aber auch sehr wohl fortlassen können. Anscheinend soll durch dasselbe eine Beeinflussung des auf die Kolben G wirkenden Druckes durch die an der Ausströmöffnung auftretende Druckverminderung vermieden werden; doch ist eine solche, auch wenn das Rohr fehlt, nicht wohl möglich. Das Ventil wird immer so hoch, als es der Anschlagstift L zuläſst, gehoben werden und wird wie das Ventil Fig. 1 und 2 sich schlieſsen, sobald die Spannung unter die festgesetzte Grenze sinkt. Wenn es also möglich ist, das Ventil dicht und doch leicht beweglich herzustellen und zu erhalten, so wird es in seiner Wirkung kaum etwas zu wünschen lassen. An die Flansche a kann eine Ummantelung mit Dampfabführungsrohr angeschraubt werden.

Bei der in Fig. 13 Taf. 1 dargestellten Anordnung sind die beiden Kolben G durch einen ringsum laufenden Vorsprung mm1 ersetzt; dieselbe dürfte wegen ihrer gröſseren Einfachheit der vorigen Einrichtung vielleicht vorzuziehen sein.

E. Delsart in Anzin, Frankreich (* D. R. P. Nr. 24862 vom 1. Mai 1883) hat sich eine Construction patentiren lassen, bei welcher eine zweimalige Hebelübersetzung vorhanden ist, was wegen der vergröſserten Reibung nicht zu empfehlen sein dürfte. Das Ventil liegt versteckt und die ganze Anordnung erscheint unzweckmäſsig. Bemerkenswerth ist jedoch, daſs Delsart statt des Dampfes Wasser aus dem Kessel ausströmen lassen will und zu diesem Zwecke von dem Ventilgehäuse ein Rohr bis nahe auf den Boden des Kessels führt. Es soll damit einer zu hohen Spannung schneller abgeholfen werden als beim Abblasen von Dampf. Diese Anschauung beruht indessen auf einem Irrthume. Allerdings würde durch ein und dasselbe Ventil bei gleicher Hubhöhe in einer bestimmten Zeit eine bedeutend gröſsere Gewichtsmenge Wasser ausströmen, als Dampf |7| entweichen könnte; ja es würde das Wasser sogar einen viel gröſseren Theil von der dem Kessel mitgetheilten Wärme mit wegführen als der Dampf. Es kommt aber, wenn das Sicherheitsventil seine Aufgabe erfüllen soll, nur darauf an, genügende Raummengen aus dem Kessel hinaus zu lassen. Die dem Dampfkessel zugeführte Wärme wird nämlich, mag nun Dampf oder Wasser ausströmen, immer zum weitaus gröſsten Theile dazu dienen, Wasser von der Temperatur des Dampfes in Dampf überzuführen und für diesen Dampf muſs Raum geschaffen werden. Nun hat aber z.B. bei 6at Ueberdruck unter sonst gleichen Verhältnissen der ausströmende Dampf eine 20 bis 25 mal gröſsere Geschwindigkeit als das ausströmende Wasser; es wird also auch in gleicher Zeit dem Raume nach 20 bis 25 mal so viel Dampf zur Ausströmung gelangen als Wasser. Uebrigens könnte das Abblasen von Wasser auch leicht gefährlich werden, da (wenn nicht zufällig gleichzeitig gespeist wird) der Wasserstand viel schneller sinken würde als beim Ausströmen von Dampf.

Schlieſslich möge noch eine originelle, wenn auch praktisch kaum verwerthbare Construction von B. Hänelt in Antwerpen (* D. R. P. Nr. 25314 vom 12. Juli 1883) erwähnt werden. Wie schon oben bemerkt, blasen manche Sicherheitsventile auch dann noch ab, wenn die Dampfspannung schon erheblich unter die festgesetzte Grenze, bei welcher das Ventil sich öffnete, gesunken ist. Hauptsächlich um dies zu vermeiden, will Hänelt an Stelle des Ventiles einen Hahn benutzen und hat hierzu die in Fig. 14 bis 16 Taf. 1 veranschaulichte Einrichtung getroffen. Der Hahnkegel a wird an dem Dome des Kessels, an der Blindflansche eines Dampfstutzens o. dgl. so befestigt, daſs seine Achse horizontal liegt und sein Hohlraum stets dem Dampfe zugänglich ist. An dem um a drehbaren Hahnmantel b befindet sich oben ein luftdicht verschlossenes Gefäſs d. Ferner ist an demselben einerseits ein Messingrohr, welches eine hohle Kugel c aus Kupfer trägt, und andererseits ein Arm mit dem Gegengewichte e befestigt. Gegenüber der Rohrmündung hat der Hahnkegel a eine solche Oeffnung, daſs der Hohlraum von c bei allen in Betracht kommenden Lagen stets mit dem Hohlräume von a, also mit dem Kessel in Verbindung steht. Die Kugel c ist, ehe der Kessel angeheizt wird, zur Hälfte mit Quecksilber gefüllt. Sobald nun die Spannung im Kessel, folglich auch in der Kugel c steigt, wird ein Theil des Quecksilbers durch ein dünnes Kupferröhrchen, welches die Kugel mit dem Gefäſse d verbindet, in letzteres hinaufgepreſst und dadurch die Luft in d zusammengedrückt. In Folge dessen wird die Kugel leichter und durch das Gegengewicht eine Drehung des Hahnmantels b bewirkt. Die Spannung der Luft in d wird immer um einen der Quecksilbersäule entsprechenden Betrag geringer sein als die Dampfspannung in c. Je höher die Spannung steigt, um so mehr Quecksilber wird nach d übergehen, um so mehr also auch die Kugel c gehoben werden. Jeder Dampfspannung wird daher auch eine bestimmte Lage des Hahnmantels entsprechen. |8| Bei der Lage, welche der gröſsten zulässigen Spannung zukommt, treffen nun zwei im Hahnkegel und Hahnmantel angebrachte Schlitze zusammen und der Dampf gelangt zur Ausströmung. Die Schlitze (oder wenigstens einer derselben) müssen so breit sein, daſs sie, auch wenn die Spannung noch wächst, eine genügende Ausströmöffnung bieten; fällt die Spannung aber wieder unter die Grenze, so wird auch sogleich der Dampf abgesperrt. Eine Regulirung des Apparates kann zunächst durch Verstellung des Gegengewichtes e erreicht werden. Auſserdem kann man durch den Hahn m Quecksilber und durch den Hahn n Luft auslassen. Diese Vorrichtung ist indessen schon aus dem Grunde nicht brauchbar, weil Hähne, wenn sie dampfdicht schlieſsen sollen, ziemlich fest angezogen sein müssen. Die Reibung würde daher viel zu bedeutend sein, um eine nur einigermaſsen sichere Wirkungsweise zu ermöglichen.

Whg.

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Ingenieur Olry in Lille hat mit zwei Codron'schen Ventilen von der Form Fig. 6 Versuche angestellt, bei welchen sich Folgendes ergab: Das eine Ventil hatte im Sitze A 96mm und im Sitze B 68mm Durchmesser. Die ringförmige Druckfläche betrug hiernach 3606qmm und die centrale 3632qmm. Beim Anheben des Ventiles wurde also die wirksame Fläche verdoppelt. Benutzt wurde zu den Versuchen ein Bouilleurkessel von 36qm,8 Heizfläche und 1qm,15 Rostfläche. Der Ventilteller flog bei einer Spannung von 4,6k/qc plötzlich auf, nahm sofort die durch die Anschläge gestattete höchste Stellung bei 6mm Hub ein und schloſs sich erst wieder, als die Spannung auf 2k,8, also fast auf die Hälfte der Oeffnungsspannung gefallen war. Bei dem zweiten Ventile betrug der Durchmesser bei A 70mm, bei B aber nur 27mm, die ringförmige Fläche also 3276qmm und die centrale 572qmm, letztere demnach nur 0,175 der ersteren. Dem Ventile war nur 4mm Hub gestattet. Bei 4k,5 Dampfspannung fing das Ventil an, zu tanzen, wobei der Hebel immer gegen die obere Begrenzung schlug. Nach 3 Minuten war trotz eines sehr lebhaft unterhaltenen Feuers die Spannung auf 4k,2 gesunken. Von da an blieb das Ventil etwa 2mm über seinem Sitze nahezu unbeweglich stehen; die Spannung sank allmählich weiter bis auf 4k, blieb dann aber constant. Nachdem man schlieſslich das Feuer etwas gemäſsigt hatte, schloſs sich das Ventil.

|2|

Wie wirksam dieselben sind, geht aus einem Berichte von A. Brustlein. Ingenieur auf den Stahlwerken von Unieux hervor (vgl. Genie civil, 1882/3 Bd. 2 S. 411). Auf den genannten Werken waren gewöhnlich 22 Kessel von zusammen 1000qm Heizfläche in Betrieb, welche sämmtlich durch das Dampfrohrnetz mit einander in Verbindung standen, und von denen jeder mit zwei der französischen Verordnung entsprechenden Sicherheitsventilen versehen war. Diese sorgfältig in Stand gehaltenen Ventile waren für 4k Dampfspannung belastet, konnten aber nicht verhindern, daſs in den Ruhestunden die Spannung auf 5 und selbst auf 5k,5 stieg. Es wurde dann versuchsweise auf einem in der Mitte der Anlage befindlichen Vertikalkessel ein Adams'sches Sicherheitsventil von 70mm Durchmesser angebracht und dasselbe genügte, um in sämmtlich en Kesseln unter allen Umständen die Spannung zwischen 3,8 und 4k zu halten. Damit die ganze Anlage nicht von dem einen Kessel abhängig sei, wurden dann später noch 3 gleiche Ventile auf verschiedenen Kesseln angebracht.

Ferner hat Ingenieur Vicaire auf einer Locomotive Versuche mit 2 Adams'schen Sicherheitsventilen von je 63mm Durchmesser angestellt (vgl. Portefeuille économique, 1883 S. 166), welche ebenso günstig ausfielen. Es wurde auf der stillstehenden Locomotive das Feuer mittels des Blasrohres zunächst möglichst angefacht und das letztere dann abgesperrt, so daſs dem Dampfe nur der Ausweg durch die Sicherheitsventile blieb. Dieselben flogen auf bei einer Spannung |3| von 8k,75 und bewirkten in 60 bis 65 Secunden ein Sinken der Spannung bis auf 8k,37, worauf sie sich schlössen. Dieser Versuch wurde mehrere Male hinter einander stets mit dem gleichen Erfolge wiederholt.

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