Titel: Ferroux's neue Gesteinsbohrmaschine.
Autor: Kavcic, Joh.
Fundstelle: 1884, Band 252 (S. 194–197)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/ar252066

Die Ferroux'sche Bohrmaschine neuer Construction; von Joh. Kavcic, Adjunkt in Przibram.2)

Mit Abbildungen auf Tafel 14.

Die Ferroux'sche Bohrmaschine, welche beim Betriebe des Sohlen- und Firstenstollens an der Ostseite des Arlbergtunnels angewendet wurde, unterscheidet sich wesentlich von der Maschine desselben Constructeurs, |195| wie sie im nördlichen Richtstollen des Gotthardtunnels im Gebrauche war (vgl. 1875 215 * 495). Die Arlberger Maschine besteht, wie die Gottharder aus einem Gestellrahmen, dem Propulseur und der eigentlichen Arbeitsmaschine; doch sind die Einzelheiten dieser drei Hauptbestandtheile bei den beiden Maschinen so verschieden von einander ausgeführt, daſs ein Blick auf die Zeichnungen (Fig. 14 bis 18 Taf. 14) genügt, um sich sofort gestehen zu müssen, daſs die Arlberger Construction nicht nur eine Verbesserung, eine Vereinfachung der alten Maschine, sondern ein neues System darstellt.

Bei jeder stoſsend wirkenden Gesteinsbohrmaschine unterscheidet man vier verschiedene Bewegungsarten: 1) Die hin- und hergehende Bewegung des Arbeitskolbens, welcher die Kolben- und Bohrerstange trägt; diese Bewegung erzielt den Stoſs und ist durch den Umsteuerungsapparat bedingt. 2) Das Umsetzen des Bohrers nach jedem Stoſse beim Rückgange des Kolbens. 3) Das Nachrücken der Maschine bei zunehmender Lochtiefe. 4) Das Zurückziehen der Maschine beim Bohrerwechsel oder bei vollendeter Lochtiefe.

Die Umsteuerung des Kolbens wird hier vom Kolben selbst aus bewerkstelligt. Mit dem Arbeitscylinder A sind nämlich zwei kleine Steuerungscylinder verbunden, in denen mit Steuerungskanälen versehene Kölbchen spielen, wie dies aus dem Längenschnitte Fig. 17 ersichtlich ist. Die eine seitliche Bohrung o dient zur Zuführung der Preſsluft aus dem Kasten R vor bezieh. hinter den Arbeitskolben K, indem o in den achsialen Kanal des Kölbchens mündet, wodurch die Verbindung zwischen dem Kasten R und dem Arbeitscylinder A hergestellt ist. Die zweite seitliche Bohrung mündet, wie die erste, an der Mantelfläche des Kölbchens und, da auch sie mit der achsialen Bohrung communicirt, so bedingt eine gewisse Stellung des Kölbchens wieder die Verbindung des Arbeitscylinders mit der freien Luft durch die Kanäle i. Das Spiel des Arbeitskolbens und der Steuerungskölbchen ist also folgendes: Bei der Bewegung des Kolbens in der Richtung des Pfeiles stöſst sein vorderes Ende an das Kölbchen k und hebt es in die Höhe, wodurch die achsiale Bohrung o in Verbindung mit dem Kasten R gelangt und die Preſsluft vor den Kolben K tritt; sie könnte ihn aber, weil hinter dem Kolben sich auch gepreſste Luft befindet, nicht zurückbewegen, wenn nicht gleichzeitig durch die Hebung des Kölbchens k das Kölbchen k1 unter Vermittlung des Doppelhebels h niedergedrückt worden wäre, so daſs die Preſsluft hinter dem Kolben durch das Steuerungskölbchen und die Oeffnung i ins Freie treten kann. Der Arbeitskolben bewegt sich also entgegengesetzt wie der Pfeil: die Umsteuerung ist erzielt. Nach vollendetem Rückgange stöſst der Arbeitskolben alsdann an das Kölbchen k1 und hebt es, während der Hebel h gleichzeitig das Kölbchen k herabdrückt. Nun tritt die Preſsluft durch k1 ein, durch k aus, der Arbeitskolben geht nach vom und führt einen Meiſselschlag aus. Kurz die Umsteuerung |196| wird dadurch bewirkt, daſs abwechselnd die Preſsluft durch ein Kölbchen eintritt, durch das andere austritt. Der Umsteuerungsmechanismus ist jedenfalls sehr einfach und die Grundidee dieselbe wie bei der Schramm'schen Bohrmaschine.

Das Umsetzen des Bohrers beim Rückgange des Kolbens erfolgt auf die bekannte und vielfach schon angewendete Art mittels Schlitz und Nase. Im schrägen Schlitze s der Kolbenstange spielt die Nase n (Fig. 16) eines Sperrrades, das sich nur in der Richtung des Pfeiles links herum drehen kann, während die Bewegung im entgegengesetzten Sinne durch die Sperrklinke ausgeschlossen ist. Beim Rückgange des Kolbens wird daher das Sperrrad feststehen und die Kolbenstange, mithin auch der Bohrer sich drehen. Die Gröſse der Drehung ist abhängig von der Steilheit des Schlitzes.

Das Nachrücken der Maschine auf dem Rahmen, welcher an einem entsprechenden Bohrgestelle befestigt ist, geschieht auf folgende Art. In der rückwärtigen Wand des Arbeitscylinders ist die hohle Schubstange des Propulseurs befestigt. Diese Stange ist hohl, weil durch dieselbe die Zuführung der Preſsluft zu dem Räume R und den Steuerungskölbchen erfolgt. An ihrem hinteren Ende trägt die Schubstange einen Kolben, welcher zum Unterschiede vom Arbeitskolben Propulseurkolben heiſsen mag. Die Schubstange mit ihrem Kolben spielt in einem langen Cylinder, welcher mit dem Rahmen fest verbunden ist. Während der Arbeit gelangt nun die Preſsluft aus der Leitung nach c, durch die Propulseurstange in den Kasten B und aus diesem durch die Steuerungskölbchen in den Arbeitscylinder. Zugleich drückt sie auch auf die hintere ringförmige Fläche des Propulseurkolbens und schiebt ihn sammt seiner Kolbenstange und dem fest mit letzterer verbundenen Arbeitscylinder vorwärts, wenn das Bohrloch tiefer wird. Das Vorrücken wird durch einen einfachen Mechanismus regulirt und kann nur beim Hingange des Kolbens unmittelbar vor dem Stoſse erfolgen. Ist nämlich das Bohrloch beim Vorschreiten der Arbeit schlieſslich so tief geworden, daſs das vordere Ende der Kolbenstange an die Knagge h1 stöſst, so wird dadurch der Bügel b, dessen Arme mit Sperrklinken versehen sind, aus der Verzahnung des Gestelles gelöst, die Maschine kann sich um einen Zahn bezieh. um die Zunahme der Bohrlochtiefe vorwärts bewegen. Beim Rückgange des Kolbens kann kein Verrücken der Maschine mehr stattfinden, weil die Klinken des Bügels b sofort in die Zahnlücken zurückfallen und durch den die Knagge h1 und den Bügel b tragenden Hebelarm h2 niedergehalten werden, indem ein Kölbchen h2 den anderen Arm h3 des Hebels beständig nach oben preſst. Der Raum unter dem Kölbchen ist zu dem Ende fortwährend mit Preſsluft gefüllt. Damit aber ein Zurückgehen der einmal vorgerückten Maschine während der Arbeit oder vielmehr ein Federn derselben in Folge des immer gröſser werdenden Luftpolsters hinter dem Propulseurkolben nicht stattfinden kann, wird |197| folgende Sperrung angewendet. Im mittleren Theile des Rahmens befinden sich unterhalb desselben ebenfalls zwei Zahnreihen. Die Propulseurstange trägt gleich hinter ihrer Verschraubung mit dem Arbeitscylinder einen kleinen Cylinder, in welchem ein Kölbchen k3 spielt. Dieses Kölbchen trägt einen Bügel, welcher die hier viereckig geformte Propulseurstange umfaſst. Die Bügelarme sind unten mit einer Querschiene verbunden, deren zahnförmige Kante in die Zahnlücken des Rahmens eingreift. Der Bügel wird fortwährend in der Höhe gehalten, da auch hier Preſsluft unter dem Kölbchen wirkt. Das Vorrücken der Maschine ist in keiner Weise behindert, da die Zähne nach vorwärts, also entgegengesetzt den oberen Zähnen gerichtet sind.

Das Zurückziehen der Maschine, was überhaupt und namentlich bei häufigem Bohrerwechsel von gröſster Wichtigkeit ist, erfolgt sehr rasch und zwar ebenfalls durch gepreſste Luft. Man sperrt bei H die Preſsluft ab und öffnet den Hahn H1; das Kölbchen k3 sinkt und deshalb fällt auch die Querschiene aus den Zahnlücken und hindert nicht mehr das Zurückgehen der hohlen Propulseurstange, welches durch den Druck der Luft auf die vordere Ringfläche des Propulseurkolbens sofort erfolgt.

Die Arlberger Percussionsbohrmaschine unterscheidet sich von der alten Gottharder Maschine, wie dieselbe in D. p. J. 1875 215 * 495 beschrieben ist, im Kurzen durch folgende Einzelheiten: Die alte Bohrmaschine besaſs hinter dem Propulseur einen stehenden Motor, durch welchen eine über der Bohrmaschine gelagerte Welle betrieben wurde, um das Umsteuern des Arbeitscylinders und das Umsetzen des Bohrers zu bewerkstelligen. Dieser Motor und die Transmissionswelle fehlen bei der neuen Construction ganz. Zum Umsteuern war sodann ein Muschelschieber vorhanden, während dies jetzt durch den Arbeitskolben selbst auf eine sehr einfache Art bewirkt wird. Das Vorrücken der Maschine bei zunehmender Lochtiefe, das Zurückziehen derselben beim Bohrerwechsel oder bei vollendeter Lochtiefe ist bei beiden Ausführungen gleich.

Diese beschriebene neue Stoſsbohrmaschine, mit welcher man an der Ostseite des Arlbergtunnels gleich glänzende Resultate erzielt hat, wie mit der Brandt'schen Drehbohrmaschine (vgl. 1878 225 608. 1878 227 * 56) an der Westseite, würde ohne Zweifel auch beim Bergbaue vorzügliche Dienste leisten, namentlich dort, wo man oft lange Querschläge treiben muſs.

Ueber Gesteinsbohrer vgl. Uebersicht 1875 215 * 203.* 298.* 495. Darlington 1875 217 * 177. Barlow 1875 218 * 400 (Handbetrieb). Reynolds 1876 219 * 33. A. Brandt 1877 225 608. 1878 227 * 56. J. Jordan 1878 227 * 453 (Handbetrieb). Dubais und François 1878 227 * 455 (für Keilsprengungen). Baroper Maschinenfabrik 1879 233 * 364. Pelzer 1879 233 * 450 (Spritzvorrichtung). Siemens und Halske 1880 238 91 (elektrischer Hammer). Neill 1881 239 * 182. Duisburger Maschinenfabrik 1881 239 * 348 (Bohrspreitze). Neuerburg und Trautz 1881 240 * 101 (Gestell). T. Fröhlich 1881 242 * 24 (Umsetzmechanismus). Döhring 1883 249 * 77 (Tunnelfräsmaschine).

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: