Titel: Chaunier's Maschine zum Herstellen der Fischnetze.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252 (S. 198–202)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/ar252068

Chaunier's Maschine zum Herstellen der Fischnetze.

Mit Abbildungen im Texte und auf Tafel 15.

Textabbildung Bd. 252, S. 198

Die vorliegende Maschine stellt das Netzwerk mechanisch mit rhombischen Maschen her und der geschlungene Knoten ist, wie aus beistehender Skizze ersichtlich, dem durch Hand geschlungenen Filetknoten ganz gleich, ebenso wie der Knoten, welcher die Jouannin'sche Maschine1) liefert. Sowohl bei Jouannin's, als auch bei Chaunier's Maschine erfolgt die Netzbildung durch das Zusammenwirken zweier |199| Fadensysteme: Bei Jouannin faſst eine Hakennadel zuerst den von der Spule kommenden Faden, dreht ihn zu einer Schlinge, ergreift durch diese Schlinge hindurch den zweiten Faden, dreht auch diesen zu einer Schlinge und zieht diese dann so weit aus, daſs sie über die Spule des ersten Fadens abgeworfen werden kann. Nach Chaunier dagegen wird zuerst ein Faden durch einen Fadenführer um 2 Stifte herum geführt, ein anderer Theil desselben Fadens hierauf von unten mittels einer Gabel durch die erste Schlinge gehoben, so daſs ein Fach entsteht, durch welches die in einer Art französischer Broschirlade gelagerte Spule des zweiten Fadensystemes hindurch gestoſsen wird. Die Leistung der Maschine entspricht einer Tagesarbeit von 300 Fischern, indem sie gegen 3500 Maschen in der Minute macht. Ein Arbeiter genügt zur Ueberwachung.

Die Figuren auf Tafel 15 sind – ausgenommen Fig. 16 bis 18 – dem Génie civil, 1883/4 Bd. 4 S. 274 entnommen und es stellen dar: Fig. 1 bis 3 Vorderansicht, Querschnitt und Grundriſs der Maschine mit der Anordnung der hauptsächlichsten Theile der Jacquardmaschine. Die Fig. 6 bis 11 geben die bei der Bildung der Knoten zusammenwirkenden Werkzeuge im Einzelnen an. Die schematischen Skizzen Fig. 12 bis 15 und Fig. 16 bis 18 veranschaulichen die Herstellung des Knotens in der richtigen Aufeinanderfolge der Lagen der einzelnen Organe, welche zur Fertigstellung einer Maschenreihe nöthig sind.

Alle arbeitenden Theile finden ihre Lagerung an dem guſseisernen Gestelle Z (Fig. 1 bis 3). Die den Faden stützenden und führenden Organe werden durch die Jacquardmaschine bewegt, welche aber doppelt ausgeführt ist und abwechselnd wirkt. Die Antriebsriemenscheibe M ist auf der oberen Welle M1 festgekeilt. Die beiden Messer H und J, welche die Platinen k heben, sind in Rahmen H1, J1 gelagert, die im Gestelle gerade geführt und mittels Lenkstangen von den beiden Hebeln N aus gehoben und gesenkt werden. Die Hebel N empfangen ihren abwechselnden Antrieb durch 2 Curvenscheiben K, welche um 180° gegen einander verdreht auf der Welle M1 festgekeilt sind. Die Platinen k werden in der üblichen Weise gegen die Messer angedrückt und erhalten ihre Ablenkung durch verschiedene Hebel. Die Mechanismen für diese einzelnen Bewegungen, wie auch verschiedene andere unwesentliche Bestandtheile sind der Deutlichkeit wegen in den Zeichnungen weggelassen.

Die Figuren 6 und 7 zeigen Längs- und Querschnitt der Schützenlade S und des Kammes A. Die Schütze O enthält die mit dem Schuſsfaden angefüllte Spule P, und zwar sind diese Schützen neben einander in die um die Zapfen S1 schwingende Schützenlade S eingereiht. Die Spulen können nur eine sehr geringe Höhe haben und sind deshalb von ziemlich groſsem Durchmesser gemacht, so daſs sie immerhin eine beträchtliche Menge von Schuſsfaden aufzunehmen im Stande sind. Die |200| Spulen können sich frei im Inneren der Messingschütze O drehen; gegen die Innenfläche der Schütze wird jede Spule durch eine Feder R gepreſst, welche dadurch die Drehbewegung bremst und die Spannung des Schuſsfadens regelt, Der Schuſsfaden y verläſst die Spule, indem er durch einen in der Schütze angebrachten Spalt geht; von da aus läuft er um eine kleine Spannrolle q mit vertikaler Drehachse; eine kleine Schraubenfeder s, schwächer als R, bestimmt deren Spannung. Der Hauptzweck dieser Spannrolle ist der, das Ablaufen des Schusses während der Knotenbildung zu regeln und zu verhindern, daſs der Faden vorn je schlaff wird. Von dieser Spannrolle aus geht der Schuſs y durch ein Oehr oder einen Fadenführer t weiter. Die Schützen selbst sind in den eigentümlich geformten Tragbügeln U untergebracht, welche von der Lade S nach unten gehen und so viel Spielraum zwischen sich lassen, daſs sie ein freies Hindurchgehen der Fäden x, die hier der Analogie halber Kettenfäden genannt werden mögen, gestatten.

Auſser der schwingenden Bewegung der Lade S, an welcher alle Schützen theilnehmen, haben diese noch eine geradlinige Hin- und Herschiebung in der Längsrichtung der Lade. Diese letztere Bewegung wird ihnen durch den Kamm A mitgetheilt, dessen Hauptkörper aus einem Kupferrohre A1 besteht und das eben so lang ist wie die Lade S; dieselbe hat wegen der Längsverschiebung der Spulen um eine Theilung hin und zurück einen Spulen träger mehr, als die Anzahl der Spulen beträgt. Quer in dieses Rohr At sind eben so viel Zähne oder Stahlzungen z eingesetzt, als Schützenträger vorhanden sind; dieselben bewirken die Längsverschiebung der Schützen. Die Längsbewegung des Kammes wird durch eine Platine des Jacquardmechanismus eingeleitet; dabei erleichtern kleine Rollen a1, a2 (Fig. 6 und 7) die Beweglichkeit.

An zwei anderen Prismen B und B1 (Fig. 2 und 9), den Knotenprismen, sind Finger b2 angebracht, welche an ihren vorderen Enden senkrechte Stifte – die Spitzen b und b1 tragen, um welche herum die Knotenbildung stattfindet und welche die fertigen Knoten vorübergehend tragen. Die Anzahl der Spitzen b und b1 auf jedem Prisma ist gleich der Anzahl der Kettenfäden. Es erhalten die beiden Prismen ebenfalls zwei abwechselnde Bewegungen, eine Quer- und eine Längsbewegung, welche wiederum vom Jacquardmechanismus ausgehen. Die Gröſse der Maschen wird durch die Entfernung zwischen den Spitzen b, b1 bestimmt, und zwar genügt bloſs die Aenderung dieser Entfernung, um eine andere Maschengröſse zu erzielen; es kann dieselbe bei der vorliegenden Maschine zwischen 15 und 60mm betragen.

Die Kettenfäden x sind auf gebremsten Spulen aufgewickelt, welche neben einander auf ein Prisma L (Fig. 1, 2, 12 bis 15) aufgesteckt sind. Das Prisma ist an den äuſseren Enden der Hebel L1 angebracht, welche um die Achse L2 schwingen, eine Bewegung, welche wiederum vom Jacquard mittels der Hebel L3 veranlaſst wird (vgl. Fig. 2). Von den |201| Spulen laufen die Kettenfäden durch Fadenführer c (Fig. 12 bis 15), d. s. Stahlröhrchen, welche durch die Platte q mit dem Fadenführerprisma C fest verbunden sind. Die Aufgabe dieses Prismas besteht darin, den Abzug der Kettenfaden zu bewirken und dann dieselben zu führen. C läuft zu diesem Zwecke auch wieder auf kleinen Rollen und erhält auſser der schwingenden Querbewegung ebenfalls eine geringe Längsverschiebung, so daſs die Kettenfäden um die Haken e und die Stifte b, b1 herumgeschlungen werden. Die Schwingungsweite des Spulenprismas L ist gleich der Länge des zur Bildung einer Masche nöthigen Fadens. Der leichten Beweglichkeit halber ist das Gewicht des Prismas durch Gegengewichte ausgeglichen.

Die Figuren 10 und 11 geben einen Theil des sogen. Hakenprismas E wieder. Dasselbe trägt eben so viel Haken e, als Fadenführerröhrchen c vorhanden sind, und ist ebenfalls mit Laufröllchen versehen, mit denen es auf Bahnen läuft; es erhält wieder zwei Bewegungen, ähnlich wie die früher erwähnten Hilfswerkzeuge. Die Haken e ziehen die Kettenfäden x zu Schlingen aus, durch welche die von unten kommenden Finger f (Fig. 8) einen weiteren Theil der Kette hindurch heben, der sich dann mit dem Schusse in der weiter unten angegebenen Weise kreuzt. Dem Prisma F mit den Fingern f wird deshalb auſser einer Querbewegung, welche ihm gestattet, das Hakenprisma zu begleiten, nicht nur eine Längsbewegung, sondern auch noch eine Verschiebung in vertikalem Sinne zu Theil. Die Kettenfäden werden auſserdem noch einmal zwischen den Knotenprismen B und den Haken e durch eine mit Einschnitten w versehene vertikale Platte unterstützt.

Die zur Bildung einer Maschenreihe nöthigen Bewegungen und die dabei auftretenden Verschlingungen sind in Fig. 12 bis 18 dargestellt: Fig. 12 zeigt die Anfangslage der hauptsächlichsten Organe beim Beginne einer neuen Maschenreihe; die Fäden x gehen von den Stiften b1 aus und werden durch die Führerröhrchen c an dem Stifte b vorbei um die Haken e herumgeführt; die letzte Bindungsstelle mit dem Schusse y ist bei dem benachbarten Stifte b1, wo sich die eben gebildete Maschenreihe noch befindet. Die Lieferung der nöthigen Kettenlänge erfolgt durch den früher angedeuteten Niedergang des Hebels L1. Die Kettenfaden x werden, nachdem sie um die Haken e herumgeführt sind, noch durch die Führerröhrchen c um die Stifte b herumgeschlungen. Durch die hierbei entstehende Anspannung wird die Schleife an den curvenförmig gestalteten Hinterflächen e2 der Haken e in die Höhe gezogen, bis sie an den Knöpfchen ihre Stützung finden (vgl. Fig. 13 und 16).

Hierauf verschieben sich die Finger f längs des Prismas F, fassen dadurch den tiefer liegenden Faden x1, bringen ihn unter die Mitte der von den Fäden x gebildeten Schleife und gehen dann mitsammt dem Faden x1 in die Höhe (vgl. Fig. 17), so daſs ein Fach entsteht, durch welches nun die Schützen O mit dem Schuſsfaden hindurch geschoben |202| werden. Es senkt sich nämlich die Lade S (Fig. 14), die Federn z schieben die Schützen O um eine Theilung nach hinten, so daſs, wenn nun die Lade S und damit die Schützen O in die Höhe gehen, die Fäden y durch die Fäden x1, die zwischen Feder und Spule hindurch schlüpfen können, gebunden sind (vgl. Fig. 18). Gehen nun die Finger f zurück und lassen sie damit die Fäden x1 frei, so wird, da alsbald auch die Haken e die Schlingen x abwerfen (vgl. Fig. 15), bei dem darauf folgenden Aufwärtssteigen des Hebels L1 ein Straff ziehen der Kettenfäden eintreten, somit ein Knoten gebildet, wie er in Fig. 4 in etwas gelockertem Zustande dargestellt ist, während Fig. 5 ein Stück des auf dieser Maschine gefertigten Netzes wiedergibt.

Die Knoten sind jetzt an den Stiften b gebildet worden und werden auch durch diese Spitzen festgehalten; b und b1 vertauschen vor Bildung der nächsten Maschenreihe ihre Rolle; das Knotenprisma B1 und damit die Stifte b1 gehen nach unten und es streifen sich dadurch die fertigen Maschen ab; B1 und b1 steigen dann nach innen aufwärts, während b nach auſsen geschoben wird. Gleichzeitig mit diesem Platzwechsel der Knotenprismen B und B1 wirkt ein Hebel m (Fig. 2) auf ein Sperrrad, welches das mit Kautschuk überzogene Walzenpaar n um einen dem fertig gewordenen Netzwerke entsprechenden Bogen dreht. Die fertige Waare wird auf dem Zeugbaume G aufgewickelt.

Alle wirkenden Theile kehren in ihre Anfangslage zurück, auch die Schützen, welche also bei der Bildung einer jeden Maschenreihe einmal von links nach rechts und einmal von rechts nach links gestoſsen worden sind. Die zuletzt gebildete Maschenreihe in Fig. 5 befindet sich bei b.

Die erzeugten Netze sind zum Fischfange, zum Schütze von Gewächsen gegen Vögel u. dgl. verwendbar.

E. M.

|198|

Diese Maschine war auf der Pariser Ausstellung 1867 in Betrieb zu sehen und ist von Kick in D. p. J. 1868 188 * 376 beschrieben.

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