Titel: Herstellung von Kokes, Theer und Ammoniak.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252 (S. 283–286)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/ar252105

Herstellung von Kokes, Theer und Ammoniak.

Patentklasse 10. Mit Abbildungen auf Tafel 20 und 23.

(Schluſs des Berichtes S. 253 d. Bd.)

F. Brunck in Mannheim (* D. R. P. Nr. 25499 vom 19. Mai 1883) will Luft und Heizgase dadurch vorwärmen, daſs die Rauchabzugskanäle abwechselnd zur Luft- und Gaszuführung benutzt werden. Er empfiehlt ferner einen breiten, schalen artigen Ofenquerschnitt, welcher die Anlage mehrerer Sohlenkanäle gestattet, für die Wandheizung durch starke Neigung der Wände und geringe Wandstärke angeblich guten Erfolg sichert und bei welchem auſserdem die Sohle mit den Seitenwänden durch Curven von möglichst groſsem Krümmungsradius oder durch geneigte Flächen derart verbunden ist, daſs die einzelnen Anschluſswinkel mindestens 125° messen, wie im Querschnitte Fig. 1 Taf. 23 angedeutet ist. – Ob diese nicht gerade durch Einfachheit sich auszeichnende Construction den Erwartungen entspricht, ist fraglich.

In dem Kokesofen von R. de Soldenhoff in Louvain, Belgien (* D. R. P. Nr. 25824 vom 9. März 1883) sollen zur Erzielung von möglichst viel Theer die Kohlen einer allmählich steigenden Temperatur unterworfen werden. Jede Seitenwand der langen rechtwinkligen Kammern A und B (Fig. 2 bis 4 Taf. 23) enthält 4 Kanäle c, d, e und n. Der obere Kanal c steht mit dem Querzuge G in Verbindung, welche durch Register J abgesperrt werden kann, und ist durch eine Anzahl Löcher s mit der Kammer verbunden. Die Decke des mit regulirbarer Einlaſsöffnung l versehenen Luftkanales e sowie der Boden desselben bestehen zur Hälfte aus durchlöcherten Ziegeln, um die Luft in dünnen Strahlen einzuführen. Ist d mit dem Querzuge G verbunden, so gehen die Gase von c nach G, dann durch d und n nach dem Fuchse M, welcher sie in den Schornstein führt. Ist dagegen der Schieber J1 geschlossen, so geht der Ofen kalt, wobei man noch bei l kalte Luft eintreten lassen kann, um die Kanäle d, e und n abzukühlen. Auſserdem kann durch Oeffnungen o aus im Gewölbe der Kammern liegenden Kanälen Luft eingeführt werden.

Jeder Kanal c ist vorn mit einem Rohre P versehen, durch welches beim kalten Gange des Ofens die Gase in den Condensator R geführt werden; letzterer besteht aus einem eisernen, in einem Wassergefäſse vor dem Ofen geneigt gelagerten Rohre, an dessen unterem Ende ein Hahn den Theer und andere niedergeschlagene Flüssigkeiten abzuziehen gestattet, während die gasförmigen Theile nach dem Apparate V ziehen, in welchem das Ammoniak an Wasser gebunden wird. Die nicht condensirten kalten Gase gehen durch das Rohr X nach der Hinterseite des Ofens, von wo sie durch die regulirbaren Düsen y in den Kanal d eintreten und verbrennen. Das Beschicken der Kammern geschieht durch Sehächte S.

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Ist die Kammer A vom Zuge abgesperrt, so gehen die Gase von A durch. Rohr P in den Condensator R; die Kammer A geht kalt. Wird das Ventil v umgestellt (A1 mit R verbunden) und durch das Register J die Verbindung von A mit G bewirkt, somit A1 von G abgesperrt, so gehen die Gase durch die Kanäle c, d, e und K nach M und die Kammer A geht heiſs, A1 dagegen kalt. Das Register darf aber selbst beim Kaltgehen einer Kammer nicht vollständig geschlossen sein, um gehörigen Zug zu behalten. Sollte dadurch der Gang zu heiſs werden, so muſs man kalte Luft von auſsen einführen.

Die Arbeit findet mit dem Ofen in folgender Art statt: A geht heiſs, dann gehen B und A1 kalt, B1 und A2 heiſs und B2 kalt. Das Register J ist offen, die Gase von A gehen durch G zum gröſseren Theile in die Kanäle der linken Seitenwand von A, während ein kleiner Theil in die der rechten eintritt. Beide Gasströme vereinigen sich unter A im Kanale K, gehen in den Fuchs M und den Schornstein. Die Gase der heiſs gehenden Kammer Bi strömen durch G in die Kanäle der vierten Seiten wand (von links gerechnet), durch den Kanal K der Kammer A1 bezieh. K1 der Kammer B1 nach M. Ebenso strömen die Gase der heiſs gehenden Kammer A2 durch G in die Kanäle der fünften Seitenwand in den Kanal K der Kammer A2 und K1 der Kammer K2, von wo sie durch die Kanäle der linken Seitenwand von B2 nach M gelangen.

Es versteht sich, daſs die Kammern, welche heiſs gegangen sind, nach ihrer Leerung und frischen Besetzung mit Kohlen wieder mit Kaltgehen beginnen, während die übrigen, welche bis dahin kalt gingen, nun heiſs gehen.

J. Jameson in Newcastle-on-Tyne (* D. R. P. Nr. 24915 vom 24. Oktober 1882) will zur Erzeugung von Hartkokes unter gleichzeitiger Gewinnung der Nebenproducte in die Sohle des Kokesofens, z.B. des gewöhnlichen Bienenkorbofens A (Fig. 5 Taf. 23), Rohre D einführen. Der Ofen wird in üblicher Weise gefüllt; wenn die Entzündung oben stattgefunden hat, bewirkt er unten durch diese Röhren eine langsame Absaugung, so daſs ein Theil der entstehenden Destillationsproducte entfernt wird. Da dies die Wirkung hat, die Kokes an Güte zu verringern und weicher zu machen, leitet Jameson durch Rohrleitung g einen Theil des so abgesaugten Gases oder das ganze Gas und einen Theil oder den ganzen Kohlenwasserstoff des Theeres in einen ähnlichen, in weiter vorgeschrittenem Stadium der Verbrennung befindlichen Ofen, so daſs der Kohlenstoff des Gases sich in den Zwischenräumen der so behandelten Kokes ablagert und der Wasserstoff an der Oberfläche verbrennt oder entweicht.

Nach Jameson's Angabe können auch die Destillationsproducte mehr oder weniger vollständig abgesaugt und im Ganzen oder theilweise für jeden anderen Zweck, als den beschriebenen, angewendet werden, oder man kann auf irgend welche andere Weise erzeugte Kohlenwasserstoffe zur Bereicherung der Kokes mittels dieses Verfahrens verwenden, oder |285| das aus einem gewissen Kokesofen gewonnene Gas in einem Gasometer auffangen und später ganz oder zum Theile in denselben Ofen zurückführen, oder anstatt einen geringen Unterschied im Drucke in verschiedenen Theilen des Ofens herzustellen, so daſs die Bewegung des Gases in demselben durch Aussaugung von unten unterstützt wird, kann dieser geringe Unterschied im Drucke durch einen leichten Druck im oberen Theile des Ofens erzeugt werden, wobei gleichzeitig entsprechend Luft zugeführt wird, um die Verbrennung zu unterhalten. (Vgl. auch Jameson 1883 250 529.)

Zur Destillation schwer oder nicht verkokbarer Stoffe will J. Jameson (* D. R. P. Nr. 25676 vom 1. Juni 1883) dieselben von oben erhitzen und die Destillationsproducte unten absaugen. Dadurch soll es möglich sein, in einem Apparate billiger und einfacher Form aus solchen Materialien, wie Schiefer, Kleinkohle oder Kohlenzechenabfällen, welche zur Kokeserzeugung nicht verwendbar sind, oder von Stoffen, wie Sägespänen, Torf u. dgl., welche der trockenen Destillation bisher nicht unterworfen wurden, Destillationsproducte zu gewinnen. Wenn es vortheilhaft erscheinen sollte, den Prozeſs durch Erzielung einer gröſseren Hitze oder in anderer Weise zu unterstützen, so mischt man das zu behandelnde Material mit einer entsprechenden Menge Kohle. Das Verfahren soll auch anwendbar sein zur Gewinnung der flüchtigen Producte bei der Röstung von Erzen, ferner für die Gewinnung von verhältniſsmäſsig reiner Kohlensäure aus Kalkstein oder zur Sublimirung. Der Grad der Saugwirkung wird in allen Fällen je nach dem zu behandelnden Materiale und dem zu erzielenden Resultate geregelt.

Der Beschickungsraum A (Fig. 6 und 7 Taf. 23) ist mit einer Thür f für das Einbringen des zu behandelnden Materials versehen; in der feuerfesten Herdsohle dieses Raumes liegen mit gelochten Platten bedeckte Kanäle b, welche sämmtlich in das zu einem Saug- und einem Condensirapparate führende Rohr c einmünden. Die vor dem Beschickungsraume A angeordnete Feuerung d ist durch eine Brücke e von ersterem getrennt, so daſs die Heizgase unter der Ofendecke hinweg über das zu behandelnde Material fortstreichen und durch Abzugskanäle g in den Schornstein gelangen.

H. Hutchinson in London (Englisches Patent Nr. 2843 vom 7. Juni 1883) will dadurch harte Kokes und an Benzol reichen Theer, welche rasche Temperatursteigerung erfordern, oder bei langsamer Verkokung weiche Kokes und an Paraffin reichen Theer erhalten, daſs er bei dem gewöhnlichen Kokesofen Kanäle anbringt, durch welche zur Beschleunigung der Verkokung vorgewärmte Luft eingetrieben werden kann. Fig. 10 Taf. 23 zeigt einen namentlich zur Erzeugung von Heizgas oder Leuchtgas bestimmten Ofen, durch dessen mittleres Rohr A überhitzter Wasserdampf eingetrieben wird.

Der von F. Hornig in Dresden (* D. R. P. Nr. 23 670 vom 18. Februar |286| 1883) angegebene Scrubber zur Gewinnung von Theer und Ammoniak bei der Kokesbereitung besteht aus einem cylindrischen Gefäſse A (Fig. 8 und 9 Taf. 23), in welches das zu waschende Gas durch den Rohrstutzen B eintritt. Der Austritt des Gases erfolgt durch das in der Mitte des Scrubber in die Höhe bis nahe an die Decke gehende Ausgangsrohr C. Zwischen diesem Ausgangsrohre und dem Gefäſse A sind die Bleche D derart angeordnet, daſs dieselben ein- oder mehrgängige Schraubenwindungen bilden. In der Zeichnung sind beispielsweise dreigängige Schrauben Windungen dargestellt. Während nun das bei B eintretende Gas, um zum Ausgangsrohre C zu gelangen, alle diese Schraubenwindungen durchlaufen muſs, strömt von oben herab auf die Bleche D Ammoniakwasser oder reines Wasser und läuft auf diesen nach unten dem Gasstrome entgegen. Durch die innige Berührung des Wassers mit dem Gase auf dem durch die Schraubenwindungen sehr lang gezogenen Wege wird dem Gase das beigemengte Ammoniak entzogen und in das Wasser übergeführt. Das Einbringen des Wassers erfolgt durch die in die Scrubberdecke eingeschraubten Einlaufe E oder durch bekannte Einspritzvorrichtungen o. dgl. Der Ablauf des sich am Boden des Scrubbers ansammelnden Wassers erfolgt dagegen in bekannter Art durch den Topf F.

F. P. Dewey berichtet im Iron, 1883 Bd. 22 S. 376 über Untersuchung der Porosität und das specifische Gewicht von Kokes. Verfasser hält die Porosität der Kokes als wesentlich für den Hüttenbetrieb, da hierdurch die rasche Verbrennlichkeit vor den Formen, die hohe Temperatur und die Entwickelung der nöthigen Wärmemenge im Gestelle bedingt werde. Diese Porosität findet ihre Grenzen in der Widerstandsfähigkeit der Zellenwandungen gegen den Druck der Beschickung. Zur Bestimmung derselben wurde auf den Vorschlag von T. St. Hunt eine Anzahl 20 bis 408 schwerer Stücke abgewogen, zur Bestimmung des Wassergehaltes bei 100° getrocknet und gewogen; dann wurden sie 12 bis 24 Stunden in Wasser gelegt, hierauf unter die Glocke einer Luftpumpe gebracht, nun abwechselnd einige Male das Wasser zum Sieden erhitzt und die Luft ausgepumpt. Darauf wurden die Stücke einmal unter Wasser, dann nach dem Abtropfen an der Luft gewogen. 12 Kokesproben, in Bienenkorböfen hergestellt, hatten so ein wirkliches specifisches Gewicht von 1,49 bis 1,83, ein scheinbares Eigengewicht von 0,71 bis 0,93, somit 43 bis 61 Proc. Poren.

Da es auf diese Weise nicht möglich ist, die Luft völlig auszutreiben, so sind diese Zahlen nur als annähernde zu betrachten.

F.

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