Titel: G. F. Deacon's neuer selbstregistrirender Wassermesser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252 (S. 349–357)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/ar252127

G. F. Deacon's neuer selbstregistrirender Wassermesser.

Mit Abbildungen im Texte und auf Tafel 28.

Es ist eine bekannte Thatsache, daſs insbesondere in gröſseren Städten die Rohrnetze der Wasserleitungen mehr und mehr undicht werden; veranlaſst ist dieser beklagenswerthe Umstand einestheils durch den Gebrauch der Wasservertheilungseinrichtungen, hauptsächlich der Privatleitungen, anderentheils durch die Unsicherheit der Unterlage für die Röhren, welche durch Aufgrabungen aller Art fort und fort gelockert wird. Durch solche Undichtigkeiten entstehen Wasserverluste von zweierlei Art: sichtbare und unsichtbare. Die sichtbaren befinden sich meistens an den Hausleitungen, herbeigeführt durch undichte Hähne u. dgl.; die unsichtbaren sind unter dem Boden und entweder durch undichte Muffen und Flanschen, oder durch Fehler an den Röhren veranlaſst. Bedenkt man, daſs die Rohrnetze in der Regel einer andauernden Pressung von etwa 3at ausgesetzt sind und daſs unter dieser Pressung durch eine Oeffnung von der Gröſse eines Nadelöhres etwa 1cbm Wasser im Tage entweicht, so wird man begreifen, zu welcher beträchtlichen Höhe sich in schlecht erhaltenen Rohrnetzen die Wasserverluste durch Undichtigkeiten erheben können.

Um diese Wasserverluste durch Undichtigkeiten zu vermindern, sind bis jetzt hauptsächlich 3 Methoden angewendet: Man hat in erster Linie die Wasserversorgung intermittirend gemacht, d.h. statt zu jeder Zeit Wasser abzugeben, die Abgabe auf eine bestimmte und meist sehr kurze Zeitdauer beschränkt. Die Abnehmer haben in diesem Falle Hausbehälter, welche zu Zeiten der Wasserabgabe gefüllt werden, um für die Zeit der Unterbrechung der öffentlichen Versorgung vorzuhalten. Es ist klar, daſs, wenn ein Rohrnetz statt 24 Stunden nur 2 oder 3 Stunden unter hohem Drucke steht, die Entweichungen an Wasser durch Undichtigkeiten 12 bis 8 mal geringer werden. Diese Art der Wasservertheilung hat jedoch so viele hygienische und andere Nachtheile, daſs sie sich nur in wenigen Städten des Festlandes (bei uns z.B. in Hamburg) zu erhalten vermag. Der zweite Weg, diesen Verlusten zu entgehen, besteht darin, alle vorhandenen Leitungen u. dgl. herauszunehmen und durch ganz neue bester Construction zu ersetzen. Hat man dadurch den gewünschten Vortheil auch für den Augenblick erreicht, so ist damit |350| noch lange nicht gesagt, daſs für alle Zukunft den Uebelständen abgeholfen sei. Es werden vielmehr mit der Zeit die alten Mängel wiederkehren, da auch die besten Constructionen dem Verschleiſse unterliegen. Die dritte Methode, welche am häufigsten zur Anwendung kommt und auch als das zweckmäſsigste Verfahren bezeichnet werden muſs, ist die der Aufsuchung der vorhandenen Undichtigkeiten und die Abstellung derselben; sie verursacht jedoch bei einem sehr ausgedehnten Rohrnetze groſse Schwierigkeiten und Kosten, da man die sichtbaren Fehler von Haus zu Haus ermitteln und die Wasserabnehmer zu deren Behebung zwingen muſs und hinsichtlich der Auffindung von unsichtbaren Undichtigkeiten (Leckagen) seither auf sehr primitive Mittel beschränkt war. (Vgl. Muchall * S. 191 d. Bd.)

Es ist das Verdienst des Direktors der Liverpooler Wasserwerke G. F. Deacon, nach dieser Richtung hin durch den von ihm construirten Wassermesser dem Wasserwerksbetriebe eine groſse Erleichterung verschafft zu haben, wie aus folgendem Berichte nach dem Génie civil, 1883/4 Bd. 4 S. 309 näher hervorgehen wird.

Im J. 1865 war das in Liverpool angenommene Versorgungssystem ein gemischtes; ein Theil der Abnehmer wurde zeitweise, der andere Theil ohne Unterbrechung mit Wasser versehen. Für die Beaufsichtigung der Hausleitungen kam im J. 1865 ein Inspector auf 110000 Einwohner; 1871 konnte ein derartiger Angestellter nur noch einen Bezirk von 43000, im J. 1872 nur noch einen solchen von 36000 Einwohnern bewältigen. Dabei kam das Prinzip der zeitweisen Versorgung mit wachsender Strenge zur Anwendung und man beschränkte die Wasserabgabe auf 9 Stunden im Tage. Trotz aller dieser Vorkehrungen wuchs der Wasserbedarf in einer Weise an, daſs man nach Lage der Dinge mit Bestimmtheit das Eintreten von Wassermangel in trockenen Zeiten vorhersehen konnte. In dieser Bedrängniſs stellte die Wasserwerksgesellschaft von Liverpool beim Parlamente den Antrag auf Ermächtigung zur zwangsweisen Umlegung des Rohrnetzes und Ersatz durch ein vollständig neues. Die nachgesuchte Ermächtigung wurde jedoch nicht ertheilt. Dadurch ist die Gesellschaft gezwungen worden, die Ursachen der Wasserverluste genau zu studiren und ein Verfahren aufzusuchen, mittels dessen man die Hauptveranlassungen dieser Verluste rasch beseitigen konnte.

Zunächst wurde mit groſsem Aufwände in einem Bezirke von etwa 31000 Einwohnern eine genaue Ermittelung des Wasserverbrauches vorgenommen. Man erhielt folgende Resultate für Kopf und Tag:

1) Nach vorgenommener Prüfung von Haus zu Haus, jedoch vor Be-
seitigung aller sichtbaren Wasserverluste, betrug der Verbrauch

152l
2) Bei Einführung der zeitweisen Versorgung, 9,5 Stunden im Tage 89
3) Nach genauer Aufsuchung und Ausbesserung aller Undichtigkeiten
(sämmtliche Inspectoren von Liverpool kamen hierbei in Ver-
wendung), ebenso nach Auswechslung aller Ventile u. dgl. m. bei
ununterbrochener Versorgung



61
|351|

Durch diese sehr kostspielige, mit Hilfe von 14 Wassermessern angestellte Beobachtung überzeugte man sich, daſs die geplante Erneuerung sämmtlicher Leitungen eine ungerechtfertigte Verschwendung wäre, indem im Allgemeinen die Rohrleitungen noch nicht schlecht waren und die vorhandenen Undichtigkeiten mit unbedeutendem Aufwände verstopft werden konnten. Man ging also an eine durchgreifende Untersuchung der Leitungen.

Das seit langer Zeit bekannte Verfahren, einen Leck an dem Geräusche, welches von der Leckstelle durch das Rohr weiter getragen wird und dem Ohre wahrnehmbar ist, zu erkennen, diente auch im vorliegenden Falle zur Auffindung der Undichtigkeiten. Dieses Verfahren führt jedoch nur dann zum Ziele, wenn vollständige Stille herrscht, was in groſsen Städten nur während der Nachtstunden der Fall ist. Die Inspectoren wurden deshalb mit einem Hörrohre und einem Apparate, um zu den metallischen Oberflächen der Leitungen zu gelangen, ausgerüstet und, statt daſs man dieselben wie seither am Tage von Haus zu Haus nachsehen lieſs, zur Auffindung der Undichtigkeiten während der Nacht verwendet. Auf der anderen Seite war ein Apparat zur Eintragung der Ergebnisse nöthig, welcher unabhängig von den Inspectoren arbeitete, etwa wie eine Wächtercontroluhr. Einen solchen Apparat hat nun G. F. Deacon erfunden.

Der in Fig. 1 Taf. 28 im Längenschnitte gezeichnete Deacon'sche Wassermesser1) ist so construirt, daſs die gesammte, einem Bezirke von 1000 bis 4000 Einwohnern zuströmende Wassermenge denselben durchflieſsen kann, ohne einen fühlbaren Druckverlust zu verursachen. Der Apparat wird an einer Stelle in die Zuleitung eingeschaltet, an welcher der Straſsenverkehr den Zugang zu demselben nicht stört, oder man verlegt zu diesem Zwecke die Hauptleitung nach dem Fuſssteige.

Das Wasser durchflieſst im Apparate eine Büchse von Bronze mit senkrechter Achse, welche oben von gleicher Licht weite wie die Rohrleitung ist, nach unten hin aber sich kegelförmig erweitert. In dieser Büchse bewegt sich ein wagerechter Bronzeteller, verbunden mit einer |352| zu demselben concentrischen hohlen Führungsstange, welche in einem Messingrohre senkrecht gehalten ist und sich leicht in demselben auf- und abbewegen kann. An dem oberen Ende dieser den Teller tragenden Führungsstange ist ein feiner Metallfaden befestigt, welcher zwischen zwei Reinigungspfropfen von Phosphorbronze durchgeht und sodann aus der Wasserkammer in den wasserfreien, oberhalb derselben befindlichen Kaum eintritt. Von dem Zwischenräume zwischen den beiden Reinigungspfropfen geht ein Röhrchen E für den Wasserabfluſs in die Erde, um die Zusickerung, welche längs des Metallfadens an dem unteren Pfropfen erfolgen könnte, abzuführen bezieh. von dem Eintritte in die Luftkammer abzuhalten. In der Luftkammer ist der Faden an einem kleinen Wagen befestigt, welcher senkrecht geführt ist und einen Schreibstift aus Metall trägt. Dieser Wagen wird sodann durch einen zweiten Metallfaden, welcher über eine Rolle läuft und ein Gegengewicht trägt, schwebend erhalten. Das Gegengewicht ist schwerer als die dem ersten Metallfaden anhängende Last, so daſs, wenn kein Wasserdurchfluſs stattfindet, der Teller sich an dem oberen Theile der conischen Büchse in der Lage CD festsetzt. Sobald sich nun ein Durchfluſs entwickelt, empfängt der Teller eine Pressung von oben nach unten und das Wasser tritt zwischen demselben und der Innenfläche des Hohlkegels durch. Teller, Wagen und Schreibstift kommen in eine Gleichgewichtslage, sobald die von oben nach unten gerichtete Pressung, welche der lebendigen Kraft des durchströmenden Wassers entspricht, gleich wird der von unten nach oben wirksamen Gegenkraft, bestehend in dem Gewichtsüberschusse des Gegengewichtes über den Kolben nebst Zubehör. Es gibt mithin für jede gegebene Durchfluſsgeschwindigkeit eine gegebene Stellung des Schreibstiftes über der Null-Linie, für welch letztere sich der Teller in der Lage CD befindet.

Vor dem Stifte dreht sich eine durch ein Uhrwerk getriebene Trommel, auf welcher ein bedrucktes Papier befestigt ist, dessen Null-Linie genau eingestellt wird. Die Trommel macht in 24 Stunden eine ganze Umdrehung, so daſs also die Zeiteintheilung proportional dem Umfange des Papierstreifens bezieh. der Länge des abgewickelten Blattes erfolgen kann. Die Lage des Stiftes zu einer bestimmten Zeit ergibt deshalb einen Maſsstab für die zu dieser Zeit durch den Apparat flieſsende Wassermenge und die letztere kann durch Versuche auf dem Wege direkter Messung festgestellt und für gewisse bestimmte Durchfluſsmengen durch Horizontallinien auf dem über die Trommel gespannten Papiere gekennzeichnet werden. Man erhält hieraus ein Diagramm, auf welchem die Zeit als Abscisse, die entsprechende Wassermenge als Ordinate gemessen ist.

Das beigegebene Diagramm verdeutlicht den ganzen Vorgang, indem es die verschiedenen praktisch vorkommenden Fälle graphisch darstellt und den Wasserverbrauch eines Bezirkes von 1933 Einwohnern zeigt.

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Textabbildung Bd. 252, S. 353

In diesem Bezirke entweichen durch verborgene Undichtigkeiten in der Stunde 800 Gallonen (3635l) oder 9,9 Gallonen (44l,9) für Kopf und Tag. Die sichtbaren Wasserverluste (hauptsächlich Undichtigkeiten an Auslaufhähnen u. dgl.) ergaben eine Wassermenge von 400 Gallonen (1817l) oder von 5 Gallonen (22l,7) für Kopf und Tag. Auf dem Diagramme sind die ersteren durch das untere (heller schraffirte) Rechteck mit der 800 Gallonen entsprechenden Ordinate dargestellt, die letzteren durch das zwischen der 800 und 1200 Gallonen-Ordinate liegende kreuzweise schraffirte Rechteck, da man, die Pressung im Rohrnetze als annähernd constant voraussetzend, die durch die Lecke entweichende Wassermenge ebenfalls als nahezu constant annehmen darf. Beide Flächen weisen einen Verlust von 1200 Gallonen (5452l) in der Stunde oder von 14,9 Gallonen (67l,7) für Kopf und Tag nach. Der nützliche Verbrauch in den 360 Häusern, welche diesen Bezirk zusammensetzen, gibt sich als unregelmäſsiger und wechselnder Durchfluſs in dem Diagramme kund. So oft sich ein Auslaufhahn öffnet, zeigt das Diagramm eine gröſsere, so oft er geschlossen wird, eine kleinere Ordinate. Man bemerkt dabei einen wesentlichen Unterschied in dem Falle, in welchem zwischen |354| der Hauptleitung und den Auslaufstellen ein Sammelbehälter eingeschaltet ist oder nicht. Wenn der Auslaufhahn unmittelbar gespeist wird, stellt das Diagramm ein Rechteck vor, dessen senkrechte Seiten zwei Abscissen entsprechen, aus deren Differenz die Dauer des Auslaufes sowie der Augenblick der Oeffnung und des Schlusses hervorgehen; die Höhe ergibt den stündlichen Verbrauch (in Gallonen), welche dem Oeffnen des Hahnes gleichkommt. Ein solches Rechteck ist z.B. zwischen den Abscissen 3 Uhr 32 Min. und 3 Uhr 37 Min. Morgens ersichtlich. Ist dagegen ein Zwischenbehälter vorhanden, so wird bei der Oeffnung eines Hahnes durch das Diagramm die plötzliche Oeffnung und der allmähliche Schluſs des Schwimmerventiles im Behälter dargestellt; das Diagramm nimmt in diesem Falle die Gestalt eines krummseitigen Dreieckes an, wobei die Curve den allmählichen Verlauf der Behälterfüllung darstellt. Ein solches Beispiel bietet das vorliegende Diagramm zwischen 4 Uhr 17 Min. und 4 Uhr 35 Min. Morgens.

Die durch das Diagramm gegebenen Flächen sind deshalb dreierlei Art: stetiger Auslauf, verursacht durch die Undichtigkeiten; gleichmäſsiger Auslauf von kurzer Dauer, hervorgerufen durch die Oeffnung eines Hahnes, welcher direkt aus dem Zuleitungsrohre entnimmt; Auslauf mittels eines Zwischenbehälters, welcher in der Zuleitung sofort mit der Oeffnung des Schwimmerventiles einen Durchfluſs bedingt, der im Anfange am gröſsten ist und sich nach und nach verringert.2) Durch diese verschiedenartigen Entnahmen erhält das Diagramm in seiner oberen Begrenzung einen sehr unregelmäſsigen Verlauf. Von Mittags bis 10 Uhr 50 Min. Abends ergibt sich neben dem andauernden Verluste durch Undichtigkeiten ein von Minute zu Minute wechselnder Verbrauch, doch immerhin für kleinere Zwischenräume von nahezu gleichem Durchschnitt; zwischen 10 Uhr 50 Min. Abends und Mitternacht dagegen nimmt die nützliche Wasserentnahme sehr rasch ab. Von Mitternacht bis 3 Uhr Morgens ist ersichtlich, wie sich allmählich die Schwimmkugelhähne der Hauswasserbehälter schlieſsen; von 3 Uhr bis 4 Uhr 45 Min. zeigt eine wagrechte Linie den einzig von den Wasserverlusten herrührenden Auslauf, nur durch 5 direkte Entnahmen und 4 Entleerungen in Zwischenbehälter unterbrochen. In Ausnahmefallen, z.B. bei Ausbruch eines Brandes, wobei die Leitung eine die normale Bedarfsziffer bedeutend übersteigende Wassermenge durchflieſsen läſst, senkt sich der Teller in die Lage AB (vgl. Fig. 1 Taf. 28) herab; der Durchfluſsquerschnitt ist sodann gleich groſs wie bei jedem anderen Theile der Leitung und der Druckverlust wird unbedeutend.

Nachdem hiermit der Deacon'sche Wassermeſsapparat und seine Wirkungsweise erklärt ist, erübrigt noch, zu erläutern, welche Vortheile |355| derselbe bei der Aufsuchung und Verstopfung von Undichtigkeiten eines Rohrnetzes bietet. Um dies kürzer fassen zu können, sei als Beispiel das fehlerhafte Rohrnetz einer Stadt von 100000 Einwohnern vorausgesetzt und auf dieses die Deacon'sche Untersuchungsmethode angewendet.

Man wird vor Allem das Versorgungsgebiet in eine bestimmte Anzahl Bezirke, von welchen jeder seinen eigenen Wassermesser hat, eintheilen. Die Zahl dieser Bezirke, welche von der allgemeinen Anlage des Rohrnetzes abhängen wird, dürfte sich auf etwa 50 bis 60 belaufen; für die Beaufsichtigung bedarf man mindestens 3 Inspectoren. Man bringt sodann die Wassermesser an und setzt, wenn dies nicht schon geschehen sein sollte, vor jede einzelne Hauszuleitung ein Absperrventil oder einen Schieber. Einer der Inspectoren legt um die Trommeln der Wassermeſsapparate die Diagrammpapierblätter (er vermag etwa 30 im Tage umzulegen) und bringt gleichviel beschriebene Diagramme, welche er abgelöst hat, auf das Bureau. Einige Tage nach der Ingangsetzung der Untersuchung besitzt sodann der Betriebsleiter 60 Diagramme, auf welche ein Gehilfe das hervorgehende Ergebniſs für den Durchfluſs in der Stande bezieh. in Gallonen oder Liter für Kopf und Tag an hervorragender Stelle einschreibt.

Aus diesen Diagrammen ergibt sich nun z.B. die auffallende Thatsache, daſs 10 der 60 Bezirke etwa 5mal mehr Wasser bedürfen als die anderen und zwar ohne auffallenden Grund, da die Vertheilungseinrichtungen sowohl, als die Verbrauchsbedingungen in dem einen wie in dem anderen die gleichen sind. Der Betriebsleiter wird nun seine Hauptaufmerksamkeit auf die 10 Bezirke richten, welche das meiste Wasser verbrauchen; beim ungünstigsten wird eiserne die Sachlage aufklärenden Maſsnahmen beginnen. Zwei Inspectoren werden zu den Nachtbeobachtungen verwendet; man gibt ihnen zu diesem Zwecke (in Liverpool wenigstens ist dies der Fall) einen kleinen Plan des Bezirkes mit, damit sie kein Haus auslassen und ihre Untersuchungen auf die diesen Theil zusammensetzende Häusergruppe beschränken. Gegen Mitternacht beginnt ihre Thätigkeit; sie behören der Reihe nach jedes Absperrventil (oder Schieber), indem sie sich der Schlüsselstange als Schallleiter bedienen. Jedes Ventil, durch welches man Wasser flieſsen hört, wird sodann geschlossen und die Nummer des Ventiles (Hauses) und genau der Augenblick des Abschlusses vorgemerkt; diesen Abschluſs und den bestimmten Augenblick, in welchem derselbe geschah, hat der auf der Hauptzuleitung zum Bezirke sitzende Wassermesser aufgezeichnet, unabhängig von der Notiz des Nacht-Inspectors.

Auf dem Fuſswege, in welchem diese Absperrventile sitzen, wird sodann mit Kreide ein Zeichen gemacht. Dauert das Geräusch nach dem Abschlüsse fort, so ist offenbar noch ein Leck zwischen der Hauptleitung und dem Absperrventile vorhanden; in solchem Falle wird jedoch das Rauschen an mehreren Ventilen wahrgenommen und man schlieſst in der Regel nach der Stärke desselben auf die Leckstelle. Man behört nachher verschiedene Stellen von Fuſsweg und Fahrstraſse, bis man den Punkt findet, an welchem das Geräusch am stärksten ist; ein neues Kreidezeichen wird sodann selten verfehlen, die Stelle eines undichten Muffes oder eines schadhaften Rohres dem Tag-Inspector anzugeben, welcher in der Frühe, begleitet von einem Arbeiter, den Bezirk abgeht.

In der Zeit von 2 bis 4 Uhr Morgens ist der Umgang beendigt und die Nacht-Inspectoren sind in die Nähe des Wassermessers zurückgekehrt; sie schlieſsen alsdann den Schieber der Hauptleitung und belassen ihn einige Minuten im geschlossenen Zustande; nachher öffnen sie denselben wieder und des Weiteren der Reihe nach alle Absperrventile, welche sie nach den Kreidemarken leicht wieder finden können. Endlich kehren sie zum Nacht-Bureau zurück, um mit Abklatschtinte in ein besonderes Formular alle Einzelheiten ihrer Beobachtungen auf dem Nachtgange aufzuschreiben. Eine andere, weniger häufig angenommene Untersuchungsart, die nur in jenen Fällen, in welchen der Wasserverlust schon bedeutend herabgemindert ist, zur Anwendung kommt, besteht darin, alle Schieber zu schlieſsen, ohne sie zu behören. Auf dem Rückwege |356| öffnet und behört man sodann einen nach dem anderen; hierdurch werden die kleinen, von den Schwimmkugel-Behältern herrührenden Wasserverluste aufgeklärt.

Am gleichen Morgen um 9 Uhr erhält der Tag-Inspector einen Abklatsch des Berichtes vom Nacht-Inspector. Er untersucht sodann die bezeichneten Stellen auf die sichtbaren und unsichtbaren Wasserverluste und kann, weil er nur dort besichtigt, wo wirkliche Fehler vorliegen, in einem Tage mehr erreichen, als er mit der Besichtigung von Haus zu Haus in Wochen erreicht hätte. In der Regel schreibt er sodann Nachmittags mit rother Tinte die Ergebnisse seiner Untersuchungen in den Bericht des Nacht-Inspectors. Am gleichen Tage empfängt der Betriebsleiter oder dessen Gehilfe das Diagramm, welches von dem Wassermesser des bei dem Nachtrundgange untersuchten Bezirkes abgenommen wurde, und prüft dasselbe. Er sieht daraus, welche Zeit die Untersuchung des Nacht-Inspectors in Anspruch genommen hat; er erkennt ferner alle entdeckten Wasserverluste auch im Diagramme und einen Monat später zeigt ihm ein neueres Diagramm die Erfolge der auf die Behebung der entdeckten Lecke gerichteten Thätigkeit des Tag-Inspectors.

Verglichen mit dem heute noch bei uns üblichen Verfahren der Untersuchung von Haus zu Haus, ersieht man, daſs die groſsen Erfolge der Methode Deacon's in 3 Dingen zu erkennen sind: 1) Die Inspectoren werden nur in jenen Bezirken beschäftigt, in welchen die gröſsten Wasserverluste beobachtet werden. 2) Die Zeit, welche für die Entdeckung dieser Verluste aufzuwenden ist, ist sehr beträchtlich vermindert. 3) Die verborgenen Wasserverluste sind ebenso leicht zu finden wie die sichtbaren und die Thätigkeit der mit der Aufsuchung beauftragten Beamten ist durch den Wassermesser bestens controlirt.

Das beschriebene Verfahren ist in England thatsächlich auf Bezirke angewendet, deren Gesammtbevölkerung sich auf mehr als 1½ Millionen beziffert; überall fand man, daſs der Aufwand im Vergleiche mit den erzielten ökonomischen Vortheilen unbedeutend war und sich in 6 bis 12 Monaten durch das für den nützlichen Verbrauch zurückgewonnene Wasser reichlich bezahlte.

Schlieſslich sei noch der Maſsnahmen gedacht, welche in Liverpool getroffen werden, um die Beseitigung der Fehler so vollkommen und nachhaltig als möglich zu machen. Wenn man sich entschieden hat, ein Rohr oder einen Maschinentheil (Hahn, Schieber, Schwimmkugelventil o. dgl.) auszuwechseln, so wählt man als Ersatz stets das Beste, was es gibt, und das Verlegen wie die Zusammenstellung geschieht mit der gröſsten Sorgfalt. Trotzdem wird jede Ausbesserung oder Neueinrichtung nach Fertigstellung nochmals genau untersucht und einer Probepressung unterworfen, wobei sich manchmal an den Apparaten der angesehensten Fabriken Mängel nachweisen lassen. Es dürfen nur solche Rohrleger, welche sich unterschriftlich zur Einhaltung der von der Wasserwerksgesellschaft aufgestellten Vorschriften und Constructionstypen verpflichtet haben, Arbeiten ausführen; ferner darf kein Stück verlegt werden, welches nicht von der Gesellschaft geprüft und mit dem Zulassungsstempel versehen ist. Mit der Prüfung und Abstempelung der Einrichtungsgegenstände ist ein besonderer Beamter betraut.

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Aehnliche Vorschriften bestehen zwar auch bei uns- allein man wendet noch lange nicht jene Sorgfalt bei den Hausanlagen an, wie sie angesichts des beträchtlichen Schadens, welcher durch die Wasserverluste erwächst, angezeigt wäre. Auch sind unsere Einrichtungen erst ein Jahrzehnt, wenige darüber, im Gebrauche. Mit zunehmendem Alter werden sich bei uns ähnliche Miſsstände wie in England zeigen und dann dürfte der Deacon'sche Wassermesser und die damit verbundene Untersuchungsmethode geradezu unentbehrlich sein.

O. L.

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Der Grundgedanke der Deacon'schen Construction, die durchflieſsende Wassermenge nach der Oeffnung eines veränderlichen Durchgangsquerschnittes zu bemessen, wurde schon von E. A. Chameroy in Paris (vgl. 1869 193 * 185) bei einem Wasser-Registrirapparate benutzt, welcher auch die kegelförmige Durchfluſsbüchse und eine in derselben spielende Ventilscheibe, nur in umgekehrter Ausführung zeigt. Der Wassermesser von G. F. Deacon erschien in zunächst noch unvollkommener Gestalt 4 Jahre später (Englisches Patent Nr. 907 vom 13. März 1873) mit Hebel und Feder zur Aufnahme des Druckes auf den Ventilteller und wurde dann nach und nach durch Ersatz der Feder durch ein Gewicht (Englisches Patent Nr. 4064 vom 29. December 1873) und durch verschiedene andere, eine Erhöhung der Betriebssicherheit bezweckende Verbesserungen (Englisches Patent Nr. 50 vom 5. Januar 1875) vervollkommnet. Eine Beschreibung des letzteren Apparates, welcher jedoch von der neuesten, oben besprochenen Einrichtung weit übertroffen ist, findet sich in den Annales des Ponts et Chaussées, 1876 Bd. 2 S. 191.

|354|

Ständig laufende Brunnen, wie dieselben bei uns vielfach vorkommen, scheint man in Liverpool nicht zu kennen.

L.

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