Titel: Wernigh's Spannapparat für Tauereiseile.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252 (S. 495–497)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/ar252185

W. Wernigh's Einleitung und Abführung des Betriebsseiles bei Drahtseildampfern.

Mit Abbildungen auf Tafel 36.

Der in Fig. 14 und 15 Taf. 36 dargestellte Apparat zur Einleitung und Abführung des Betriebsseiles für Drahtseildampfer besteht aus einer Seilscheibe b und zwei Druckrollen c und g. Das Betriebskabel wird durch das Eigengewicht der letzteren in die Rille dieser Seilscheibe b so eingeführt, daſs dasselbe je nach dessen gröſserer oder geringerer Spannung einen entsprechenden Bogen der Seilscheibe umfaſst. Die Seilscheibe b sowohl, als auch die Druckrolle c werden durch Zahnräder von der Maschine aus in Bewegung gesetzt. Die Rille der Seilscheibe b und der Druckrolle c kann keilförmig, gewellt, mit Klappen (Fowler'sche |496| Trommel vgl. 1870 195 * 20 oder Kelsey 1870 197 * 3 bez. 1872 206 * 342), eingerichtet werden, oder eine beliebige andere Construction erhalten. Wegen der beim Betriebe von Tauerei vorkommenden Verbiegungen des Kabels durch Anker, Schricks o. dgl. und auch mit Rücksicht auf die groſse Fahrgeschwindigkeit, namentlich bei der Thalfahrt, ist eine Seilscheibe mit wellenförmiger Rille (vgl. F. J. Mayer und W. Wernigh 1880 235 241) hierzu besonders geeignet. Die Druckrolle c ist an einem Doppelhebel ef (Fig. 14) gelagert, an dessen Ende ein Gegengewicht d angebracht ist, welches das Eigengewicht dieser Druckrolle theilweise ausgleicht.

Damit der Apparat bei gespanntem Kabel selbstthätig auſser Wirksamkeit gesetzt wird, ist die Druckrolle g mit dem Gegengewichtshebel f der Druckrolle c verbunden, und zwar durch die Zugstangen h, k und den Doppelhebel i. Sobald eine Spannung im Kabel eintritt, welche gröſser ist, als es die Abführung des Kabels von den die Zugkraft übertragenden Hauptseilrollen, welche wie üblich nahe der Mitte des Schiffes angebracht sind, verlangt, wird die Druckrolle g durch das gespannte Kabel mit in die Höhe genommen, wie Fig. 15 zeigt, und alsdann durch das oben beschriebene Hebel werk auch die Druckrolle c vom Kabel abgehoben und das letztere kann aus der Rille der Seilscheibe b frei heraustreten.

Das Kabel wird bei eintretender erhöhter Seilspannung nur von der Druckrolle g und den vorderen wagerechten und senkrechten Einleitrollen l und m berührt und ist daher der Apparat selbst in diesem Falle vollständig auſser Thätigkeit gesetzt. Es finden daher weder unnöthige Abnutzungen des Kabels, noch der Seilscheibe oder der Druckrollenrille statt.

Der beschriebene Apparat kann sowohl zur Einleitung des Betriebskabels am vorderen Ende des Tauers, als auch zur Erzielung der nöthigen Endspannung und Abführung des Kabels am hinteren Ende desselben verwendet werden; auch ist bei Aenderung der Fahrrichtung des Seilschiffes eine Mithilfe des Schiffspersonales bei dieser Einrichtung nicht erforderlich.

Bei Anwendung der Seilscheibe mit wellenförmiger Rille erhält die Druckrolle c eine tiefere Rille als die Scheibe b, so daſs das Erfassen des Kabels durch die wellenförmigen Ausbauchungen früher bewirkt und durch die gröſsere Umfangsgeschwindigkeit an dieser Stelle eine sichere Abführung des Kabels bei losem oder verbogenem Zustande desselben von der Seilscheibe b erzielt wird. Die Rollen m und l bezwecken die Führung des Betriebsseiles.

Die Seilscheibe b wird während der Abführung des Kabels durch eine Sperrradklinke, welche mit deren Achse fest verbunden ist, in Bewegung gesetzt, während bei der Einleitung des Kabels bei geringer Seilspannung (Thalfahrt) diese Klinke die zur Abführung nöthige Voreilung |497| desselben gegen die Umfangsgeschwindigkeit der Hauptseilrollen des Drahtseildampfers ausgleicht. Gleichzeitig erhält die Seilscheibe einen Reibungskranz, durch welchen die Voreilung auf das erforderliche Maſs beschränkt wird.

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