Titel: Formen zur Herstellung von Papier-Lampenschirmen und Plissés.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 5 (S. 44–45)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi01_5

Formen zur Herstellung von Papier-Lampenschirmen und Plissés.

Nach dem Bulletin d'Encouragement, 1883 Bd. 10 S. 405 werden in der Pariser Hausindustrie als Formen zur Herstellung der gewöhnlich gefalteten Lichtschirme zwei kreisrunde Scheiben Leinwand benutzt, zwischen welche jedesmal 4 bis 5 Blätter leicht angefeuchtetes Papier gelegt werden, das vorher auf den passenden Durchmesser ausgeschnitten ist. Jede dieser runden Scheiben ist wieder aus zwei Lagen hergestellt, zwischen welche kleine Cartonstücke neben einander aufgeklebt sind. Die Cartonstücke haben die Form von Dreiecken, Trapezen oder Rechtecken und sind regelmäſsig angeordnet, sowie es der Abwickelung der Seitenflächen des Schirmes auf eine Ebene entspricht; sie sind von einander durch kleine Zwischenräume von 1 bis 2mm Breite getrennt, so daſs es möglich ist, jedes Stück über das benachbarte wegzufalten.

Die Formen werden glatt auf einen Holzteller ausgebreitet und über diesen |45| so lange gespannt erhalten, bis man die Papierblätter hinein gelegt hat, welche zum Schirme umgeformt werden sollen. Man bindet die beiden runden Scheiben mittels der an ihren Rändern befestigten Schnüre zusammen, so daſs sie die Papierblätter zwischen sich fassen, und löst alsdann die Schleifen, welche sie gespannt erhielten. Indem sich die Leinwandscheiben zusammenziehen, um ihre gewöhnliche Faltung anzunehmen, fangen sie damit schon an, die Faltung des Schirmes anzuzeigen. Die Arbeiterin faltet sie vollends fertig, indem sie allmählich mit den Fingern die Seitenflächen der Formen über einander legt. Wenn sie so alle Theile zusammengefaltet hat, wobei sie innen anfängt und allmählich nach auſsen fortschreitet, wird die Form wiederum ausgebreitet und die Formhälften von einander gelöst.

Der Schirm ist ganz gefaltet und fast vollendet. Es bleibt nur noch übrig, ihn zu trocknen und die Ränder zu beschneiden. Eine Form läſst sich natürlich zur Herstellung einer sehr groſsen Anzahl von Schirmen verwenden. Mit ähnlich gestalteten Formen werden auch die venetianischen Laternen und sonstige Phantasieartikel hergestellt.

Textabbildung Bd. 252, S. 45

So z.B. sind die Formen zur Herstellung von Plissés, Rüschen u.s.w., wie sie jetzt an den Kleidern der Damen Mode sind, aus zwei langen Theilen gebildet, die sich zusammenschlagen lassen. Jede dieser symmetrisch zur Mittelachse gestalteten Formhälften besteht aus einer Reihe von parallelen, gleich weit von einander entfernt angeordneten Metallstreifen m, welche mit ihren Enden an Gewebestreifen s angeheftet sind. Die oberen Figuren zeigen die geöffneten, die unteren die zusammengeklappten Formen.

Textabbildung Bd. 252, S. 45

Der zu faltende Stoffstreifen wird zwischen die beiden zugeklappten Formtheile von der offenen Seite her eingeführt und dann werden die Falten dadurch gebildet, daſs man in passender Reihenfolge die Stäbchen der Form

über einander faltet. Bewegliche Gewichte, welche man auf die Formen stellt, halten die schon fertige Arbeit, bis man sie mittels einer Naht durch den Theil des Stoffes, welcher aus der Form hervorragt, fixirt hat.

Für den Gebrauch hat man nun sowohl Formen von verschiedenen Breiten, als auch Formen mit normal und solche mit schief gestellten Streifen, um schräge Falten zu erhalten, als auch normale und schiefe combinirt. Die Anwendung der Metallstäbchen gestattet auch, die steifsten Stoffe umzumodeln, denn sie lassen ein Befeuchten des Stoffes zu; das Trocknen erfolgt dann durch ein heiſses Bügeleisen, bevor man die Stoffe aus der Form herausnimmt.

E. M.

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