Titel: Die Lüftung von Wohnungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 6 (S. 45–46)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi01_6
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Die Lüftung von Wohnungen.

Die Hygiene des eigentlichen Wohnhauses liegt bekanntlich noch sehr im Argen; selbst die Ausstellung zu Berlin 1883 bot für die Lösung dieser wichtigen Frage auffallend wenig Vorschläge und erst in letzter Zeit versuchten in der technischen Literatur einige Stimmen Mittel und Wege anzugeben, um für gewöhnliche Wohnhäuser den hygienischen Anforderungen gerecht zu werden, deren Erfüllung bei groſsen öffentlichen Gebäuden als selbstverständlich erachtet wird.

So schlägt Keidel für die Lüftung von Wohnräumen in der Deutschen Bauzeitung, 1883 S. 566 vor, die Zimmer durch Wasserdruck-Ventilatoren zu lüften und zwar am besten in der Weise, daſs möglichst weit von einander entfernt zwei Gebläse, eines zum Absaugen der verdorbenen und eines zur Zuführung frischer Luft, aufgestellt werden; einer dieser Apparate muſs seinen Platz möglichst hoch, der zweite möglichst tief erhalten. Das hoch aufgestellte Gebläse dient dann im Winter zur Einführung frischer Auſsenluft, das tief aufgestellte zur Absangung der schlechten verbrauchten Luft; im Sommer ist die Verwendungsweise umgekehrt. Für den Fall, daſs nur ein Ventilator angebracht werden kann, ist es zweckmäſsiger, mittels desselben frische Luft einzuführen, als schlechte Luft abzusaugen. Zur Lufterneuerung in den Korridoren und Treppenaufgängen, nach welchen aus den Zimmern, den Abtritten u. dgl. stets verdorbene Luft zieht und sich in ihnen ansammelt, schlägt Verfasser vor, jede eine Wohnung abschlieſsende Korridorthür oben mit einer vergitterten Oeffnung zu versehen und in jedem Treppenaufgange eine nach dem Bodenräume oder nach auſsen führende Gitteröffnung zum Zwecke des genügenden Abzuges der schlechten Luft anzubringen.

Speciell für Wohnungen, welche nach dem sogen. Berliner Grundrisse gebaut sind, wobei der Korridor, nach welchem sämmtliche Zimmer, Closet und Küche führen, nur indirektes Licht erhält und weder durch eine Wand, noch durch ein Fenster in unmittelbarer Verbindung mit der äuſseren Luft steht, empfiehlt der Gesundheitsingenieur, 1883 * S. 435, in der Giebelwand Ventilationsröhren anzubringen, in welche die Verbrennungsproducte der den Korridor erleuchtenden flammen eingeführt werden und ein Absaugen der schlechten Luft bewirken. Zwischen den Balkenlagen des Seitenflügels soll vom Hofe aus frische Luft in den Korridor eingeführt werden; eine Klappe in diesem Frischluftkanale soll die Regulirung des Lufteintrittes ermöglichen. Ferner soll die Thür des Closetraumes oben und unten mit Oeffnungen versehen werden, damit auch in diesem Räume die Luft sich stets erneuert; derartige Oeffnungen sollen auch die Thüren der Zimmer des Seitenflügels erhalten, so daſs auch während der Nacht in diese Räume frische Luft eingeführt und schlechte Luft abgeführt werden kann. Auch wird eine Zuführung frischer Luft unter die Closetsitze empfohlen. Bei bestehenden Gebäuden, in welchen sich die erwähnten Ventilationskanäle nicht mehr einbauen lassen, sollen dieselben als Eisen- öder Zinkröhren an den Wänden entlang geführt werden.

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