Titel: Verwendung verflüssigter Gase als Kältemittel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 13 (S. 87)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi02_13

Verwendung verflüssigter Gase als Kältemittel.

Von allen früher als permanent angesehenen Gasen zeigt nach S. v. Wroblewski (Monatshefte für Chemie, 1884 S. 47) nur der Wasserstoff bei der Temperatur von –136° keine Spuren der Verflüssigung. Auch wenn man ihn bei dieser Temperatur dem Drucke von 150at aussetzt und dann sich plötzlich ausdehnen läſst, sieht man keinen Nebel in der Glasröhre, welche das Gas enthält, entstehen. Für die Verflüssigung des Wasserstoffes ist offenbar eine niedrigere Temperatur nothwendig als diejenige, welche mit Hilfe des im Vacuum verdampfenden Aethylens erreicht wird.

In gröſserer Menge verflüssigt und durch plötzliche Aufhebung des Druckes zum gewaltsamen Sieden gebracht, erstarrt der Sauerstoff nicht wie die flüssige Kohlensäure; er läſst aber sowohl auf dem Boden des Gefäſses, in welchem er enthalten gewesen ist, wie auf dem abzukühlenden Gegenstande, welcher im flüssigen Sauerstoffe eingetaucht war, einen krystallinischen Niederschlag zurück. Es muſs durch weitere Versuche entschieden werden, ob dieser Niederschlag aus Sauerstoffkrystallen allein besteht, oder ob er zum Theile oder gänzlich von den möglichen Verunreinigungen des Gases herrührt. Die Verwendung des bei etwa –186° siedenden Sauerstoffes als Kältemittel wird dadurch wesentlich erschwert, daſs man damit in geschlossenen sehr festen Gefäſsen experimentiren muſs, da es bis jetzt nicht gelungen ist, den Sauerstoff im Zustande einer statischen Flüssigkeit unter dem Drucke von 1at zu erhalten.

Bis jetzt konnte Verfasser der Wirkung dieser Kälte mit Erfolg nur Stickstoff aussetzen. Comprimirt in einer Glasröhre, abgekühlt im Strome des siedenden Sauerstoffes und gleich nachher expandirt, erstarrt dieses Gas und fällt in Schneeflocken nieder, welche aus Krystallen von bemerkenswerther Gröſse bestehen.

Nach weiteren Mittheilungen in den Comptes rendus, 1884 Bd. 98 S. 149 ist es nun auch gelungen, durch Verwendung des Sauerstoffes als Kältemittel und plötzliche Druckentlastung den Wasserstoff zu verflüssigen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: