Titel: Laboratorium für Untersuchungen bei niederer Temperatur.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 7 (S. 134–135)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi03_7

Laboratorium für Untersuchungen bei niederer Temperatur.

Für manche physiologische und chemische Untersuchungen sind Räume nothwendig, deren Temperatur beständig wenig über 0° liegt und welche dabei fortwährend gut gelüftet werden können, um eine Gährung erzeugende Einwirkung der in der Luft enthaltenen Fäulniſskeime auf die vorzunehmenden Untersuchungen zu verhüten. Die landwirtschaftliche Schule in Kopenhagen besitzt ein solches Laboratorium, welches im Genie civil, 1883/4 Bd. 4 * S. 341 mitgetheilt ist. Das im Grundrisse fast quadratische Gebäude enthält einen mit Eis gefüllten Raum, um welchen auf der Ost-, West- und Südseite 6 Kammern zur Vornahme der Untersuchungen angeordnet sind. Die Auſsenmauern des Gebäudes sind doppelt errichtet und die Anzahl und Gröſse der Fenster ist thunlichst beschränkt, um Wärmeverluste möglichst zu vermeiden. Vier der angegebenen Kammern ragen mit einer halbkreisförmigen, dünnwandigen Nische in den Eisraum hinein, wodurch die Temperatur der betreffenden Kammern |135| beständig wenige Grad über Null erhalten bleibt. Die Lüftung erfolgt selbstthätig mittels des Dichtigkeitsunterschiedes der äuſseren warmen und inneren kalten Luft, indem vom Dachboden je ein Guſseisenrohr von 8cm Weite in der Mitte des Eisraumes abwärts und am Boden des letzteren entlang in die betreffende Kammer führt und dort 20cm über dem Boden einmündet, ein zweites Rohr, dessen Mündung 2m über dem Boden liegt, in dieser Kammer aber abwärts führt, die Gebäudewand durchdringt, an dieser aufwärts bis zum Dachgebälke zieht und unter diesem bis zum Firste führt, an diesem das Dach durchdringt und Im über demselben im Freien mündet; dieses zweite Rohr ist aus Zinkblech hergestellt. Das erstgenannte Rohr erfährt durch das umgebende Eis eine Abkühlung, so daſs in ihm eine Bewegung der Luft nach abwärts, also eine Einführung frischer Luft vom Dachboden in die betreffende Kammer erfolgt; hierbei schlägt sich der in der Luft enthaltene Wasserdampf durch die Abkühlung nieder, die entstehenden Wassertropfen werden an der Einmündung des Rohres gesammelt und der Entwässerungsleitung des Gebäudes zugeführt. Diese Niederschläge sollen auch die in der Luft enthaltenen Fäulniſskeime aufnehmen, so daſs die eingeführte Luft trocken und rein ist. Das Zinkrohr wird durch die äuſsere Luft erwärmt; es entsteht also in demselben eine aufwärts gehende Luftströmung und hierdurch ein Absaugen der Luft aus der Kammer. Diese Lüftung wirkt um so kräftiger, je gröſser der Temperaturunterschied ist.

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