Titel: Unterirdische Motoren für Förderungs-, Wasserhaltungs- und Ventilationszwecke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 1 (S. 179–180)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi04_1

Unterirdische Motoren für Förderungs-, Wasserhaltungs- und Ventilationszwecke.

Die Direktion der Mansfeld'schen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft zu Eisleben hatte im vergangenen Jahre einen Preis ausgeschrieben für die beste Lösung der Aufgabe, einen unterirdischen Motor für Förderungs-, Wasserhaltungs- und Ventilationszwecke zu beschaffen, welcher in etwa 500m Tiefe und in Entfernungen von 1000m vom Schachte eine Betriebskraft von 10e benutzbar macht, womit jedoch eine Störung des Grubenbetriebes durch entweichende Gase oder Verbrennungsproducte nicht verbunden sein darf.

Von den zahlreich eingelaufenen Bewerbungen wurde keiner der ausgesetzte Preis zuertheilt. Die von Prof. Gust. Herrmann in Aachen und von Oberingenieur Wilh. Meyer in Graz eingereichten Abhandlungen wurden aber mit Rücksicht auf die gebotenen Erörterungen, Berechnungen und Constructionsangaben von der Preisstellerin für je 1500 M. erworben. Nach der Wochenschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1883 S. 468 bezieh. 1884 S. 24 haben die Genannten die Lösung der Preisaufgabe in folgender Weise vorgezeichnet.

Nach einer kritischen Beurtheilung aller bisher überhaupt bekannt gewordenen Ferntrieb-Einrichtungen gelangt Prof. Herrmann auf Grund angestellter Rechnungen zum Schlüsse, daſs der beabsichtigte Zweck am besten unter Verwendung hochgepreſsten Wassers (bis zu 100at Ueberdruck) zu erreichen ist, welches von einem über Tage aufgestellten Accumulator aus durch enge schmiedeiserne Röhren den Betriebsstellen zuzuführen ist, um dort entsprechend construirte Wassersäulen-Zwillingsmaschinen in Bewegung zu setzen. Für diese Maschinen, welche wegen des hohen Druckes nur geringe Abmessungen erhalten, sind in der Abhandlung zwei Constructionen, eine für feste Aufstellung und eine bewegliche, zur Befestigung auf einem Förderwagengestelle, angegeben. Durch die Verwendung so hoher Pressungen werden gegenüber den bisherigen Maschinen mit geringeren Drucksäulen namhafte Vortheile erreicht, indem nicht bloſs die nöthigen Zuleitungsröhren nur geringe Weiten (80 bis 100mm) erfordern und daher die in diesen Röhren enthaltene todte Masse des Wassers sehr klein ausfällt, sondern auch, wie die Rechnung zeigt, gerade hierdurch eine sehr ökonomische Wirkung der Kraft erzielt wird. Die Beschaffung des hochgepreſsten Wassers ist in Bergwerken fast immer leicht dadurch zu erreichen, daſs man die bereits vorhandenen Wasserhaltungsmaschinen dazu benutzt, das gebrauchte Betriebswasser wieder zu Tage und in den Accumulator zu pumpen. |180| Da diese Wasserhaltungsmaschinen in den meisten Fällen eine überschüssige, für den gröſsten Wasserandrang bemessene Gröſse und während der längsten Zeit nur einen Theil ihrer Leistungsfähigkeit zu entwickeln haben, so ist auf dem angegebenen Wege die Möglichkeit dargeboten, diese überschüssige Kraft für die geforderten Betriebszwecke in den Strecken nutzbar zu machen. Nur für den Fall, daſs solche überschüssige Kraft der Wasserhaltungsmaschinen nicht vorhanden sein sollte, würde die Aufstellung einer besonderen Pumpmaschine über Tag vorzusehen sein, welche als centraler Motor dient, dessen Kraft durch die gedachte Hochdruckwasserleitung nach den verschiedenen unterirdischen Betriebspunkten fortgepflanzt wird.

Es erscheint demnach der Schluſs berechtigt zu sein, daſs die elektrische Kraftübertragung, die neuerdings so groſse Erwartungen rege gemacht hat und für welche gerade der vorliegende Fall ein geeignetes Feld der Anwendung darbieten dürfte, noch nicht auf der Stufe sich befindet, um gröſsere Kräfte in einer den praktischen Bedürfnissen entsprechenden Weise zu übertragen. Ebenso erscheint die Verwendung gepreſster Luft, von welcher bei der Bohrung der groſsen Alpentunnele ein so ausgedehnter Gebrauch gemacht wurde, vom ökonomischen Standpunkte aus sehr unvollkommen, da die damit verbundenen Kraftverluste sehr beträchtlich und daher die erzielbaren Wirkungen sehr gering sind, wie die Theorie und die Erfahrung lehren.

Oberingenieur Meyer gelangte zu gleichen Schluſsresultaten wie Prof. Herrmann; doch ging das Wesen seines Vorschlages dahin, Wasser von 200 bis 250at Spannung zu verwenden. Während sich für die in der Grube wirkende Arbeitsmaschine leichter Typen finden lassen, ist es vor Allem wichtig, die Arbeitstransmission so einfach und den Grubenbetrieb so wenig wie möglich hindernd zu gestalten. Die elektrische Arbeitsübertragung ist in dieser Beziehung die vortheilhafteste; doch hier sind es gerade die Arbeitsmaschinen, welche in den bisher gebauten Typen den Bedingungen des Programmes und mancherlei Anforderungen des Grubenbetriebes nicht entsprechen. Die vorgeschlagenen Wasserspannungen gestatten, bis zu einer Leistung von 20e schmiedeiserne gezogene Röhren von 40mm Lichtweite zu verwenden. Das einzige Bedenken der einen hohen Nutzeffect in Aussicht stellenden Anlage ist ein allmähliches Inkrustiren der Röhren, weshalb im Bedarfsfalle auf eine Reinigung des Wassers oder Verwendung stets desselben Wassers Bedacht zu nehmen ist. Für alle mit Wasser arbeitenden Maschinen ist leicht auswechselbare Lederstulpdichtung in Aussicht genommen, welche trotz der kleinen Abmessungen der Plunger noch immer wenig Arbeit für Reibung verzehrt.

Damit die mit Wasser von hoher Spannung bedienten Motoren in der Grube stoßfrei und mit denkbar möglicher Wasserökonomie arbeiten, sind von W. Meyer einige zum Theile neue Constructionen in Vorschlag gebracht worden.

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