Titel: Herstellung von Anthrachinonverbindungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 10 (S. 183–184)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi04_10

Herstellung von Anthrachinonverbindungen.

Erhitzt man nach H. Engelsing in Witten (D. R. P. Kl. 22 Nr. 26432 vom 25. August 1883) 1 Th. Anthrachinonsulfosäure mit 2 Th. rauchender Salpetersäure und 3 bis 10 Th. Schwefelsäure, so steigt nach der Beendigung der Nitrirung die Temperatur und es entweicht unter heftigem Aufschäumen Schwefligsäure. Nach Beendigung des Schäumens erhält man das Gemisch noch 10 bis 15 Minuten auf 180 bis 1850. Durch Behandeln des Reactionsproductes mit Alkohol kann man den gebildeten, leicht löslichen, rothen Farbstoff von dem schwer löslichen blauvioletten trennen.

Der blauviolette Farbstoff ist leicht löslich in Wasser und bildet mit Basen blaue neutrale und basische Salze. Der rothe Farbstoff bildet rothe neutrale |184| und blaue basische Salze. Beide Farbstoffe werden durch gebeizte Faserstoffe fixirt.

Beim vorsichtigen Erhitzen der Nitroanthrachinonsulfosäuren bezieh. ihrer Salze, ebenso der Disulfosäuren bezieh. deren Salze, auf 150 bis 180° findet ein lebhaftes Aufblähen der Masse statt, indem die schwach gelbe Färbung allmählich in eine tief schwarze Farbe übergeht. Nach 5 bis 10 Minuten langem Erhitzen auf genannter Temperatur ist die Umwandlung vollständig vor sich gegangen. Leichter noch gelingt dieselbe durch einen geringen Zusatz von Schwefelsäure, welcher jedoch den dritten Theil bis die Hälfte der in Anwendung gekommenen Nitroanthrachinonsulfosäuren nicht übersteigen darf, weil sich sonst auch noch nebenher rothe und violette Farbstoffe bilden würden. Sehr verdünnte Lösungen dieses schwarzen Farbstoffes haben einen Blaustich. In Alkohol, Aether, Eisessig u. dgl. ist er unlöslich, in Schwefelsäure löst er sich mit schwarzgrüner Farbe. Mit Basen verbindet er sich zu neutralen und basischen Salzen. Beide Salzverbindungen besitzen eine schwarze Farbe und sind, mit Ausnahme der Alkalisalze, in Wasser fast unlöslich. Die Faser gebeizter Stoffe fixirt die Farbe.

Um diese Farbstoffe, Oxyverbindungen der Anthrachinonabkömmlinge, in ätherartige Verbindungen überzuführen, ist es zweckmäſsig, dem Gemische des Farbstoffes mit Schwefelsäure gleich nach dem Erkalten den betreffenden Alkohol zuzusetzen und zwar am besten in einem Verhältnisse von 2 : 1. Man erhitzt dieses Gemisch in einem Kolben mit aufsteigendem Kühler ½ bis 1 Stunde auf 90 bis 120°. Neutralisirt man darauf vorsichtig, so lassen sich die Aether durch Sublimation rein gewinnen, oder man kann dieselben auch durch Destillation mit Wasserdämpfen oder Alkohol in wässeriger oder alkoholischer Lösung erhalten. In ihren äuſseren Eigenschaften sind der Methyläther und der Aethyläther von einander nicht zu unterscheiden. In trockenem Zustande stellen diese Aether ein braunes Pulver dar mit grünlichem Metallreflexe, in Alkohol lösen sie sich ziemlich leicht mit fast fuchsinrother Farbe auf. Die neutralen Salze der Aether sind in Wasser mit rother Farbe löslich, die basischen haben eine blaue Farbe und sind, mit Ausnahme der Alkalisalze, in Wasser unlöslich.

Durch mehrtägiges Erhitzen des Methyläthers bezieh. seiner Barytsalze mit etwas überschüssigem Aetzbaryt und Wasser erhält man, nachdem vorher durch Einleiten von Kohlensäure oder vorsichtiges Zusetzen von Schwefelsäure aller Baryt ausgefällt ist, Vanillin. Wendet man anstatt des Methyläthers den Aethyläther an, so erhält man den Aethyläther des Dioxybenzaldehyds, welcher gleichen Geruch und gleiche Krystallformen und Farbe besitzt wie das Vanillin.

Das Vanillin wird auch auf folgende Weise gewonnen: Man fällt aus den beschriebenen, durch Erhitzen von Schwefelsäure mit den Nitro- und Amidoanthrachinonen bezieh. deren Sulfosäuren erhaltenen rohen Massen, bestehend aus den rothen und violetten sowie schwarzen Farbstoffen und Schwefelsäure, mit einer wässerigen Lösung von Aetzbaryt die basischen Salze aus. In dieses kochende Gemisch läſst man, unter Ersatz des verdampften Wassers allmählich so viel Methylschwefelsäure eintröpfeln, daſs die Schwefelsäure zur Fällung des Bariums aus der organischen Verbindung gerade hinreicht. Wendet man anstatt der Methylschwefelsäure die Aethylschwefelsäure an, so erhält man den Aethyläther des Dioxybenzaldehyds. Das Vanillin und der Aethyläther des Dioxybenzaldehyds lassen sich der wässerigen Lösung durch Aethyläther, Chloroform u.s.w. entziehen.

Das Vanillin wird ebenfals erhalten, wenn man die basischen Barytsalze der oben beschriebenen Farbstoffe mit einer zur Umsetzung berechneten Menge Methylschwefelsäure in geschlossenen Röhren auf 150 bis 170° erhitzt. Bei Anwendung von Aethylschwefelsäure entsteht auch nach dieser Methode der Aethyläther des Dioxybenzaldehyds.

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