Titel: Akustischer Umlaufzähler für Spinnereispindeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 4 (S. 181–182)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi04_4

Akustischer Umlaufzähler für Spinnereispindeln.

Bekanntlich beurtheilt man bei physikalischen und technischen Untersuchungen den Gleichförmigkeitsgrad sehr rascher Drehbewegungen am einfachsten nach der Stetigkeit des Tones, welchen irgend ein durch den bewegten Theil in Schwingungen versetzter Körper erzeugt. Für ein geübtes Ohr wird es aber auch nicht schwierig sein, aus der Höhe des Tones auf die Tourenzahl eines umlaufenden Maschinentheiles zu schlieſsen. Dies benutzt Prof. R. Escher in Zürich nach dem Centralblatt für die Textilindustrie, 1884 S. 2, um auf eine einfache und verhältniſsmäſsig sichere Weise die Drehungszahl von Spinnereispindeln zu ermitteln, wo mechanische Zählapparate ihres nicht unbeträchtlichen Kraftverbrauches wegen meistens recht ungenaue Angaben liefern.

Auf eine leere hölzerne Nähfadenspule wird ein mit Leim bestrichener Papierstreifen gleich der Spulenbreite gewickelt. Nach dem Trocknen werden alsdann in den entstandenen Papiercylinder in gleichen Abständen Löcher eingeschnitten. Steckt man diesen Cylinder alsdann auf eine rotirende Spindel und bläst durch ein Röhrchen einen Luftstrom auf denselben, so hat man eine vollkommene Sirene und kann aus der Höhe des Tones auf die Umlaufzahl der Spindel schlieſsen. Ein Irrthum in der Auffassung der Tonhöhe ist bei einiger Uebung wohl nur um eine ganze Octave möglich und würde dann der Fehler sofort bemerkt werden, da eine solche Annahme sogleich zu einer 2 mal zu groſsen oder zu kleinen Drehungszahl führen würde.

Wäre eine solche Sirene mit 4 Löchern versehen, so würde sich die Umlaufzahl aus der nachfolgenden Tabelle ergeben. Die beigeschriebenen Differenzen können zur Erleichterung der Interpolation dienen. Der Tabelle ist Pariser Stimmung zu Grunde gelegt (a1 = 435 Schwingungen in der Secunde):

|182|
Ton Umlaufzahl Differenz Ton Umlaufzahl Differenz
f 2589,4 dis1 4613,8 258,8
fis 2743,4 154,0 e1 4888,2 274,4
g 2906,5 163,1 f1 5178,8 290,6
gis 3079,4 172,9 fis1 5486,8 308,0
a 3262,5 183,1 g1 5813,1 326,3
ais 3456,5 194,0 gis1 6158,7 345,6
h 3662,0 205,5 a1 6525,0 366,3
c1 3879,8 217,8 ais1 6913,0 388,0
cis1 4110,4 230,6 h1 7324,0 411,0
d1 4355,0 244,6 c2 7759,5 435,5.

Zur sichereren Bestimmung der Tonhöhe könnte eine Stimmflöte benutzt werden, welche zudem so eingerichtet sein könnte, daſs sie ein direktes Ablesen der Umlaufzahl gestattete. Unbequem ist es auch, daſs man die Sirene anblasen muſs; doch lieſse sich dies vielleicht durch eine andere Einrichtung umgehen.

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