Titel: Zur Stellung der Schwefelsäure- und Superphosphatfabriken in Deutschland.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 8 (S. 223–224)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi05_8

Zur Stellung der Schwefelsäure- und Superphosphatfabriken in Deutschland.

Nach dem Handelsberichte der Chemischen Industrie, 1884 S. 32 werden in Deutschland etwa 150000t Schwefelkies bei Grevenbrück und Schwelm billig gewonnen und dazu 50000t spanische Kupfer haltige Erze meistens am Rhein und bei Hamburg verarbeitet. Hieraus und aus einer groſsen Concurrenz mannigfacher Schwefelerze wird eine groſse Menge Schwefelsäure gewonnen und zu stets billigerem Preise abgegeben. So ist die vor 4 Jahren noch mit 6 M. für 100k bewerthete 52procentige Kammersäure heute bereits auf einen Preisstand von 3 M. angelangt und damit manche auf ausschlieſsliche Schwefelsäure-Erzeugung berechnete, kostspielige Anlage unrentabel geworden. Hieran ändert der Umstand nichts, daſs jetzt billige Schwefelkiesfrachten den Werken zu Hilfe kommen und gleichzeitig der spanischen Einfuhr entgegen, wie den deutschen Kiesgruben zu Gunsten wirken.

Die Schwefelsäure wurde bis vor kurzer Zeit gröſstentheils zur Herstellung sogen. Leblancsoda benutzt; letztere hat aber jetzt in der Ausbildung des Ammoniakverfahrens zur Sodagewinnung einen so gefährlichen Gegner erhalten, daſs am Hauptsitze der alten Soda-Industrie, an dem Flusse Tyne in England, von den bestehenden 32 Fabriken bereits 20 auſser Betrieb sind. Die Ammoniaksoda-Gewinnung nimmt allerwärts, auch in Deutschland, so stetig zu, daſs der Bezug englischer Soda täglich geringer wird und Deutschland sogar ausfuhrfähig damit zu werden verspricht (vgl. Jahresbericht der chemischen Technologie, 1883 S.321).

Unter diesen Verhältnissen drängt die überschüssige englische Schwefelsäure nach anderweitiger Unterkunft und hat sich besonders die Superphosphat-Düngerfabrikation ausgesucht. Die deutsche Superphosphat-Fabrikation übertrifft die englische an Sorgfalt, wie an Umfang. Es werden hier etwa 400000t Superphosphat jährlich hergestellt; der Markt ausländischer Phosphate ist in Hamburg gröſser als in London. Auch ist die heimische Schwefelsäurefabrikation der englischen ebenbürtig. Es steht ferner fest, daſs die deutsche Dünger- |224| Industrie durchweg gut zubereitete, verbürgt richtigen Gehalt zeigende Dünger zu mäſsigem Preise liefert und daſs der deutsche Landwirth billiger kauft als jeder andere. Es hat daher die Heranziehung fremder Concurrenz keinen Vortheil und es sollte denn doch einer gewaltsamen Ueberfluthung nicht ruhig zugesehen werden, wie der Verfasser meint.

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