Titel: Elektrische Kraftübertragung in Bergwerken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 6 (S. 302–303)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi07_6

Elektrische Kraftübertragung in Bergwerken.

Bereits im J. 1881 wurde nach der Revue industrielle, 1884 S. 118 im Schachte Saint-Claude in den Bergwerken zu Blanzy von Mathet ein elektrisch getriebener Ventilator eingerichtet, welcher bis zu dem Zeitpunkte zur Zufriedenheit gearbeitet hat, wo wegen Einstellung der Arbeiten in diesem Schachte die zwei in ihm verwendeten Gramme'schen Maschinen überflüssig wurden und Graillot auf den Gedanken kam, sie zu einer Wasserleitung von dem Ufer der Sorme nach einem 290m davon entfernten und 20m höher liegenden Punkte zu verwenden. Die Triebkraft muſste von dem Schachte Saint-Elisabeth entnommen werden; die beiden Gramme'schen Maschinen sind 775m von einander entfernt und die getriebene setzt unmittelbar eine Dämonische Centrifugalpumpe in Thätigkeit. Die beiden Kabel sind einfach auf Telegraphensäulen gelegt und mittels hölzerner Klammern (chapeaux) daran befestigt worden. Die Hinleitung besteht aus 7 Kupferdrähten von 1mm,1 Dicke, welche von getheerter Leinwand und Kautschuk umgeben sind. Die Rückleitung bilden 3 Litzen aus 4 Eisendrähten Nr. 12 von 1mm,8 Durchmesser, so daſs der Querschnitt etwa 30qmm beträgt; die Rückleitung ist nicht isolirt und auf den Säulen sind nur Kautschukmuffe mittels der Holzklammern befestigt; dies ist zwar billig, aber nur für Versuche ausreichend. Die Pumpe arbeitet seit länger als 1 Jahre und die Kabel zeigen noch keine Spur von Verschlechterung. Die Strom erzeugende Gramme'sche Maschine wird von dem Grubenventilator, dessen Welle 50 Umgänge in der Minute macht, durch zweimalige Uebersetzung von 1 zu 4 bezieh. 1 zu 2 mit 1600 minutlichen Umdrehungen angetrieben; die getriebene läuft mit 1200. Die Pumpe hebt 1l,5 Wasser in der Secunde, d.h. 5400l in der Stunde, Das Wasser wird im Meierhofe Etiveaux für Menschen und Vieh, im Schachte Saint-Louis als Speisewasser für die Kessel benutzt. Rechnet man zu der. Nutzleistung der ganzen Anlage, welche sich nach den gegebenen Daten (1l,5 Wasser auf 20m Höhe) zu 30mk stellt, die Arbeitsverluste durch die passiven Widerstände der Rohrleitung und der Dynamomaschine und nimmt man an, daſs die Nutzleistung der elektrischen Leitung 50 Proc. betrage, was bei der geringen Länge derselben trotz der ungünstigen Anordnung wohl statthaft ist, so läſst sich die von der Ventilatorwelle auf die Strom gebende Maschine übertragene Leistung auf 2,5 bis 3e schätzen. Dem Ventilator wird jedoch im Vergleiche mit dem Verbrauche eine so groſse Kraft zugeführt, daſs direkte Messungen an seiner Welle mit und ohne Gramme'scher Maschine sehr ungenaue Ergebnisse liefern würden. Der Kohlenverbrauch für die Kesselheizung steigt nicht merklich, wenn die elektrische Transmission mit angebracht wird; letztere kostet also so gut wie nichts.

In dem an der Donau gelegenen Kohlenbergwerke Thallern befand sich nach der Oesterreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1884 S. 182 früher an einem etwa 900m vom Schachte entfernten Punkte und zwar am Ende in |303| der Förderstrecke eine Dampfpumpe, welche durch den ausströmenden Abdampf die Temperatur der Grube zu einer unerträglichen machte; die seit etwa ¼ Jahr eingerichtete elektrische Kraftübertragung hat ein Sinken der Grubentemperatur um 14° und auch im Kohlenverbrauche gegen früher eine nicht unwesentliche Ersparniſs ergeben. Die verwendeten Dynamomaschinen sind vierpolige Gramme'sche Maschinen. Der Antrieb der Pumpen erfolgt durch Reibungsräder. Die Stromstärke der Maschinen ist 15 Ampère bei einer elektromotorischen Kraft von 500 Volt, die Leistung der secundären Maschine ist etwa 8e, die Gesammtlänge der Leitung 1900m, die Leistung der Pumpe ist 300l in 1 Minute auf eine Förderhöhe von 60m und durch eine Rohrleitung von 800m Länge. Die Anlage wurde von Brückner, Roß und Consorten in Wien ausgeführt.

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