Titel: Verfahren zur Darstellung rother bez. violetter Farbstoffe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 13 (S. 343–344)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi08_13

Verfahren zur Darstellung rother bez. violetter Farbstoffe.

Nach Angaben der Direction des Vereins chemischer Fabriken in Mannheim (D. R. P. Kl. 22 Nr. 26012 vom 27. Februar 1883) erhält man, wenn α-Naphtol in ganz kalt gehaltene, schwach rauchende Schwefelsäure eingetragen wird, neben der von Schäffer beschriebenen eine neue α-Naphtolsulfosäure. Eine andere Säure erhält man, wenn die Diazoverbindung der durch Sulfuriren von Naphtylamin erhaltenen Piria'schen Naphtionsäure durch Kochen mit angesäuertem Wasser zersetzt wird. Der Schäffer'schen Naphtolsulfosäure entspricht eine von der Piria'schen verschiedene Naphtylaminsulfosäure. Zur Trennung dieser Säuren werden dieselben nach bekannten Verfahren in Natriumsalze verwandelt und durch Auskochen mit Alkohol in einen unlöslichen Antheil (Salz der Schäffer'schen Säure) und einen löslichen Antheil (Salz der der Piria'schen Naphtionsäure entsprechenden Säure) geschieden.

Während durch Einwirkung von Diazoverbindungen auf die Schäffer'sche baute orangerothe und braune Farbstoffe sich bilden, entstehen aus den Monosulfosäuren, welche aus α-Naphtol in der Kälte, sowie aus der Piria'schen Naphtionsäure zu erhalten sind, ponceau bis kirschrothe Farbstoffe. Es bilden sich durch Combination derselben mit den nachgenannten Diazoverbindungen |344| und zwar mit Diazoxylol ein ponceaurother Farbstoff, mit Diazoäthylxylol ein Farbstoff von mehr bläulichem Stiche, mit Diazoazobenzol und dessen Sulfosäuren, sowie mit β-Diazonaphtalin noch mehr bläuliche Farbstoffe, mit α-Diazonaphtalin ein tiefes Kirschroth und mit Diazodiphenyl (aus Benzidin erhalten) ein Violett. Diese Farbstoffe unterscheiden sich von allen ähnlichen bis jetzt dargestellten durch ihre geringere Löslichkeit und gröſsere Affinität zur Gewebsfaser, dem entsprechend auch durch gröſsere Wasch- und Walkechtheit.

Bei der Einwirkung von Chlorkohlenoxyd (Phosgen) auf Dimethylanilin, Diäthylanilin unter Bildung der entsprechenden Säurechloride und Ketonbasen treten auch färbende Nebenproducte auf. Die Farbstoffbildung gestaltet sich aber nach Beobachtungen der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen a. Rh. (D. R. P. Kl. 22 Nr. 26016 vom 21. August 1883) zur Hauptreaction, wenn die Einwirkung des Chlorkohlenoxydes auf die genannten tertiären Basen durch die Gegenwart eines energisch wirkenden Condensationsmittels, wie Aluminiumchlorid, unterstützt wird. Aus Dimethyl- und Diäthylanilin lassen sich auf diesem Wege violette Farbstoffe der Triphenylmethanreihe in einfachster Weise darstellen und ähnliche Farbstoffe werden durch Ausdehnung dieser Reaction auf eine groſse Reihe von tertiären aromatischen Monaminen erhalten.

Es werden z.B. in 40k Dimethylanilin 10k Aluminiumchlorid eingetragen und darauf allmählich unter stetem Umrühren und bei einer 30° nicht erheblich übersteigenden Temperatur 6k Chlorkohlenoxyd zugesetzt; letzteres kann man sowohl in gasförmigem, als verflüssigtem Zustande anwenden, oder man bedient sich seiner Auflösung in Benzol oder ähnlichen indifferenten Lösungsmitteln. Die Farbstoffbildung beginnt sofort und beendigt sich bei einer Temperatur von 20 bis 30° nach Ablauf von 5 bis 6 Stunden. Die Aufarbeitung des erhaltenen Productes läſst sich in verschiedener Weise bewerkstelligen. Man behandelt z.B. dasselbe zunächst im Wasserdampfstrome bis zur Entfernung der flüchtigen Producte und fällt den Farbstoff aus der erhaltenen Lösung durch Kochsalz. Bei geeigneter Verdünnung scheidet sich das Methylviolett in Krystallen ab und läſst sich durch Umkrystallisiren aus Wasser oder durch Ueberführen in sein schön krystallisirendes Sulfat oder Oxalat vollends reinigen.

In ganz entsprechender Weise verfährt man bei der Darstellung der entsprechenden violetten Farbstoffe aus Methyläthylanilin und Diäthylanilin.

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