Titel: Bleichverfahren für Gespinnste und Gewebe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 13 (S. 392)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi09_13

Bleichverfahren für Gespinnste und Gewebe.

J. B. Thompson und J. P. Rückman in New-Cross, England (D. R. P. Kl. 8 Nr. 26839 vom 6. März 1883) kochen leinene Garne und Gewebe zunächst 3 Stunden lang mit einer Lösung von 2g,4 Cyankalium auf 1l Wasser, waschen aus und wiederholen diese Behandlung.

Für Baumwolle ist diese vorbereitende Auslaugung nicht erforderlich – ausgenommen die wenigen Fälle, wo eine Berührung derselben mit fettigen oder öligen Stoffen stattgefunden hat; auch sollte dann die Lauge nur halb so stark genommen werden, wie oben für Leinen angegeben, und das Auskochen nur 2 Stunden andauern. Für gewöhnlich wird die Baumwolle einfach nur in kaltem Wasser gewaschen und dann ausgepreſst.

Die so vorbereiteten Faserstoffe packt man nun lose in ein luftdicht ver-schlieſsbares Gefäſs und füllt dieses mit einer Lösung von etwa 5g,3 Chlorkalk auf 1l Wasser, zieht dieses sofort wieder ab und leitet Kohlensäure ein. Nach Verlauf von einer Stunde ungefähr ist die ganze, auf der Fasermasse verbliebene Chlorkalklösung, zersetzt. Es soll diese Operation so oft wiederholt werden, bis die Waare im gewünschten Weiſs erscheint; sobald dies der Fall, wird dieselbe herausgenommen, gewaschen und ausgepreſst.

In den weitaus meisten Fällen wird die Waare einen gewissen leichten Stich ins Gelbliche behalten, welcher von der Anwesenheit geringer Eisenmengen in dem Bleichmittel herrührt. Zur Zerstörung dieser Färbung nimmt man die Waare noch durch ein Bad aus Oxalsäure (etwa 4g,6 auf 4l,5 Wasser), preſst sofort aus, nimmt durch eine wässerige Auflösung von Triäthylrosanilin (Anilinviolett) oder Indigo oder ähnliche Farbstoffe. Bei Anwendung von Anilin-violett genügen; 16mg auf 4l,5 Wasser, während von Indigo 1g,3 zu nehmen sind. Man kann auch das Anilinbad mit so viel Oxalsäure versetzen, bis es eine opake, aber ausgesprochene türkisblaue Färbung angenommen hat. Auch kann die gebleichte Waare zuerst durch das Anilinbad gezogen, dann ausgepreſst, nachher durch das Kleesäurebad genommen, ausgepreſst und schlieſslich ausgewaschen und der Appretur zugeführt werden, sobald es sich dem Auge perl weiſs darbietet.

Will man das Schönen oder Bläuen mit der Appretur verbinden, so setzt man das Anilinviolett (16mg im Liter) dem Kleister und dann so lange Oxalsäure zu, bis die gewünschte Färbung erzielt ist, oder man erzeugt das Blau für sich und mischt es dann mit der Stärke.

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