Titel: Herstellung harter Arbeitsflächen auf eisernen und stählernen Maschinentheilen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 2 (S. 388–389)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi09_2

Herstellung harter Arbeitsflächen auf eisernen und stählernen Maschinentheilen.

Anstatt des sonst gebräuchlichen Einsetzens der eisernen oder weicher stählernen Maschinentheile nach völliger Fertigstellung derselben, empfiehlt F. C. Glaser in Berlin (* D. R. P. Kl. 48 Nr. 26942 vom 18. Februar 1883) eine förmliche durchgreifende Cementation derselben bei sehr hoher Temperatur.

Es sollen nämlich die zu härtenden Theile in Holz- oder Thierkohle verpackt, unter Luftabschluſs zunächst einer Temperatur von etwa 1700° ausgesetzt werden. Da bei derselben schon eine Erweichung des Eisens eintritt, so erfolgt sehr rasch eine starke Kohlung, welche wegen der zunehmenden Erniedrigung des Schmelzpunktes der gekohlten Schicht bald eine Herabminderung der Temperatur nöthig macht, um ein Anschmelzen und Blasigwerden der Stücke zu verhüten. Diese allmähliche Herabminderung der Temperatur wird nun fortgesetzt, damit die später gekohlten inneren Theile einen stetig abnehmenden Kohlenstoffgehalt zeigen, da jeder Temperatur ein bestimmter Sättigungsgrad des Eisens mit Kohlenstoff entspricht.

Während bei dem bisherigen Einsetzverfahren eine dünne, aber ziemlich gleichmäſsig gekohlte Schicht gebildet wird, welche zudem schroff in das ungekohlte Material übergeht, erhält hier das Arbeitstück eine viel dickere gekohlte Schicht, in der überdies der Kohlenstoffgehalt von auſsen nach innen allmählich abnimmt. Bei den nach ersterem Verfahren gehärteten Stücken werden daher allem Ermessen nach beim Ablöschen weit leichter Härterisse eintreten können, da hier die entstehenden Spannungen im gekohlten und nicht gekohlten Theile plötzlich in einander übergehen, während, wenn der Kohlenstoffgehalt von innen nach auſsen nach und nach zunimmt, auch nirgends zwei unmittelbar auf einander folgende Schichten eine groſse Abweichung im Kohlenstoffgehalte, daher auch in der relativen Ausdehnung beim Härten zeigen werden; vielmehr wird hier die Spannung sich in einer viel dickeren Schicht vertheilen.

Selbstverständlich können bei so starkem Erhitzen die Arbeitstücke vor dem Kohlen nicht ganz fertig bearbeitet werden. Da indeſs hier die härtbare Schicht viel dicker ist (sie soll bis zu 30mm stark werden können), so wird auch ein Nacharbeiten möglich sein, ohne daſs dieselbe entfernt wird. Auf |389| diese Weise wird aber auch die Genauigkeit, mit welcher die Arbeitstücke hergestellt werden können, weit gröſser sein, als dies bei dem älteren Verfahren der Fall ist.

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