Titel: Zur Kenntniſs der Zuckerarten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 9 (S. 391)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi09_9

Zur Kenntniſs der Zuckerarten.

Erhitzt man nach E. Fischer (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. 1884 S. 579) 1 Th. reine Dextrose mit 2 Th. salzsaurem Phenylhydrazin, 3 Th. essigsaurem Natrium und 20 Th. Wasser auf dem Wasserbade, so beginnt nach 10 bis 15 Minuten die Abscheidung von feinen gelben Nadeln, deren Menge rasch zunimmt. Nach 1½stündigem Erhitzen betrug die Menge des Niederschlages 85 bis 90 Procent der angewendeten Dextrose. War das benutzte Hydrazinsalz farblos, so ist auch dieser Niederschlag nach dem Auswaschen und Trocknen chemisch rein. Das gleiche Product erhält man ebenso leicht und ebenso schön aus dem Traubenzucker des Handels oder dem Invertzucker. Die Verbindung ist in Wasser fast unlöslich; von siedendem Alkohol wird dieselbe dagegen ziemlich leicht aufgenommen. Aus der nicht zu verdünnten alkoholischen Lösung scheidet sie sich auf Zusatz von Wasser wieder in feinen gelben Nadeln ab. Dieselben schmelzen bei 204 bis 205° Zu einer dunkelrothen Flüssigkeit. Die Analyse dieser Phenylglukosazon genannten Verbindung führte in der Formel C18H22N4O4.

Eine Lösung von 0g,1 Dextrose in 50cc Wasser mit 1g salzsaurem Phenylhydrazin und 2g Natriumacetat, auf dem Wasserbade erhitzt, färbte sich stark gelb und schied beim Abkühlen einen krystallinischen Niederschlag ab, welcher getrocknet bei 204° schmilzt. Diese Probe scheint in manchen Fällen zum Nachweise des Traubenzuckers sicherer zu sein als die Anwendung alkalischer Kupfer- oder Wismuthlösung; sie übertrifft ferner an Schärfe und Bequemlichkeit die sonst so vorzügliche Gährungsprobe.

Lävulose gibt dieselbe Verbindung, Galaktose eine sehr ähnliche, welche jedoch bei 182° schmilzt. Rohrzucker wird beim Erwärmen mit der Hydrazinlösung zum Theile invertirt und liefert dann ebenfalls Phenylglukosazon.

Beim Erhitzen von 1 Th. Milchzucker mit 1,5 Th. salzsaurem Phenylhydrazin, 2 Th. essigsaurem Natrium und 30 Th. Wasser färbt sich die Lösung bald rothgelb, scheidet aber keine Krystalle ab. Kühlt man nach 1½stündigem Erhitzen die klare Flüssigkeit, so krystallisirt das Laktosazon in feinen gelben Nadeln aus. Dieselben sind in heiſsem Wasser ziemlich leicht löslich und können deshalb durch Umkrystallisiren aus Wasser gereinigt werden. Ueber Schwefelsäure getrocknet, hat das Laktosazon die Zusammensetzung C24H32N4O9. Es schmilzt bei 200° unter Zersetzung.

Beim Erwärmen von 1 Th. Maltose mit 2 Th. salzsaurem Hydrazin, 3 Th. essigsaurem Natrium und 15 Th. Wasser entsteht bald eine gelbrothe Flüssigkeit. Nach 1½ Stunden wurde die Operation unterbrochen. Aus der klaren Lösung schied sich beim Abkühlen das Phenylmaltosazon langsam in auſserst feinen gelben Nadeln ab. Der Krystallbrei wurde filtrirt, mit kaltem Wasser gewaschen und aus siedendem Wasser umkrystallisirt. Die so erhaltenen sehr feinen Nadeln schmelzen bei 190 bis 191° zu einer braunen Flüssigkeit und haben die Zusammensetzung C24H32N4O9.

Trehalose scheint sich mit der Base überhaupt nicht zu verbinden.

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