Titel: Zur Kenntniſs der Alkaloide.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 12 (S. 439)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi10_12

Zur Kenntniſs der Alkaloide.

Zur Herstellung von Pikrotoxin wurden nach E. Schmidt (Liebig's Annalen, 1884 Bd. 222 S. 313) die grob gepulverten und durch warmes Auspressen von der Hauptmenge des vorhandenen Fettes befreiten Kokkelskörner wiederholt mit Wasser ausgekocht, die colirten heiſsen Auszüge mit einer zur Ausfällung genügenden Menge Bleiacetatlösung versetzt, das Filtrat durch Schwefelwasserstoff entbleit und die abermals filtrirte Flüssigkeit auf ein kleines Volumen eingeengt. Die nach mehrtägigem Stehen ausgeschiedenen Krystallmassen wurden alsdann durch Absaugen und Waschen mit kaltem Wasser möglichst von der Mutterlauge befreit und hierauf durch Umkrystallisiren, zunächst aus kochendem Wasser und schlieſslich aus siedendem starkem Alkohol unter Anwendung von etwas Thierkohle gereinigt. Das dem Rohpikrotoxin beigemengte Cocculin bleibt bei dem Umkrystallisiren aus starkem Alkohol ungelöst, bezüglich scheidet sich sofort aus der heiſsen alkoholischen Lösung aus.

Das Pikrotoxin bildet farblose, bei 199 bis 200° schmelzende Nadeln von stark bitterem Geschmacke und stark giftiger Wirkung. In kaltem Wasser ist das Pikrotoxin ziemlich schwer löslich: bei 15° wie 1 : 400, bei 20° wie 1 : 350. Kochendes Wasser, ebenso Alkohol lösen reichliche Mengen Pikrotoxin auf; dagegen ist es in Aether und in Chloroform verhältniſsmäſsig nur wenig löslich. Die wässerige Lösung ätzender Alkalien und auch Ammoniak lösen beträchtliche Mengen dieses Bitterstoffes auf. In seinem Verhalten gegen Reagentien, ja sogar gegen einzelne anscheinend indifferente Lösungsmittel, wie gegen Benzol und Chloroform, zeigt das Pikrotoxin die eigenthümliche, von der Mehrzahl der früheren Beobachter übersehene Eigenschaft, leicht in Pikrotin und Pikrotoxinin zu zerfallen: C30H34O13 = C15H16O6 + C15H18O7. Das Pikrotoxinin und das Pikrotin sind nicht als Gemengtheile, sondern als Spaltungsproducte des Pikrotoxins zu betrachten, deren Bildung erst durch das anhaltende Kochen dieses Bitterstoffes mit gröſseren Mengen Benzol veranlaſst wird. Das Pikrotin, C15H18O7, ist nicht giftig, während schon sehr geringe Mengen Pikrotoxinin hinreichen, Fische zu tödten.

Die Analyse des bereits oben erwähnten Cocculins führte nach E. Löwenhardt (daselbst S. 353) zu der Formel C19H26O10. Ob diese in weiſsen Nadeln krystallisirende, in kaltem Wasser, Alkohol und Aether fast unlösliche Verbindung identisch ist mit der von Barth in den Kokkelskörnern aufgefundenen, säure-artigen Verbindung C9H12O5 oder mit dem Anamirtin von Barth und Kretschy muſs erst noch festgestellt werden.

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