Titel: Benutzung inländischer und acclimatisirter Hölzer für Industriezwecke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 2 (S. 434–435)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi10_2

Benutzung inländischer und acclimatisirter Hölzer für Industriezwecke.

Es ist eine mehrfach festgestellte und beklagte Thatsache, daſs der gröſste Theil unserer Holzarbeiter auſser den landläufigen Hölzern (wie Fichte, Buche, ferner Nuſs, Eiche, Esche, Erle, Rothbuche u. dgl.) nur sehr selten andere einheimische Holzarten verwenden, dagegen mit besonderer Vorliebe zu auſsereuropäischen Hölzern greifen, welche, eine Zeitlang beachtet, dann ebenso schnell der Vergessenheit anheimfallen. Es ist nicht zu leugnen, daſs diese Vorliebe zum groſsen Theile auf den werthvollen Eigenschaften, namentlich aber auf dem oft prächtigen Farbenspiele der in heiſsen Klimaten erwachsenen Hölzer sich gründet, wodurch beim Publikum entschieden eine gröſsere Kauflust hervorgerufen wird; andererseits muſs aber erwähnt werden, daſs die Nichtbeachtung der heimischen Holzgattungen auch darin zu suchen ist, daſs viele Holz-Industrielle über die Eigenschaften und die Verwendbarkeit der Mehrzahl unserer Holzgewächse gar nicht unterrichtet sind. Zum Theile mag noch die Schuld am Holzhandel liegen, welcher auſser den genannten landläufigen Holzarten die anderen, weniger dem Massenverbrauche unterliegenden Gattungen in |435| viel zu geringem Maise berücksichtigt. Die Forstwirthe werden von der Nachfrage beeinfluſst, daher denselben kein Vorwurf gemacht werden kann, obwohl sie für die industrielle Verwerthung minder begehrter Hölzer wenigstens vielfach Anregung bieten könnten.

In dieser Richtung fördert das Technologische Gewerbemuseum, Section für Holzindustrie in Wien die Interessen der betreffenden Kreise in hervorragendem Maſse, wie u.a. die auf dessen Anregung ausgeführten Versuche über die Verwendung des Kastanienholzes als Schnitzstoff (vgl. dessen Mittheilungen, 1883 S. 90) lehren. Als weiteren Beweis, daſs es möglich ist, einheimische Holzarten in der geschilderten Weise zu verwerthen, führt A. W. Kubelka a. a. O. 1884 S. 42 an. Es handelte sich hierbei um die weitere Einführung des sogen. Kleebaumholzes (Goldregen, Cytisus Laburnum L.), welches von Vielen gar nicht gekannt, von den „Wissenden“ aber in Wien – nur zu Stöcken und Pfeifenröhren – in geringen Mengen verarbeitet wird. Alle, denen Arbeiten aus diesem Holze vorgewiesen wurden, bezeichneten es als höchst wünschenswerth, daſs gröſsere Mengen dieses Rohstoffes auf den Markt kämen; Viele verlangten sofort Proben. Die Eigenschaften des Kleebaumholzes, besonders dessen schöne Farbe, Textur und Politurfähigkeit, machen es besonders für den Drechsler werthvoll; die daraus erzeugten Galanteriewaaren erscheinen sehr gefällig und dürften entschieden auch in weiteren Kreisen Beifall finden.

Bei dieser Gelegenheit sei noch auf ein gemeinverständlich geschriebenes, recht empfehlenswerthes Buch verwiesen: Die Technologie der Drechslerkunst. Die Lehre von den Rohstoffen und deren Verarbeitung. Herausgegeben von der Handels- und Gewerbekammer für das Erzherzogthum Oesterreich unter der Enns. Bearbeitet in deren Auftrage von Prof. Eduard Hanausek. 312 S. in gr. 8. (Wien 1884. Karl Gerold's Sohn.)

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