Titel: Die Ausmündung der Rauch- und Ventilationsrohre und deren Abdeckung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 6 (S. 436–437)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi10_6

Die Ausmündung der Rauch- und Ventilationsrohre und deren Abdeckung.

In der Deutschen Bauzeitung, 1883 S. 174 ff. veröffentlicht Brüning (vgl. Saugkappe 1883 250 * 362) bemerkenswerthe Ergebnisse angestellter Versuche über das Verhalten verschiedener Schornsteinköpfe oder Luftsauger.

Zunächst fand Brüning bei den Untersuchungen über den Stoſs, daſs ein senkrecht auf eine Fläche treffender Strom auf der Rückseite derselben einen Strom in umgekehrter Richtung erzeugt und daſs im Allgemeinen die von dem Strome unmittelbar getroffene Fläche eines Körpers geringer ist als die indirekt, getroffene. Ferner untersuchte Verfasser die Einwirkung eines Luftstromes auf offene vertikale Röhren und fand, daſs horizontale und Unter-Winde in letzteren stets einen Zug hervorrufen, sobald der Luftstrom die Ausmündung trifft; ist letzteres nicht der Fall, so wird der Zug nur in geringem Maſse befördert. Bei Röhren, deren Ausmündungen nicht so hoch sind, daſs sie in dem direkten Strome des herrschenden Windes liegen, sondern etwa in der Verlängerung der vorderen Dachfläche oder etwas tiefer, können Zugstörungen eintreten; dagegen sind gegen solche diejenigen Röhren gesichert, welche an der First ausmünden und solche, welche, wenn sie in der Dachfläche liegen, verhältniſsmäſsig hoch sind. Abwärts gerichtete Winde erzeugen viel häufiger eine Benachtheiligung des Zuges eines Schornsteines oder Saugschlotes als horizontale oder aufwärts gerichtete Luftströme und zwar bei steilen Dächern in gröſserem Maſse als bei flachen; am ungünstigsten wirken solche Winde, wenn deren Richtung zur Dachfläche senkrecht steht, weil dann eine Verdichtung der Luft eintritt und die gepreiste Luft einen Ausweg durch das Rohr nach einem weniger verdichteten Räume sucht. Brüning fand ferner, daſs die von einem horizontalen Windstrome auf ein offenes Rohr ausgeübte Saugwirkung gröſser ist als die Wirkung der Mehrzahl der Sauger, welche als Schlotbekrönung zur Erhöhung des Zuges Verwendung finden.

Aus einer groſsen Zahl von Versuchen, welche mit 25 derartigen Schornsteinköpfen oder Luftsaugern an verschiedenen Dachformen ausgeführt wurden, folgert Brüning: 1) Ein offenes Rohr ist nur da anwendbar, wo dasselbe an oder durch die First und etwas über dieselbe hinaus geführt wird, für andere Lagen nur dann, wenn stark geneigte Abwinde nicht zu erwarten sind. 2) Wenn Windströmungen mit starken Neigungen zu erwarten sind, empfiehlt es sich, passende Rohraufsätze anzuwenden, ebenso wenn eine Vermehrung des Zuges beabsichtigt wird. 3) Die Saugkappen wirken am besten und gleichmäſsigsten, wenn sie hoch angebracht werden, so daſs der Einfluſs der Dachneigungen nicht mehr merkbar wird; sollen sie auf der dem Winde abgewendeten Seite angeordnet werden, so erhalten sie am vortheilhaftesten eine derartige Höhe, daſs sie in der Verlängerung der vorderen Dachfläche oder nur wenig tiefer liegen. – Bei diesen Schluſsfolgerungen ist jedoch angenommen, daſs die betreffenden Gebäude nicht in der Nähe höherer Gegenstände sich befinden, da jede Fläche, welche sich dem Winde entgegenstellt, eine Ablenkung desselben bewirkt; am nachtheiligsten wirken senkrechte oder überhängende Wände. Brüning folgert in dieser Richtung aus seinen Versuchen folgendes: 1) Je näher ein Rohr an einer senkrechten Wand steht, um so ungünstiger ist der Zug. 2) Je höher eine Wand ist, um so weiter muſs das Rohr abstehen. 3) Bei geringer Entfernung von der Wand muſs das Rohr im Verhältnisse höher geführt werden als bei gröſseren. 4) Die seitliche Ausdehnung der Wand ist weniger schädlich als diejenige nach oben. 5) Die Ausmündung des Rohres liege nicht tiefer zur Wandoberkante als die Hälfte der Entfernung von der Wand; bei gröſseren Weiten kann das Maſs auf ¾ vergröſsert werden. 6) Befinden |437| sich an den Seiten gleich hohe Wände, so soll das Rohr besser oberhalb als unterhalb der Wandkanten ausmünden. 7) Liegen die Seitenwände weit aus einander, so ist die ungünstige Einwirkung geringer, als wenn sie nahe zusammen sind. Diese Folgerungen gelten für horizontale Windrichtung und senkrechte, normal zu letzterer stehende Wände. Bei Unter-Winden ändern sich diese Vorschriften nicht; für Ober-Winde können sie auch als gültig angenommen werden, wenn die Ausmündung des Rohres in solche Höhe gelegt ist, daſs ihre Entfernung an der durch die Wandoberkante zur Windrichtung parallel gezogenen Linie nicht gröſser als die halbe Entfernung des Rohres von der Wand ist.

Für die Anordnung mehrerer Rohre, welche neben einander durch die Dachfläche geführt werden müssen, empfiehlt Brüning, die Rohre zu vereinigen und das Sammelrohr mit einer Saugkappe zu bekrönen, wenn man für alle Fälle eine nahezu gleiche Wirkung der Windströmung auf die Zugerhöhung aller Rohre erzielen will; der Unterschied, welcher sich aus der verschiedenen Länge der Rohre ergibt, kann an der Mündung regulirt werden.

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