Titel: Hydrometrischer Flügel mit akustischem Zählwerke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 3 (S. 481–482)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi11_3

Hydrometrischer Flügel mit akustischem Zählwerke.

Es ist eine bekannte Thatsache, daſs im hochgehenden Strome bei groſsen Geschwindigkeiten und Tiefen von mehr als 3m die Handhabung des Woltmann'schen Flügels (vgl. 1878 228 * 416. 1882 244 * 292) mit nicht unbeträchtlichen Schwierigkeiten verbunden ist. Insbesondere wird die Ein- und Ausrückung des Sperrkegels unzuverlässig und ist der Beobachter nie sicher, ob der Flügel innerhalb der Beobachtungszeit richtig oder überhaupt arbeitet, abgesehen von dem Zeitaufwande und der Umständlichkeit, welche das jedesmalige Aufziehen des Flügels behufs Ablesung der Umdrehungszahlen verursacht. Diese und andere Uebelstände gaben Veranlassung zur Construction von hydrometrischen Flügeln, bei denen das Zählwerk von dem Flügel getrennt ist und letzterer während der ganzen Beobachtungsdauer unter Wasser bleibt, dagegen dessen Umdrehungen auf dem über Wasser befindlichen Zählwerke abgelesen werden können. Die Uebertragung der Umdrehungen auf das Zählwerk geschieht entweder mittels elektrischer Leitung (vgl. Prof. Harlacher, 1882 243 * 311, ferner Bréguet 1883 249 94) oder mittels Telephon (Prof. v. Wagner). Da nun dem sehr genau arbeitenden Apparate mit elektrischer Uebertragung wegen seines hohen Preises und der umständlichen Anordnung eine allgemeine Anwendung entgegensteht und für Messungen im Hochwasser der einfachste Apparat am wünschenswertesten erscheinen muſs, aber auch eine Telephonleitung bei groſsen Stromgeschwindigkeiten leicht in Unordnung gerathen kann, kam der Vorstand der mechanischen Werkstätte der Kreisrealschule in Würzburg, W. Heß, nach seiner Mittheilung in der „Beigabe zum Jahresberichte der kgl. Kreisrealschule Würzburg 1882/83“ (vgl. Die Mühle, 1884 S. 85) auf den Gedanken, die Schallleitungsfähigkeit der hohlen Standröhre selbst, an welcher der Flügel sich auf- und abbewegt, als Uebertrager der Flügelumdrehungen zu benutzen.

Wird nämlich eine schmiedeiserne Röhre lothrecht ins Wasser getaucht, nachdem vorher ihr unteres Ende luftdicht verschlossen wurde, und läſst man das obere umgebogene und offene Ende mehrere Meter über das Wasser hinausstehen, so hört man in einem Umkreise von 4 bis 5m ohne weiteres jeden Schlag, welcher mit einem kleinen Hämmerchen in beliebiger Tiefe leise auf das Rohr ausgeübt wird. Erfolgen diese Schläge rhythmisch, so bleiben sie noch deutlich hörbar, wenn auch zu gleicher Zeit durch Scheuern an dem Rohre ein Nebengeräusch erzeugt wird. Heß lieſs nun einen Woltmann'schen Flügel ausführen, welcher anstatt des Zählwerkes ein Schlagwerk erhalten hat. Die Schraube auf der Flügelwelle treibt ein Schneckenrad mit 15 Zähnen, auf dessen Nabe 3 Daumen angebracht sind, welche den Stoſszahn des durch eine Spiralfeder niedergehaltenen Schlagbolzens abwechselnd fassen; letzterer wird somit nach je 5 Umdrehungen des Flügels einmal gegen die Wandung des Standrohres geschnellt. Bei passender Wahl des Flügeldurchmessers erfolgen |482| diese Schläge selbst bei groſsen Wassergeschwindigkeiten in Zwischenräumen von 1 bis 2 Secunden, können also noch durchaus zuverlässig gezählt werden. Von Wichtigkeit ist noch der durch vergleichende Versuche nachgewiesene Umstand, daſs die Reibungsarbeit des Schlagwerkes geringer ist als jene des Zählwerkes eines Woltmann'schen Flügels.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: