Titel: Verfahren zur Werthbestimmung käuflicher Potaschen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 12 (S. 530–532)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi12_12

Verfahren zur Werthbestimmung käuflicher Potaschen.

In neuerer Zeit wird der Handelswerth der Potaschen nicht mehr auf Grund des alkalimetrisch ermittelten Gesammtgehaltes an kohlensaurem Alkali bestimmt, sondern es wird lediglich der Gehalt an kohlensaurem Kalium der Werthbestimmung zu Grunde gelegt, weil Potasche, namentlich Schlempepotasche, oft erhebliche Mengen von kohlensaurem Natrium enthält. W. F. Gintl (Berichte der österreichischen chemischen Gesellschaft, 1883 S. 123) ging nun bei der Aufstellung eines vereinfachten Untersuchungsverfahrens von der Erwägung aus, daſs der absolute Gehalt einer Potasche an Kaliumoxyd bezieh. Kalium durch die gleichzeitige Gegenwart von Natron im überwiegend gröſsten Maſse beeinfluſst werde und daſs, mit alleiniger Ausnahme der Schwefelsäure, die Gegenwart anderer Säuren, namentlich der Phosphorsäure, der Kieselsäure, welche überdies in den Potaschen stets nur eine untergeordnete Rolle spielen, dann des Chlores einen verhältniſsmäſsig nur geringen Einfluſs auf die Höhe des Procentgehaltes an Kali in einer Potasche nehmen. Von diesen Salzen entsprechen dem Chlorkalium 63,05, dem phosphorsauren Kalium 67,03, dem kieselsauren Kalium 61,08 Procent an Kali, während dem reinen kohlensauren Kalium 68,12 Proc. entsprechen. Nur die Schwefelsäure bedingt eine erheblichere Abweichung, sofern der Procentgehalt des schwefelsauren Kaliums an Kali 54,07 Proc. beträgt. Daraus folgt, daſs die Gegenwart von Chlorkalium, phosphorsaurem Kalium und kieselsaurem Kalium, wenn, was in der Regel der Fall, der Gehalt einer Potasche an diesen Salzen die Höhe von 10 Proc. nicht wesentlich überschreitet, den Procentgehalt derselben an Kali nur in der ersten |531| Decimalstelle zu beeinflussen vermag und daſs sohin eine Beeinfluſsung dieser Ziffer in den ganzen Procenten lediglich durch die Gegenwart von erheblicheren, an 10 Proc. sich nähernden Mengen von schwefelsaurem Kalium bedingt werden kann. Da nun andererseits der Einfluſs, welchen die Gegenwart von kohlensaurem Natron auf die Höhe des Procentgehaltes einer Potasche an Kali nimmt, ein weitaus erheblicherer ist, so ist in der Differenz des in einer zu untersuchenden Potasche sich findenden Procentgehaltes an Kali gegen den Kaligehalt des reinen kohlensauren Kaliums ein Anhaltspunkt zur Berechnung der vorhandenen Natronmenge gegeben, wenn zugleich die Menge der gleichzeitig vorhandenen Schwefelsäure in Rechnung gesetzt wird. Angenommen, es seien nur die Carbonate von Kalium und Natrium zugegen, so ergibt sich die Zahl 0,859 als Faktor, welcher, mit der Differenz des Kaligehaltes einer solchen Mischung gegen den von reinem Kaliumcarbonate multiplicirt, direkt die Procente an vorhandenem Natron ergibt. Die allgemeine Formel für derartige Rechnungen wird, wenn mit x der gesuchte Procentgehalt an Natriumoxyd, mit n der in dem Gemenge vorhandene Procentgehalt an Kaliumoxyd bezeichnet wird, lauten müssen: x(68,12 – n)0,859, worin der Werth 68,12 den Procentgehalt des reinen kohlensauren Kaliums an Kaliumoxyd bedeutet.

Der Procentgehalt an Kohlensäure wächst für jedes Procent Natriumcarbonat, welches an Stelle des kohlensauren Kaliums eintritt, um 0,0958 Proc. oder für jedes Procent Natriumoxyd um 0,1637, erfährt somit eine Abweichung im positiven Sinne, während die Gegenwart von fremden Säuren eine Abnahme des Procentgehaltes an Kohlensäure, also eine Abweichung im negativen Sinne bedingt und zwar in dem Verhältnisse ihrer Menge und ihrer Aequivalenz. Es wird sonach, wenn es möglich ist, das Maſs der negativen Abweichung auch nur annäherungsweise zu ermitteln, in diesem ein Anhaltspunkt zur Bewerthung des von fremden Säuren in Anspruch genommenen Gehaltes an Kali und daher eine Berichtigung der Ziffer für das in Rechnung zu setzende Kali zu gewinnen sein. Diese annäherungsweise Ermittelung kann nun keine Schwierigkeiten bieten, wenn man aus der mit Hilfe des Faktors 0,859 auf Grund der Kalibestimmung berechneten Näherungsziffer für Natron die durch die Gegenwart desselben bedingte Erhöhung des Kohlensäuregehaltes über den Procentgehalt eines reinen kohlensauren Kaliums an Kohlensäure berechnet, diese Ziffer zu 31,88, d. i. dem Procentgehalte an Kohlensäure im reinen kohlensauren Kalium, zuaddirt und von dieser Summe die wirklich in dem Gemenge gefundene Kohlensäure abzieht. Man erhält so eine Differenz, welche ein Nährungswerth für die den vorhandenen fremden Säuren entsprechende Kohlensäuremenge ist. Für gewöhnlich kann man als Mittelwerth der Aequivalenz der fremden Säuren, ausgedrückt in Kaliprocenten, 61,30 setzen. Der Unterschied der Procentwerthe eines reinen kohlensauren Kaliums gegen die der berechneten Kalimenge entsprechende Summe der genannten vier Säuren, welche sich zu 6,82 ergibt, muſs zu dem Kohlensäuregehalte des reinen kohlensauren Kaliums in demselben Verhältnisse stehen, wie die den vorhandenen fremden Säuren entsprechende Kohlensäure zu der Kalimenge, welche hätte mehr gefunden werden müssen, wenn statt der Kaliumsalze dieser Säuren kohlensaures Kalium zugegen gewesen wäre. Hieraus ergibt sich 6,82 : 31,88 = 0,2139 als die Verhältniſszahl, mit welcher die berechnete Kohlensäuredifferenz multiplicirt eine Zahl gibt, die, von der gefundenen Kaliumoxyddifferenz abgezogen, nunmehr diese Ziffer so weit berichtigt, daſs sie nun, mit dem Faktor 0,859 multiplicirt, einen der Wahrheit sehr nahe kommenden Werth für das vorhandene Natron liefert.

Bei der Ausführung des Versuches wägt man die zu untersuchende Potasche ab, bringt sie in einen Kohlensäurebestimmungsapparat und ermittelt möglichst genau, durch Zersetzen mit Salzsäure und womöglich durch direkte Wägung, den Kohlensäuregehalt. In der entsprechenden Lösung oder einem Theile derselben bestimmt man sodann direkt mit Platinchlorid das Kalium in bekannter Weise.

Eine Potasche ergab z.B. 54,42 Proc. Kaliumoxyd und 29,25 Proc. Kohlensäure die Kaliumoxyddifferenz (68,12 – 54,42) = 13,7 Proc. Diese Ziffer, mit dem Faktor 0,859 multiplicirt, gibt als Näherungswerth für Natron = 11,768 Proc. Hierfür der Zuwachs an Kohlensäure berechnet = 11,768 × 0,1637 = 1,925, welche |532| zu der Differenz der gefundenen Kohlensäure 29,25 gegen den Kohlensäuregehalt von reinem Kaliumcarbonat (= 31,88) addirt den Werth 4,55 als Ausdruck für die den vorhandenen fremden Säuren entsprechende Menge an Kohlensäure gibt. Dieser, mit dem Faktor 0,2139 multiplicirt, gibt 0,973 als Maſs des Kaliumgehaltes, welcher hätte mehr gefunden werden müssen, wenn alles Kali als kohlensaures Salz vorhanden gewesen wäre.

Es ist nun die Kaliumoxyddifferenz d. i. 13,7 – 0,973 = 12,727 die berichtigte Ziffer und diese mit 0,859 multiplicirt gibt nun 10,93 Proc. Natron. Die vollständige Analyse derselben Potasche ergab dagegen:

Wasser 0,528
Unlösliches 0,080
Schwefelsäure 0,829
Kieselsäure 0,487
Chlor 2,028
Phosphorsäure 1,373
Kohlensäure 29,243
Kali 54,428
Natron 11,258,

somit eine befriedigende Uebereinstimmung. Aus den so erhaltenen Resultaten erhält man die Menge des kohlensauren Kaliums und Natriums, wenn man die der Kohlensäuredifferenz entsprechende Kalimenge von dem Gesammtgehalte an Kali abzieht und den Rest als Carbonat berechnet, während das Natron direkt als Carbonat berechnet wird, wobei natürlich die Phosphorsäure als an Kalium gebunden gedacht werden muſs, was bei der Werthbemessung der käuflichen Potaschen üblich ist. (Vgl. Hager S. 86 d. Bd.)

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