Titel: Verfahren zur Verarbeitung von Schlacken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 6 (S. 528)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi12_6

Verfahren zur Verarbeitung von Schlacken.

A. Frank in Charlottenburg (D. R. P. Kl. 18 Nr. 27106 vom 16. September 1883) empfiehlt zur Aufschlieſsung von Schwefel und Phosphor haltigen Schlacken die Verwendung von Chlormagnesium. Die flüssige Schlacke läſst man in eine Chlormagnesiumlösung von etwa 1,06 sp. G. laufen und zerrührt dieselbe zu Schlackenmehl. Dabei zersetzen sich die in der Schlacke enthaltenen Sulfide und Sulfüre unter Bildung von Schwefelwasserstoff; desgleichen setzt sich der in basischer Schlacke enthaltene ungebundene Kalk mit Chlormagnesium zu Magnesia und Chlorcalcium um und bewirkt so indirekt eine Concentration und leichtere Löslichkeit von in der Schlacke enthaltenen Phosphaten, da für je 28 Th. Calciumoxyd 20 Th. Magnesiumoxyd äquivalent eintreten, welches letztere zum Theile noch durch Schlämmen und Absetzen entfernt werden kann. Auſserdem wird durch nachheriges Erhitzen des Schlackenmehles mit dem noch anhaftenden oder auch mit noch zuzusetzendem Chlormagnesium in oxydirender Flamme eine theilweise höhere Oxydation der in der Schlacke enthaltenen, ihrer direkten Anwendung als Dungmittel nachtheiligen Oxydule von Eisen o. dgl. bewirkt.

Anstatt die feuerflüssige Schlacke direkt in Chlormagnesiumlösung einlaufen zu lassen, könnte man natürlich auch die bereits erstarrte und fein zertheilte Schlacke mit Chlormagnesiumlösung unter Anwendung von höherem Dampfdrucke behandeln, um die in der Schlacke enthaltenen Schwefelverbindungen zu zerlegen und den ungebundenen Kalk durch Umwandlung in Chlorcalcium in Lösung zu bringen. In entsprechender Weise kann man auch andere Phosphate, namentlich solche, welche nicht an Phosphorsäure gebundenen, durch Glühen zu kausticirenden Kalk enthalten, z.B. Phosphorsäure haltigen Mergel, nach dem Glühen mit Chlormagnesium behandeln.

Die so behandelten Schlacken und Phosphate können direkt als Dungmittel verwendet werden. Vortheilhafter wird aber das Phosphorsäure haltige Material mit Chlormagnesiumlösung unter Zusatz von Chlorammonium und Salzsäure derart behandelt, daſs auf 1 Aeq. dreibasisch phosphorsauren Kalk ungefähr 1 Aeq. Salzsäure sowie 2 Aeq. Chlormagnesium und 1 Aeq. Chlorammonium kommt. Die Salzsäure löst den phosphorsauren Kalk und gibt ihn wieder an das vorhandene Chlormagnesium und Ammoniaksalz zur Doppelzersetzung derart ab, daſs sich Chlorcalcium und phosphorsaure Ammoniakmagnesia in der Lösung bilden; letztere wird nach Beendigung der Umsetzung durch Abstumpfung der freien Säure mit kohlensaurem Kalk oder Magnesia und schlieſslichem Zusätze von Aetzalkalien oder ätzalkalischen Erden ausgefällt.

An Stelle des Chlormagnesiums und Chlorammons kann man auch schwefelsaure Magnesia und schwefelsaures Ammoniak neben freier Salzsäure in den vorher angegebenen Verhältnissen derart benutzen, daſs auf 1 Aeq. dreibasisch phosphorsauren Kalk 2 Aeq. schwefelsaure Magnesia und 1 Aeq. schwefelsaures Ammoniak nebst etwas mehr als 1 Aeq. Salzsäure verwendet werden. Die betreffenden schwefelsauren Salze setzt man entweder direkt zu, oder auch in der Art, daſs man sie theilweise als Chlorverbindungen den betreffenden Basen unter gleichzeitigem Zusätze einer diesem Theile äquivalenten Menge freier Schwefelsäure beifügt, um so die für Aufschlieſsung und Lösung selbst des dreibasisch phosphorsauren Kalkes erforderliche Menge freier Salzsäure in der Lösung zu bilden. Das entstandene Ammonium-Magnesiumphosphat wird durch die freie Salzsäure in Lösung gehalten, der Kalk scheidet sich gröſstentheils als Gyps aus.

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