Titel: Schädlichkeit farbiger oder matter Fenstergläser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 252/Miszelle 9 (S. 529–530)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj252/mi252mi12_9

Schädlichkeit farbiger oder matter Fenstergläser.

Mit der zunehmenden Mode, die Wohnungen in „echt deutscher Renaissance“ auszustatten, mehrt sich auch die Anwendung bunter Glasfenster und Butzenscheiben. Es ist nicht zu leugnen, daſs es Eindruck macht, wenn wir ein Zimmer betreten, welches durch solche Fenster von der Auſsenwelt abgeschlossen erscheint und unserer Phantasie das Zurückdenken in „unserer Väter Zeiten“ erleichtert wird- aber wir begehen damit groſse hygienische Fehler: nicht nur, daſs das bunte Farbenspiel unsere Augen belästigt und eine groſse Menge wohlthätigen Lichtes von den gefärbten Gläsern absorbirt wird – bei den Butzenscheiben tritt auch noch ungleichmäſsige Zerstreuung und Concentration hinzu, welche geradezu gefährlich für unsere Sehkraft werden können –, sondern tue durch die Verbleiung bedingten zahlreichen Ecken und Winkel bieten ferner dem Staube und Schwitzwasser willkommene Ansammelungspunkte, welche, wie eigehende Untersuchungen erwiesen haben, bedenkliche Zuchtstätten unserer Gesundheit höchst gefährlicher Pilzkolonien werden können. Derartige bunte Fenster sollten deshalb nur in Vorsälen, Treppenhäusern u. dgl., nie aber in eigentlichen Wohnräumen zur Anwendung kommen; für die Fenster der letzteren st unbedingt nur möglichst glattes helles Glas zu wählen, auch die Anwendung horizontaler Sprossen thunlichst zu vermeiden. Aus ähnlichen Gründen ist auch geatztes Glas, an dessen rauher Oberfläche gleichfalls gesundheitsschädliche Ansammlungen stattfinden können, für Thürfüllungen oder Oberlichte nicht |530| empfehlenswerth und hier nur Milch- oder Beinglas anzuwenden. (Nach dem Bayerischen Industrie- und Gewerbeblatt, 1884 S. 142.)

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