Titel: Neuerungen an Maschinen zur Herstellung von Papierstoff.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253 (S. 21–28)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/ar253008

Neuerungen an Maschinen zur Herstellung von Papierstoff.

Patentklasse 55. Mit Abbildungen im Texte und auf Tafel 3.

Als Fortsetzung des Berichtes in D. p. J. 1881 240 * 261) sind in Folgendem die in der Zwischenzeit bekannt gewordenen Neuerungen behandelt, welche besonders die Maschinen zur Herstellung von Papierstoff aus Lumpen betreffen.

An Hadernschneidmaschinen mit auf- und abbewegtem Messer (vgl. Bracker 1883 250 * 394) ist von Louis Baumann in Offenburg (* D. R. P. Nr. 20328 vom 25. April 1882) eine Einrichtung für eine ziehende Schneidbewegung angegeben. Das am Kurbelzapfen der mit einem Schwungrade versehenen Welle S (Fig. 7 Taf. 3) angehängte Tragstück a für das obere Messer m ist gleichzeitig auf einer Seite durch ein kurzes Gelenkstück g an das Maschinengestell angehängt. In Folge dessen macht beim Auf- und Niedergange das Messer m auch eine Verdrehung gegen das untere Messer m1, so daſs nicht mehr ein bloſses Zerhacken der Hadern, wie bei der einfachen Vertikalbewegung, sondern ein glattes Schneiden derselben erzielt werden soll, was einen leichteren Gang der Maschine bewirken würde. Der Vorschub der Hadern wird durch eine geriffelte Walze bewerkstelligt, welche von der Schwungrad welle aus durch ein an dem Rade f angreifendes Reibungsgesperre beim Aufgange des Messers bewegt wird.

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Ein neues Verfahren zum Zerfasern von Lumpen und anderen Faserstoffen von S. Oppenheim und Comp. und Chr. Philippi in Hainholz vor Hannover (* D. R. P. Nr. 25043 vom 29. Mai 1883) wird u.a. auch bei der Papierfabrikation Anwendung finden können. Hiernach sollen die einzelnen Lumpen o. dgl. zu einem festen Körper zusammengepreſst und dieser dann schabenden oder reiſsenden Werkzeugen dargeboten werden. Die Ausführung hat auch dargethan, daſs, wenn Lumpen oder Faserstoffe in Blechtrommeln stark zusammengedrückt werden, erstere nach Entfernung der Trommel einen festen Cylinder ergeben, der sich vom Umfange aus abarbeiten und in die feinsten Fasern auflösen läſst. Fig. 8 Taf. 3 veranschaulicht die wesentlichen Theile der benutzten Maschine. a ist eine auf der durch die Riemenrolle c mit ungefähr 600 Umgängen in der Minute angetriebenen Welle b befestigte Trommel, welche auf ihrem Umfange mit in Schraubenlinien laufenden Sägezähnen (Sägezahndraht) versehen ist und gegen welche der zwischen Scheiben e auf der mit entsprechender Geschwindigkeit und Richtung angetriebenen Welle d steckende Lumpencylinder k verschoben werden kann. Es sind zwei Wellen d angeordnet, damit immer ein Lumpencylinder vorbereitet werden kann, während der andere zerfasert wird.2)

Für das „deutsche Geschirr“ ist eine Neuerung zu verzeichnen, welche in dem Circular-Stampfwerke von Fr. Henseling in Delligsen (* D. R. P. Nr. 25509 vom 1. Mai 1883) besteht. Es sind in einem Troge zwei Reihen auf gewöhnliche Weise durch Daumen wellen C gehobener Stampfen B (Fig. 1 und 2 Taf. 3) angeordnet und der Trog hat zwischen den beiden Reihen einen Steg A, so daſs, wie beim Holländer, ein in sich verlaufender Kanal geschaffen ist, in welchem durch das nach einander erfolgende Aufschlagen der Stampfen der Stoff kreist. Zu diesem Zwecke hat je eine der Endstampfen 1 und 8 einen Ansatz a erhalten, welcher durch seine untere schräge Fläche den Stoff nach der anderen Stampfenreihe zu schiebt. Das bei dem alten einreihigen Stampfwerke auftretende Anhäufen des Stoffes an dem einen Trogende ist durch diese Anordnung vollkommen beseitigt. Um die Stampfen beim Entleeren des Troges in gehobener Stellung zu erhalten, sind auf den festliegenden Achsen c lose die Hebel e angeordnet, welche in entsprechende Ausschnitte der Stampfen treten können. Mit den Hebeln e sind die Arme d verbunden, von denen Schnüre, an deren anderem Ende Gewichte i hängen, über die Walze f gehen. Die Gewichte i hängen gleichzeitig an auf den Walzen h bezieh. g befestigten Schnüren und suchen, wenn die |23| letzteren Schnüre lose sind, die Arme d zu heben und halten dadurch die Hebel e von den Stampfen B ab. Werden aber die Gewichte i durch Aufwickeln der Schnüre auf die Walzen g und h gehoben, so fallen die Arme d durch ihr Eigengewicht, die Hebel e kommen zur Anlage an die Stampfen und halten dieselben durch Einschnappen in deren Ausschnitte in gehobener Stellung.

Henseling will dieses Stampfwerk besonders für die Herstellung von braunem Holzstoffe (vgl. 1882 245 520) benutzen, da die Herstellung desselben durch Schleifen oder mit Kollergängen groſse Kraft benöthigt und einen kurzen Stoff ergibt. Das gekochte Holz soll in Stücke von 8 bis 10mm Stärke geschnitten und ¾ bis 1 Stunde unter Wasser gestampft werden. Der gewonnene Stoff wird dann in einer Feinmühle weiter verarbeitet.

Um die Lumpen gleich bei ihrer Zerkleinerung im Halbzeugholländer der Wirkung kochender Lösungen auszusetzen, also hiermit das vorhergehende Kochen in besonderen Apparaten angeblich entbehrlich zu machen, versehen Th. H. Cobley in Dunstable und G. Tidcombe jr. in Watford (* D. R. P. Nr. 20131 vom 12. Januar 1882) einen Halbzeugholländer mit Heizvorrichtung und Verschluſsdeckel. Wie aus Fig. 11 Taf. 3 zu entnehmen, sind Boden, Kropf L und Wand des Troges K hohl oder doppelwandig und kann Dampf in dieselben treten. Statt dessen können auch durch eine Wand abgedeckte Dampfröhren schlangenförmig im Inneren eines gewöhnlichen Holländertroges angeordnet werden. Gegen das Ueberlaufen des Zeuges schützt der an Ketten hängende Deckel J. Durch das Kochen der Lösungen durch indirekten Dampf gegenüber der direkten Dampfeinströmung wird an Dampf gespart werden können, die Temperatur ist bequem zu messen und deren Erhaltung auf einer bestimmten Höhe leicht durchzuführen. Durch das kräftige Umrühren und Zertheilen der kochenden Lumpen durch die Holländerwalze sollen die Lösungen besser wirken, was wieder nicht ohne Einfluſs auf die schnellere Zerkleinerung wäre. Für kleine Fabriken, welche keinen groſsen Kocher besitzen, sollen solche Holländer zweckmäſsig sein.

Fig. 1., Bd. 253, S. 23

Bei Grundwerken der Holländer will J. P. Korschilgen in Berg.-Gladbach (* D. R. P. Nr. 18875 vom 27. November 1881) die Holländerwalze je nach den zu bearbeitenden Stoffen, wie aus Textfigur 1 zu entnehmen ist, von 0,1 bis 0,33 ihres Umfanges mit radial gestellten Messern umschlieſsen. Dabei werden diese Messer etwas schräg gestellt, so daſs sie einen Winkel von 1 bis 15° mit den Messern der Walze bilden, und ist dieser Winkel also für alle Grundwerksmesser gegenüber den sonstigen parallelen Messern der gleiche. Durch die gröſsere Anzahl Messer soll das Zeug schneller und schonender bearbeitet werden; doch ist dabei zu bedenken, daſs |24| bei der Verstellung der Walze der Abstand für alle Messer nicht der gleiche wird und daher nicht immer alle Messer in gleicher Weise wirken können. Nach dem Zusatzpatente * Nr. 20748 vom 1. Juni 1882 sollen solche Grundwerke aus Stein hergestellt werden, um schwache Fasern, wie Papierabfälle, Stroh u. dgl., mahlen zu können, Steingrundwerke sind allerdings nicht neu und deren Benutzung für empfindlichere Stoffe bekannt.

Bei Holländermessern, welche bisher immer flach ausgeführt wurden, will A. Hankey in Rochdale, Mass. (Nordamerikanisches Patent Nr. 288 234, vgl. Papierzeitung, 1883 S. 468) die Beobachtung gemacht haben, daſs solche Messer, wenn sie hohl geschliffen sind, besser halten. Von der stärksten Stelle bei E (Fig. 3 Taf. 3) nimmt die Dicke des Messers nach C hin ab, bis sie bei B wieder die zur Fassung erforderliche Stärke erlangt. Diese Form bedingt eine auch bei Abnutzung des Messers gleichbleibende Schärfe und kann deshalb eine kräftigere Wirkung herbeiführen.

Eine von Alex. Forbes in Dalkeith, Schottland (* D. R. P. Nr. 11962 vom 30. April 1880) angegebene Holländerconstruction schlieſst mehrere Neuerungen in sich, in so fern als sich dieselbe als Doppelholländer oder als eine Vereinigung zweier einfacher Holländer betrachten läſst. Wie aus dem Grundrisse Fig. 4 Taf. 3 zu ersehen, sind zwei Messerwalzen D vorhanden und der freie Theil des Kanales im gewöhnlichen Holländertroge für beide Walzen in einen etwas breiteren zwischen den Messerwalzen liegenden Kanal a verschmolzen. In diesem Kanäle a liegt ein von der unter dem Troge liegenden Welle b2 durch Zahnräder b3 und b4 angetriebenes Schöpfrad B mit 6 abwechselnd nach beiden Seiten schräg verlaufenden runden Ausschnitten B1 und B2, welche immer auf der hohen Seite durch die Rad wand verschlossen, auf der tiefen Seite aber offen sind. Der Mittelkanal a schlieſst sich an seinem Ende an die Walze an (vgl. Durchschnitt Fig. 5) und von der höchsten Stelle dieses Anschlusses laufen von einer Geraden a1 schräge Flächen a2 und a3 in die Kanäle a4 der Messerwalzen herunter. Die Bodenflächen dieser Kanäle sind zu den Grundwerken G sanft ansteigend und fallen hinter denselben sofort schräg ab, so daſs der gewöhnliche, die Messerwalze hinter dem Grundwerke umgebende Kropf nicht vorhanden ist. Die durch den Kropf hervorgebrachte Wirkung, durch das Auswerfen den Stoff zu mischen und die Bewegung desselben zu befördern, wird hier durch das Schöpfrad B (wie bei Debié, vgl. 1874 213 * 289) bewerkstelligt. Der bei beiden Messerwalzen D durch das Grundwerk gegangene Stoff wird durch die nach der Mitte des Kanales a gebogene Form der Wand A in diesen Kanal geführt, vermischt sich in demselben und gelangt so zu dem Schöpfrade B, welches den Stoff hebt und vermöge seiner Form abwechselnd nach beiden Seiten wieder in die zu den Messerwalzen führenden Kanäle a2, a3 schüttet. Es findet also eine sehr innige Vermischung |25| des Stoffes statt und ist dabei auch zu berücksichtigen, daſs der Uebelstand des gewöhnlichen Holländers, wonach die auſsen an der Wandung des Troges befindlichen Stofftheile weniger oft der Wirkung der Messerwalze ausgesetzt werden als die innen am Stege befindlichen Theile, aufgehoben ist (vgl. Umpherston und Wrigley 1882 243 * 199. 432). Da die Walzenmesser den Stoff im Kröpfe nicht mehr zu heben brauchen, so können dieselben enger auf der Walze stehen und es können sich in den kleineren Räumen zwischen denselben nicht leicht gröſsere Klumpen ansetzen, welche dann, ohne bearbeitet zu werden, durchgehen, wie es beim gewöhnlichen Halbzeugholländer mit weit gestellten Walzenmessern der Fall sein kann. Da sich die beiden Walzen nach gleicher Richtung drehen, so könnte man sie auch auf einer Welle anordnen. Besser ist jedoch, jede Walze für sich auf einer besonderen Welle D1 anzubringen, wie in Fig. 5 gezeichnet ist, und beide gesondert mittels Riemenscheiben R von der Vorgelegewelle aus zu treiben, von welcher auch die unter dem Troge liegende Welle b2 mittels Scheibe b1 ihre Bewegung erhält.

Für die gleichzeitige parallele Stellung der Walzen D ist die Einrichtung Fig. 6 angegeben, welche im Wesentlichen auch schon bei gewöhnlichen Holländern angewendet wird. Im oberen Theile der zwischen den Walzenlagern L stehenden Säulen E2 liegt quer über dem Holländer die durch das Handrad E3 drehbare Welle E1, welche mittels Kegelräder gleichzeitig die beiden in den Säulen E2 befindlichen Schraubenspindeln s in Bewegung setzt. Die Lager L ruhen auf den um die Zapfen e drehbaren Hebeln E, deren anderes Ende mit den Gelenkstücken t an der Mutter der Schraubenspindel s hängt. Bei Drehung des Handrades E3 werden dann gleichzeitig beide Walzen D gleichmäſsig gehoben oder gesenkt. Es ist aber noch eine weitere feine Stellung vorhanden, welche neu ist und dadurch erzielt wird, daſs die Bolzen e excentrisch gelagert sind und bei ihrer Verdrehung entsprechend die Hebel E heben oder senken. Die Bolzen e werden mit Hilfe eines Schlüssels gedreht, zu welchem Behufe sie am Ende vierkantig sind, und entweder durch Klemmschrauben, oder, wie im linken Theile der Fig. 6 sichtbar, mit Hilfe eines besonderen Ringes m festgestellt. Der Bolzen e ist hinter dem Vierkante achteckig und paſst darauf ein Ring, welcher aber auſsen sechskantig ist und in ein entsprechendes Loch greift. Dreht man z.B. den Bolzen e um ⅙ nach rechts und dann den Ring um ⅛ nach links, so erhält man 1/24 Drehung des Bolzens nach rechts.

Eine weitere Neuerung besteht in besonders geformten Waschtrommeln C (Fig. 5), welche auch den Zweck haben, die Bewegung des Stoffes zu fördern. Dieselben liegen vor den Walzen D und sind nicht wie gewöhnlich cylindrisch, sondern besitzen eine mehreckig geschwungene Form und im Inneren an die Ecken anschlieſsende Schaufeln c1 so daſs sie eine Anzahl mit gebogenen Sieben überzogener Schöpfgefäſse bilden. Beim Eintauchen in den Stoff treiben die Trommeln durch ihre Form den |26| Stoff theilweise vorwärts, heben ihn auch ein wenig und das Wasser tritt dabei kräftig durch die Siebe, um durch die Schaufeln c1 nach der Mitte zu und dort seitlich abgeführt zu werden. Durch die starke Entwässerung vor den Walzen soll der Stoff in einem verdickten Zustande zu dem Angriffe der Messer kommen und der letztere dadurch auch besser sein. Zu berücksichtigen bleibt jedoch bei dieser Stoffbeförderung durch solche Trommeln, daſs dieselben nicht bis an den Boden eintauchen und sich folglich dort eine ruhende Schicht bilden wird, welche nur sehr langsam zu den Messern gelangen kann. Wenn mit den Trommeln C nicht gewaschen wird, läuft natürlich das entzogene Wasser wieder in den Holländertrog zurück. Die Entwässerung wird vermöge der gewählten Trommelform wohl kräftig ausfallen; doch steht zu befürchten, daſs bei dem gröſseren Drucke viele feine Fasern mit entzogen werden und die Siebflächen sich bald zusetzen.

Endlich ist noch eine Einrichtung angegeben, um die Waschtrommeln C, wenn sie zur Stoffbewegung nicht benutzt werden sollen, selbstthätig auszuheben. Ueber den Waschtrommeln liegt in den Lagerböcken H die Welle F, auf welcher zu beiden Seiten Kurbelscheiben F1 sitzen. Von den Zapfen dieser Schüben F1 gehen Stangen T zu den Zapfen der Waschtrommelwelle, so daſs bei halber Drehung die Kurbelscheiben F1 der Wasch trommeln dieselben ausgehoben und bei weiterer halben Drehung wieder in den Stoff eingetaucht werden. Der Antrieb der Kurbelscheiben erfolgt von der Schöpfradwelle b aus mittels eines Riemens g, welcher durch Kegelräder die stehende Welle f in Bewegung setzt, deren Schnecke f1 in ein auf der Welle festes Rad r greift. Durch Verschiebung des Riemens von den Losscheiben auf die Festscheiben g1 und g2 wird dann der Trieb eingerückt.

Fig. 2., Bd. 253, S. 26

Der beim Waschen im Holländer auftretende Uebelstand, daſs durch die Siebflächen immer fein gemahlene Fasern mit dem Waschwasser durchgehen, mag den Gedanken einer ununterbrochenen Entnahme des fein gemahlenen Stoffes und damit eines ununterbrochenen Betriebes des Holländers nahegelegt haben. Es benutzen wenigstens die für diesen Zweck angegebenen beiden Einrichtungen nur die für das Waschen vorhandenen Theile. Die erste Einrichtung von F. Strobel in Chemnitz (* D. R. P. Nr. 21275 vom 18. Mai 1882) bringt, wie in Textfigur 2 angedeutet ist, nur statt der vorderen Waschscheibe eine Siebtrommel S an, welche durch ein Spritzrohr r gereinigt wird; doch kann zur Erreichung des gleichen Zweckes auch die Waschscheibe bestehen bleiben. Ist nach der Beschickung mit grobem Stoffe der Holländer einige Zeit gelaufen, so werden die Blindscheiben b und b1 entfernt und der von der Walze W in die Höhe an die Haube H geschleuderte Stoff trifft beim Abfallen den Siebrahmen s |27| und die Siebtrommel S, wobei die feinen Fasern mit dem Wasser durch die Sieböffnungen gehen und durch den Kanal k und die Achsenöffnung der Siebtrommel abgeführt und dann auf bekannte Weise entnäſst werden.

Das Schleudern des Stoffes gegen die Siebflächen soll auch durch besondere Flügelwalzen geschehen, wie es bei der zweiten Einrichtung von W. J. A. Reimann in Breslau (* D. R. P. Nr. 24290 vom 3. Februar 1883) in Textfigur 3 dargestellt ist. Die Siebe S und S1 sind hier Roste und die Stäbe derselben auf der oberen Seite mit Rinnen versehen. Die Roste stehen mehr senkrecht gegen den von der Walze W und der vor derselben liegenden Flügelwalze L in die Höhe geschleuderten Stoff und sind auch in der Breite dieser Walzen schräg gestellt, so daſs die durchgeworfenen und auf den Rinnen aufgefangenen feinen Fasern seitwärts mit dem Wasser in eine Rinne R ablaufen können, um in den nächsten Holländer geführt zu werden. Von dem letzten Holländer soll der feine Stoff sofort zur Papiermaschine gelangen.

Fig. 3., Bd. 253, S. 27

So verlockend ein ununterbrochener Betrieb der Holländer auch erscheint, so ist doch zu bedenken, daſs bei der dann ebenfalls ununterbrochenen Beschickung der grobe Stoff sich nicht im Gange seiner Bearbeitung an den schon feineren Stoff anschlieſst, sondern mit diesem vermischt wird, so daſs hierbei besonders die feineren Fasern an und zwischen die groben Stofftheile sich festhängen. Wo bleibt dann auch der mit der allmählichen Verfeinerung des Stoffes vermehrte Messerangriff durch Tieferstellung der Walze gegen das Grundwerk?

In Verfolgung seiner Holländerform (vgl. 1881 240 * 30) hat Alb. Keferstein in Halle a. d. S. (* D. R. P. Nr. 24895 vom 4. Februar 1883) eine neue vertikale Stoffmühle angegeben, welche in Fig. 9 und 10 Taf. 3 skizzirt ist und im Gegensatze zur früheren Construction nur ein Grundwerk b hat, hinter dem ein Stoffgang n angeordnet ist. Die Hadern werden durch die Oeffnung a eingebracht und durch die Oeffnung c am Boden abgelassen; das Wasser tritt am Boden durch d zu und das schmutzige Wasser oben durch das Deckelsieb f nach g ab. Bei nicht mehr als 100 bis 120 Umdrehungen der Walze s soll der Stoff dem Grundwerke gut zugeleitet werden, bei rascherem Umlaufe aber sich vor dem Grundwerke anstauen und dann theilweise durch den Stoffgang n um das Grundwerk geleitet werden. Damit der Stoff auch dann noch genügend zum Grundwerke gebracht wird, ist der Gang n durch eine Klappe theilweise zu verschlieſsen. Jedoch auch bei der geringeren Geschwindigkeit dürfte schon durch die Kreisbewegung des Stoffes eine Sonderung desselben eintreten, da die gröberen und schwereren Theile nach auſsen an die Wandung l treten und sich in dem Stoffgange n |28| anstauen, so daſs stets ein groſser Theil unbearbeiteten Stoffes dort stehen würde; der Stoffgang n dürfte sich auch leicht versacken.

Keferstein will mit dieser Holländerform auch ununterbrochen Ganzstoff mahlen und bricht zu diesem Zwecke die Messer der Walze am unteren Theile bei z etwas ab, so daſs der Ganzstoff dort nur gebürstet wird. Durch eine Verengung des Stoffraumes um die Walze soll dann keine Vermischung des Stoffes in der Lothrechten eintreten und folglich der fertige Ganzstoff immer unten abgelassen werden können.

Schlieſslich sei noch eine von Max Friedrich in Plagwitz-Leipzig (* D. R. P. Nr. 23107 vom 2. August 1882) angegebene Einrichtung einer dem Holländer ähnlichen Maschine erwähnt, um für die Papierfabrikation verwendbare Fasern aus Torf zu gewinnen. Statt der Messerwalze läuft in dem glatten, kein Grundwerk besitzenden Kröpfe eine Walze T (Textfigur 4) von wellenförmiger Umfangsfläche. Der vorher auf besonderen Maschinen (vgl. Nehlmeyer 1883 250 * 451) zerkleinerte Torf wird in den Trog gefüllt und durch die Walze T werden die Fasern von anklebendem Schmutze gereinigt. Es werden dann in die in dem Troge kreisende Fasermasse Rechen R von verschieden dichter Zinkenstellung eingehängt, an denen sich entsprechend die verschieden langen Fasern absetzen, welche dann mit den Rechen herausgenommen werden.

Fig. 4., Bd. 253, S. 28
Fig. 5., Bd. 253, S. 28

Diese Sortirung der Fasern nach verschiedener Länge wird auch erreicht durch Einsetzen von verschiedenen Sieben S (Textfigur 5) in dem Kröpfe unter der Walze T. Beim gröbsten Siebe gehen mit dem Wasser auch die feineren Fasern durch den Kanal K fort und es bleiben in dem Troge nur die gröbsten Fasern rein gewaschen zurück; diese können auch zum Verspinnen benutzt werden. Bei Wiederholung dieses Verfahrens mit immer feineren Sieben S erhält man nach einander die verschiedenen Fasersorten, welche mit Hadernstoff und anderen Stoffmaterialien vermischt zur Weiterbearbeitung in einen gewöhnlichen Holländer gebracht werden.

G. Rohn.

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Vgl. auch: Barton's Stellzeug für Holländerwalzen 1883 250 * 452. Bracher's Hadernschneidmaschine 1883 250 * 394. Umpherston's bezieh. Wrigley's Holländerconstruction 1882 243 * 199. 432.

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Ganz die gleiche Einrichtung wird nach der Papierzeitung, 1883 * S. 1156 von G. F. Evans in Mechanic Falls, Maine (Nordamerikanisches Patent Nr. 279 551) für Holz vorgeschlagen, indem ein zwischen Spitzen rotirender runder Holzklotz einem langen cylindrischen Fräser dargeboten werden soll. Uebrigens kommen schon vor etwa 20 Jahren bei der Holzschliffbereitung Constructionen vor, bei denen das Holz zwischen Spitzen bezieh. Dreizacken drehbar gefaſst gegen den rotirenden Schleifstein gepreſst werden sollte (vgl. Siebrecht 1865 175 * 102.)

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