Titel: Neuere Dampfölungsapparate.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1884, Band 253 (S. 103–106)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj253/ar253035

Neuere Dampfölungsapparate.

Mit Abbildungen auf Tafel 8.

Im Folgenden sind einige neuere Dampfschmierapparate beschrieben, welche sämmtlich auf dem oft angewendeten Prinzipe beruhen, den stetigen Abfluſs des Oeles in die Dampfleitung dadurch zu bewirken, daſs dasselbe durch aus dem Dampfe sich bildendes Niederschlagswasser allmählich verdrängt wird (vgl. Holland 1881 242 * 172).

Bei dem von E. de Limon in Düsseldorf (* D. R. P. Kl. 14 Nr. 625 vom 18. September 1877 mit Zusätzen * Nr. 6520, Nr. 16001 und Nr. 25988) steigt bei der neuesten, in Fig. 1 Taf. 8 dargestellten Anordnung der Dampf in dem Röhrchen b in das aus dem Oelbehälter A herausragende, im Inneren bis fast auf den Boden herabreichende Rohr B auf, in welchem er sich niederschlägt und als Wasser langsam in das Oelgefäſs A herabrinnt. In demselben Maſse wird aber das Oel gehoben und flieſst durch das Röhrchen c in die Dampfleitung ab, wo es alsdann vom Dampfe zu den Schieberflächen und in den Cylinder mitgeführt wird. Ein Schraubenventil G soll den Abfluſs des Oeles zu regeln gestatten, während ein anderes Schraubenventil W zum Ablassen des Wassers dient. Das Einfüllen des Oeles geschieht durch den mittels einer Schraube verschlieſsbaren Einguſs F, kann aber während des Betriebes offenbar nur dann geschehen, wenn zwischen das Schmiergefäſs und die Dampfleitung noch ein Hahn zum Absperren des Dampfes eingeschaltet wird.

Ein anderer sehr zweckmäſsiger Dampfschmierapparat ist von W. A. G. Schönheyder in London im Engineering, 1884 Bd. 37 S. 324 bezieh. Engineer, 1884 Bd. 57 S. 276 angegeben. Bei demselben genügt das Verstellen eines einzigen Hahnes, um den Apparat in Thätigkeit zu setzen, das condensirte Wasser abzulassen oder Oel nachzufüllen u. dgl.

Der in Fig. 2 und 3 Taf. 8 gezeichnete Apparat steht durch zwei bei H und J einmündende Rohre mit der Dampfleitung in Verbindung. Durch das erstere Rohr, welches je nach Umständen durch ein Condensationsgefäſs geführt ist, rinnt das Niederschlagswasser in den Schmierapparat |104| hinab, während das andere Rohr das verdrängte Oel in die Dampfleitung führt. Dies ist der Fall, wenn der durch das Handrad K verstellbare Hahnkörper die in Fig. 2 ersichtliche Stellung hat. Es läuft dann das Condensationswasser von H aus durch den Kanal A, die Hahnbohrung B und den rechtwinkeligen Weg C in den unteren Theil des Oelbehalters L hinab, während das verdrängte Oel durch die Bohrung D des Hahngehäuses und den in eine Spitze ausmündenden Kanal E des Hahnkegels in die obere, mit Wasser erfüllte Abtheilung des Apparates gelangt, woselbst es in einzelnen Tropfen in die Höhe steigt und im höchsten Theile sich ansammelt, um bei fortdauerndem Zuflüsse durch J in die Dampfleitung zu gelangen. Soll das angesammelte Wasser abgelassen werden, so wird der Hahnkegel um 180° gedreht; es ist dann sowohl der Eintritt des Condensationswassers, als auch der Austritt des Oeles abgesperrt; dagegen steht nun der Kanal C mit der durch die Hahnstange nach auſsen führenden Bohrung G in Verbindung und kann daher der Inhalt des Schmiergefäſses L auf dem heberförmigen Wege CG ablaufen, sobald man durch Lüften des Schraubpfropfens O (Fig. 3) der Luft Zutritt in das Gefaſs L durch die Bohrung P gestattet. Um das Gefäſs alsdann mit Oel nachfüllen zu können, wird der Pfropfen O ganz herausgeschraubt und in der punktirten Stellung Fig. 3 dadurch erhalten, daſs das kurze Gewinde Q in den Vorsprung R eingeschraubt wird. Bevor aber nun Oel eingegossen wird, muſs der Hahnkegel um 90° zurückgedreht werden, wodurch alle Bohrungen desselben verschlossen werden und namentlich die heberförmige Verbindung CG, durch welche das Oel gleich wieder ablaufen würde, unterbrochen ist. Dreht man endlich den Hahn von dieser Stellung aus um 180°, so sind die Kanäle B und G des Hahnkörpers gleichfalls geschlossen; dagegen steht jetzt die Bohrung E durch den Durchgang F mit A in Verbindung. (Der Kanal F ist in der Fig. 2 der gröſseren Deutlichkeit halber um 90° versetzt hineinpunktirt und müſste eigentlich gerade nach hinten gerichtet sein.) In dieser Lage füllt sich die obere Abtheilung mit Condensationswasser an. In der ersten, der Arbeitsstellung des Apparates kann durch geringes Verdrehen des Hahnkegels der Durchgang ED mehr oder weniger verengt und damit der Ausfluſs des Oeles regulirt werden. Um hierüber eine Sicherheit zu haben, ist die Metallwandung bei M theilweise ausgeschnitten und eine Glasröhre N eingesetzt, in welcher man alsdann das Oel in einzelnen Tropfen aufsteigen sehen kann. Ein Reinigen oder Auswechseln der Glasröhre ist durch Entfernung des aufgeschraubten Deckels bezieh. der inneren Fassung derselben leicht ausführbar.

Ein Dampfschmierapparat amerikanischen Ursprunges (sogen. Empire Lubricator) ist nach dem Engineer, 1883 Bd. 56 S. 509 in Fig. 6 Taf. 8 dargestellt. Das aus dem durch A hergeleiteten Dampfe in dem Condensationsgefäſse B niedergeschlagene Wasser erfüllt in dem Rohre D herabsinkend den unteren Theil des Oelgefäſses C. Das verdrängte Oel |105| gelangt durch das Rohr J und das Absperr- und Regulirventil F in das mit Wasser erfüllte Glasgefäſs G, durch welches es in Tropfen aufsteigt, um durch das Rohr H in den Schieberkasten bezieh. die Dampfleitung geführt zu werden. Das Einfüllen des Oeles geschieht durch das Schraubventil E, während zum Ablassen des Wassers ein kleiner Hahn im Fuſsgestelle dient, welcher in der Figur nicht ersichtlich ist. Bei beiden Vorgängen müssen natürlich die Ventile F und K geschlossen sein.

Durch das sichtbare Aufsteigen der Oeltropfen bei diesen beiden letzten Apparaten ist dem Wärter die Möglichkeit geboten, sich über das ordnungsmäſsige Arbeiten derselben zu unterrichten und einen ganz bestimmten Verbrauch an Schmieröl innezuhalten.

Bei den Dampfschmierapparaten von J. Rudolphs in Stockholm (* D. R. P. Kl. 47 Nr. 24574 vom 24. Januar 1883) und von A. Dülken und Ed. Daelen in Düsseldorf (* D. R. P. Kl. 47 Nr. 24573 vom 14. Januar 1883) erfolgt die Regulirung durch direkte Vergröſserung oder Verminderung des mit Dampf erfüllten Abkühlraumes.

Bei Rudolphs ist nämlich das ganze Oelgefäſs C mit einem entsprechenden Hahngehäuse D (Fig. 4 Taf. 8) um einen mittels des Stutzens A mit dem Dampfrohre in Verbindung stehenden Hahnkegel B drehbar. Ein in das Gehäuse D eingeschraubtes Röhrchen L mündet nahe am Umfange des Oelbehälters und steht bei verschiedenen Neigungen desselben durch die Aussparung N mit der Höhlung des Hahnkegels in Verbindung. Der Oelbehälter C ist mit einem Fülltrichter F und einem Ablaſshahne J für das Niederschlagswasser versehen. Der Dampf tritt also durch dasselbe Rohr ein, durch welches das Oel abflieſst und findet eine um so gröſsere Abkühlungsfläche, je mehr das Gefäſs links herumgedreht wird. Hierdurch läſst sich die Condensation und dieser entsprechend auch der Oelverbrauch regeln.

Bei einer etwas veränderten Ausführung dieses Apparates steht der Oelbehälter selbst fest, während das Rohr L sich mit dem Hahnkegel drehen läſst; die Wirkungsweise des Apparates wird dadurch nicht geändert.

Bei dem Apparate von A. Dülken und Ed. Daelen steht, wie aus Fig. 5 Taf. 8 hervorgeht, die Dampfzuleitung mit dem Röhrchen a in Verbindung und ist durch ein Ventil g zu öffnen oder zu schlieſsen. An dem Gefäſse befinden sich noch ein Ablaſsventil h für das Niederschlagswasser und zwei an dem Oelbehälter b einander gegenüber liegende Wasser- bezieh. Oelstandsgläser. Der über der Mündung des Röhrchens a, also über der Oberfläche des Oeles liegende, eingeengte Raum c bildet den Dampfkühlraum, welcher durch Hoch- oder Niederschrauben des Kolbens d vergröſsert oder verkleinert werden kann, wodurch dem Dampfe an den Seitenwandungen von c eine gröſsere oder geringere Kühlfläche geboten wird.

Durch Hoch- oder Tiefschrauben des mit einem Handrade versehenen |106| Kolbens d kann man die Schmierung beliebig regeln, und zwar gestattet die Anordnung, da sich der Kühlraum c unterhalb der Kolbenfläche von d und unterhalb der die Dichtung des Kolbens d bewirkenden Stopfbüchse befindet, eine derartige Verkleinerung des Dampfraumes, daſs man denselben auf ein Kleinstes vermindern, ja auf Null stellen kann. Schraubt man nämlich den Kolben d so tief herunter, daſs dessen untere Fläche das Oel berührt, so ist kein Dampfraum mehr vorhanden.

In dem Boden des Kolbens d befindet sich das Ventil e, welches durch die verlängerte Spindel in dem Trichter f geführt und durch eine Feder geschlossen wird. Der Trichter f dient zum Einfüllen des Schmiermittels, indem man auf den Knopf der Ventilspindel drückt und dadurch das Ventil e öffnet. Die in dem Dampfraume c sich ansammelnde Luft wird ebenfalls durch einen Druck auf den Ventilspindelknopf entfernt.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: